Kurze Nacht für die Kunst

Daleiden · Die Europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung Islek ohne Grenzen (EWIV) veröffentlicht seit Jahren einen Kalender mit Bildern von Kindern aus Deutschland, Belgien und Luxemburg. Erstmals haben die Schüler nicht für sich allein gemalt. 57 trafen sich für zwei Tage mit dem Künstler Dieter Nusbaum im belgischen Vianden zu einem internationalen Kalenderworkshop. Das Ergebnis wurde nun vorgestellt.

Mit Freude präsentieren die Schüler der Klasse 4 der Daleidener Grundschule den Kalender, den sie mit Schülern aus Belgien und Luxemburg gemalt und gestaltet haben. TV-Foto: Frank Auffenberg

Foto: Frank Auffenberg (aff) ("TV-Upload Auffenberg"

Daleiden. Neugierig beugen sich Fiona (9) und Annika (9) über den Tisch. "Brauch ich eine Brille?", ruft Fiona und kneift die Augen zusammen. Dieter Nusbaum lacht. Der Kalender, den der Künstler in der Hand hält, wackelt. Aufgeschlagen ist das Oktoberblatt. Eine riesige Knetbrezel prägt die Seite, drunter steht eine Zeichnung, die in schlichten Strichen einen Eindruck vom Oktoberfest vermittelt. Die Wochentage und Zahlen am Fuß des Kalenderblattes sind verwischt. Die Schüler schütteln sich vor Lachen. Mit ihren Augen ist alles in Ordnung. "Stimmt, das passt ja super", ruft Nico (10). Seite um Seite gehen die Schüler mit dem Künstler durch. Minütlich scheint der Stolz zu wachsen, denn sie bewundern hier nicht das Werk Nusbaums, sondern ihr eigenes. "Ich habe nur alles in Form gebracht, die Künstler sind die Kinder", sagt Nusbaum.
An zwei Tagen im Herbst hat Nusbaum mit 57 Schülern aus Belgien (Gemeindeschule Kreuzberg), Deutschland (Grundschule Daleiden) und Luxemburg (Primarschule Hosingen und Veiner Schull Vianden) zusammengearbeitet. Der Auftraggeber: die "Europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung Islek ohne Grenzen" (EWIV, siehe Extra). "Seit mehr als 25 Jahren bringen wir schon einen Kalender mit Kinderbildern raus. Bisher malten alle Teilnehmer unter sich in ihren Schulen und reichten dann ihre Arbeiten ein. Eine kleine Jury wählte dann die Werke aus, die schließlich veröffentlicht wurden. Das war schön, aber immer nur ein ganz kleines Nebenprojekt von uns", erklärt Andreas Kruppert, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arzfeld. In diesem Jahr habe man die Sache aber ganz anders aufgezogen.
"Wenn wir schon eine grenzübergreifende Vereinigung sind, dachten wir, dass es doch schöner wäre, wenn Ihr euch alle mal trefft, um den Kalender wirklich zusammen zu machen", erklärt Kruppert bei der Vorstellung des Prachtstücks in der Daleidener Grundschule, und ein gemeinsames Werk ist es tatsächlich geworden.
Jede Seite steht für sich, jeder Monat ist eine kleine Überraschung. Nusbaum hat eine riesige Collage zusammengestellt, in der sich jetzt alle Schüler wiederfinden. Ihre Werke, aber auf den Rückseiten auch Fotos, die jeweils die Künstler zeigen. "Die Kinder haben sie selber während der Arbeit gemacht", sagt Nusbaum. "Der ist echt schön geworden. Toll, dass jede Seite so anders ist", lobt Nico. Ihm habe die Aktion sehr viel Spaß gemacht, betont er. Das Basteln sei super gewesen, neue Freunde kennenzulernen auch. "Mit der Sprache gab es gar keine Probleme. Meistens redeten wir alle deutsch miteinander. Das hat gut geklappt", sagt er. Einig sind sich die Viertklässler, dass besonders das Zusammensein Spaß gemacht habe. "Die Nacht war sehr lustig. Wir haben viel Unfug gemacht", sagt Nils. Details würden aber nicht verraten.
Klassenlehrerin Natalie Diederichs ergänzt: "Es hat halt gedauert, bis jeder wirklich schlief." Zwar sei der Kunstausflug in die Jugendherberge nach Vianden nicht die erste Klassenfahrt gewesen, aber eben eine ganz besondere. Dass die Schüler alle aus verschiedenen Ländern kamen und teils auch nicht im gleichen Alter waren, sei kein Problem gewesen. "Es lief echt toll. Wir wären bei einer Wiederholung auch sicher dabei", sagt sie.
"Wir sind sehr zufrieden. Bisher war der Kalender immer eine kleine Nebenaktion, in diesem Jahr ist er zu unserer größten geworden - aber auch mit sehr viel Erfolg", sagt Kruppert. Wer den Kalender haben will, muss schnell sein. Alle Teilnehmer bekommen einen. "Die Auflage liegt bei 600 Stück. Der Kalender ist kostenlos bei uns zu bekommen", sagt Josef Freichels, Chef der Touristeninformation Arzfeld. Knapp 10 000 Euro hat der Druck gekostet. "Die Kosten für das Projekt, eben auch für den Workshop, teilen wir uns, haben aber auch Fördermittel beantragt", sagt Kruppert.
Extra

Die Europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung Islek ohne Grenzen (EWIV) wurde 1997 gegründet. Sie ist ein Zusammenschluss von Gemeinden und Vereinen aus der Grenzregion Belgien, Deutschland und Luxemburg. Die EWIV hat ihren Sitz in Weiswampach, Luxemburg. Ziel ist die grenzübergreifende Förderung von regionalen Identitäten, von Kunst und Kultur und pädagogischer Jugendarbeit. Zudem sollen Lösungen für soziale Probleme gefunden und ein regionales Informationsnetz aufgebaut werden. Zur EWIV gehören folgende Gemeinden: Arzfeld, Dahnen, Daleiden, Dasburg, Lützkampen sowie Neuerburg und Roth an der Our. In Belgien nimmt die Gemeinde Burg-Reuland daran teil. In Luxemburg haben sich Park Hosingen, Kiischpelt, Clerf, Putscheid, Ulflingen, Vianden, Weiswampach und der Verein D'Frënn vum Ourdall angeschlossen. aff