Kyllburger Hotel Eifeler Hof öffnet 2020 erneut seine kaiserlichen Pforten

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Es hat Jahre gedauert, hat mehrere Millionen gekostet und nun ist es endlich soweit: Das Hotel Eifeler Hof in Kyllburg aus der Kaiserzeit hat einen neuen Pächter und die Zulassung, Anfang 2020 zu eröffnen.

Auf dem Boden liegt ein Mann mit rosafarbenem Ballettkleidchen, rosa Spitzenschuhen und Schnurrbart. Er hält sich die linke Brust, seine Augen sind geschlossen. Vor ihm steht ein in weiße Uniform und Fellumhang gekleideter Herr mit Degen – vermutlich der deutsche Kaiser höchstpersönlich.

Ein Schlüsselereignis aus dem Deutschen Kaiserreich, gezeichnet von Berenike Michalke im Jahr 2014, aufgehängt in der Eingangshalle des Eifeler Hofs. Unwillkürlich kramt der Betrachter im Gedächtnis und versucht sich an eine Geschichtsstunde zu erinnern, die die Entstehung des Verbots homosexueller Handlungen – bis 1994 noch Paragraph 175 – besprochen haben könnte.

Vier weitere solcher Zeichnungen und ältere Gemälde mit Szenen aus dem Kaiserreich hängen an den Wänden, ein paar antike Sofas und Stühle stehen herum. Carl Philipp R. Thomas hat die Einrichtung dem historischen Ambiente des Hotels Eifeler Hof in Kyllburg angepasst, denn das Hotel stammt aus dem Jahr 1880, als mit der Eisenbahn der Tourismus nach Kyllburg kam. Thomas ist Geschäftsführer und einer der vier Gesellschafter der GbR (Gesellschaft des bürgerlichen Rechts), welcher das gleichnamige Hotel gehört. Teil dieser GbR Eifeler Hof sind außer ihm drei weitere Familienmitglieder, die die Investition mitfinanzieren.

Thomas kommt selbst nicht aus Kyllburg. Der in Luxemburg ansässige deutsche Rechtsanwalt ist nach mehreren Jahren in der Schweiz, Taiwan und Australien heute Honorarkonsul von Fiji in Luxembourg, schreibt daneben für eine Versicherungs-Zeitschrift und lehrt einen Kurs zur europäischen Intergration an der privaten Universität in Luxemburg. Das kleine Kyllburg scheint ihn zu faszinieren. Er kauft gerne antike Möbel und Gemälde und hat im Eifeler Hof einen Ort gefunden, wo er ihnen einen passenden Rahmen geben kann.

Beate Schmit ist die Geschäftsführerin der Eifeler Hof Gastro GmbH, die das Hotel nun pachtet. Foto: TV/Katharina Fäßler

Er sagt, sie erinnern ihn an verblichene Glanzzeiten des Hotels gegen Ende der Ära von Kaiser Wilhelm II, Anfang des 20. Jahrhunderts. So ähnlich scheint es ihm auch mit dem Eifeler Hof im Ganzen zu gehen. Thomas möchte kein Nobelhotel daraus machen, weil das nur einen eingeschränkten Gästekreis ansprechen würde. Hotel und Restaurant sollen vielmehr mit gutbürgerlicher Ausrichtung geführt werden.

Fast fünf Jahre hat es gedauert, das Hotel wieder auf Vordermann zu bringen, zwei Architekten aus der Region und zwei verschiedene Pächter sind seither gekommen und wieder gegangen.

Fünf Zeichnungen stellen das Hotel in den Kontext der Zeit, in der das Hotel gebaut wurde. Sie sollen die agressiven Auswüchse der Kaiserzeit zeigen. Foto: TV/Katharina Fäßler

Die Kreisverwaltung hat Anfang 2016 die Nutzung des Gesamtkomplexes Eifeler Hof untersagt, weil ungenehmigte Änderungen vorgenommen worden waren, die Bauaufsichtsbehörde und die Brandschutzdienststelle hatten Mängel festgestellt. Zweimal hat Thomas im Volksfreund schon angekündigt, bald zu eröffnen – beide Male ist nichts daraus geworden.

Schon vor zwei Jahren hatte er über zwei Millionen in das 4000 Quadratmeter große Gebäude gesteckt – heute möchte er dazu keine Angaben mehr machen. „Man rutscht eben in solche Sachen rein“, sagt Thomas „und dann bleibt man dran, weil man die Aussicht hat, irgendwann das Ende des Tunnels zu erreichen. Und jetzt ist es ja vorbei“.

In einigen Schlafzimmern des Hotels konnte der Stuck an der Decke erhalten werden. Foto: TV/Katharina Fäßler

Er beklagt überbordende baurechtliche Vorschriften und deren allzu strikte Anwendungen, die seiner Ansicht nach immer mehr Traditionshotels unwirtschaftlich machen. Dazu komme, dass Banken das Risiko oft zu hoch sei und man für derartige Projekte eigentlich keine Kredite bekomme. Jetzt habe man aber die Abnahme im baurechtlichen Sinn für den wesentlichen Teil des Hauses erhalten. Und er hat eine neue Pächterin gefunden, die Eifeler Hof Gastro GmbH.

Beate Schmitt, die Geschäftsführerin dieser GmbH, plant die Eröffnung für Anfang des Jahres 2020. Die 50-jährige ausgebildete Rechtsanwalts- und Notargehilfin kennt das Hotel von klein auf, denn sie wuchs in der Nachbargemeinde Malberg auf. Sie erinnert sich an eine Kegelbahn und das Schwimmbad, die damals noch zum Hotel gehörten. Sie hat gesehen, dass das Hotel von Hand zu Hand ging und wie es dabei immer mehr heruntergekommen ist. Auch als Assistentin bei der Kyllburger Immobilienmaklerfirma Alcazar Real Estate, der der Eifeler Hof vorher gehörte, hat sie viel mitbekommen, erzählt sie. Deshalb hat sie auch der Gesellschafterstruktur zugestimmt, wie diese nun besteht.

Der Gewölbekeller, genannt Fuchsbau, aus den 60er Jahren ist separart vermietet. Foto: TV/Katharina Fäßler

Von innen wirkt das Hotel aufgrund der hohen Decken groß wie ein Schloss. Im roten Festsaal hängt ein Kronleuchter, der Boden ist frisch gebohnert. Im Speisesaal restaurieren Maler ein letztes Stückchen Stuck an der Decke. In Kutscher- und Jägerstube wird demnächst noch die Theke erneuert. Man kann sich die vielen Bierkrüge vorstellen, die auf den polierten alten Holzbänken schon getrunken wurden. In Zukunft wird hier das Frühstück serviert.

38 Zimmer und 59 Betten hat das Hotel. Schmitt hat schon Anfragen und Reservierungen für Veranstaltungen bis November 2020 angenommen, erzählt sie. Hochzeiten, Firmenfeiern und Tagungen sollen hier stattfinden. Motorrad- und Individualtouristen, Wanderer, und ganze Reisegruppen werden erwartet. Eine große Speisekarte kann im Januar noch nicht geboten werden, weil es bisher nur eine kleine Küche gibt. Für Hochzeiten werden externe Catering Firmen eingestellt.

Das wohl bekannteste Foto von Fotograf Joseph Quirin: Der Besuch von Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1911 im Hotel Eifeler Hof in Kyllburg. Foto: Rudolf Höser/Joseph Quirin

Problematisch war laut Thomas die gewachsene Architektur des Hauses. 1880 wurde das Hotel als Gasthof eröffnet, ab 1890 wurde es Hotel und die große Fassade wurde davorgesetzt. Das Ganze erhielt stückchenweise An- und Zubauten, wurde größer nach hinten. Alles sei solide gebaut gewesen, aber eben mit Holzbalkendecken. Diese sind nicht brandbeständig. Im ganzen Haus wurden deshalb nun feuerfeste Decken verbaut.

Teilweise hat der Denkmalschutz hier dem Brandschutz Einhalt geboten, sodass ein paar wenige historische Stuckdecken nicht umgebaut werden mussten. „Das war für uns ein Segen“, sagt Thomas, „denn überall wo es Stuckdecken gab, brauchte die Decke nicht mit feuerfesten Gipskartonplatten ausgetauscht werden, was uns dort dann Geld und Ärger erspart hat“. Sicher seien diese Zimmer trotzdem. Eine Brandmeldeanlage sorge dafür, dass die Feuerwehr in sechs Minuten am Hotel sein kann, erklärt Thomas. Und neue Fluchttreppen führen auf der Rückseite des Hotels von allen drei Etagen über die Terrasse hinunter zum Parkplatz.

Man muss den Kopf tief in den Nacken legen, so hoch wirkt die markante Fassade des Eifeler Hofs, die nun auch zum neuen Logo des Hotels geworden ist. Foto: TV/Katharina Fäßler

Noch befindet man sich in einer Baustelle – bis Januar ist noch einiges zu tun. Es liegen Werkzeug und Putzmittel herum, die Böden sind verstaubt. Elegante Möbel stapeln sich in einzelnen Räumen, hin und wieder trifft man Handwerker aus der Region bei der Arbeit. Mit der Wiedereröffnung des Hotels entstehen so auch Arbeitsplätze. Man finde in der Servicebranche aber schwer Personal. Schmitt hat bereits eine Anfrage an das Arbeitsamt gestellt, dieses sei nun mit am Suchen. Für den Hotelbetrieb braucht sie vor allem Köche und Servicekräfte, die bereit sind, am Wochenende zu arbeiten.

Hinunter geht es in den Keller, in den alten Fuchsbau. Eine alte runde Theke ist dort noch mit Folie geschützt. Die Gewölbekellerkneipe mit Weinkeller stammt aus den 60er Jahren, erzählt Thomas, vorher wurde der Keller unter dem Hotel zur Lagerung von Kohle genutzt. Thomas hat die Kneipe separat an Francesco Spagnoli vermietet. Dieser führt derzeit und auch weiterhin mit seiner Partnerin die Bikerkneipe „Open“ unter dem Hotel Müller in Kyllburg. „Der Fuchsbau soll im Gegensatz zur Open eine Nichtraucherkneipe werden und internationale Biere anbieten“, erzählt er. Für den Weinkeller hat er noch kein spruchreifes Konzept, doch erst einmal werde der wohl nicht mit Wein gefüllt. Neu sind auch im Fuchsbau zwei Fluchtwege.

Carl Philipp R. Thomas kauft gerne antike Möbel und gibt ihnen im Eifeler Hof einen passenden Raum. Foto: TV/Katharina Fäßler

Aus dem dritten Obergeschoss wurden Mietswohnungen gemacht – eine ist schon vergeben. So richtig original aus 1890 sind nur noch die Außenmauern und die Fassade. Stellt man sich auf die Hochstraße vor das Hotel, muss man den Kopf tief in den Nacken legen, so hoch wirkt die markante Fassade des Hotels, die nun auch zum neuen Logo geworden ist, wie Thomas stolz auf einer Visitenkarte zeigt.

Dreht man sich um 180 Grad, wartet gegenüber das kleine Sommer-Café, das 1911 gebaut wurde. In dem Jahr, in dem der Deutsche Kaiser den Eifeler Hof eine dreiviertel Stunde lang besuchte, um dort Tee zu sich zu nehmen. Auf der großen Terrasse hat man einen weiten Blick über die Stadt und auf die Kyll. Diesen Sommer hatte das kleine Café mittwochs bis sonntags geöffnet, im Winter wird es aufgrund der schlecht isolierten Fenster erst einmal schließen und in eine Stube des Eifeler Hofs verlegt, sobald dieser geöffnet hat.

Die Geschäfte des ehemaligen Uhrmachers in der Bahnhofstraße gegenüber und des ehemaligen Schlecker links neben dem Eifeler Hof stehen immer noch leer und warten auf Pächter. Dennoch sieht Thomas viel Entwicklungspotential im etwas verschlafenen Kyllburg, gerade auch durch die Nähe zu Luxemburg. Er hofft, dass das Hotel so viel Strahlkraft entfaltet, dass es weitere Investoren in die Stadt lockt.

Carl Philipp R. Thomas hat die Zeichnungen, die in der Eingangshalle des Hotels hängen, aus einem bestimmten Grund zeichnen lassen. „Mein Ziel war dabei keine unkritische Glorifizierung des Kaisertums eines Wilhelm II, sondern der Hinweis auf die imperial-aggressiven Auswüchse und Skandale jener Zeit“, erklärt er. Aus der Vergangenheit könnten Lehren für die Zukunft gezogen werden, so Thomas.

Denn während seinerzeit ein permanentes Gerangel um den politischen und sprachlichen Grenzverlauf herrschte, haben wir heute möglicherweise auf Dauer erreicht, eine mehrsprachige Großregion zu schaffen, in der die Grenzen fast nicht mehr wahrgenommen werden.

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