Kyllgemeinden sollen sofort wechseln

Prüm · Eigentlich soll erst in der zweiten Phase der Kommunalreform darüber entschieden werden, ob der westliche Teil der Verbandsgemeinde Obere Kyll nach Prüm wechseln darf. So plant es zumindest das Land. Doch in der Verbandsgemeinde Prüm mehren sich die Stimmen, die für einen sofortigen Wechsel sind. Am 11. Dezember diskutiert der Prümer VG-Rat das Thema.

Prüm. Das Land hat die sechs wechselwilligen Gemeinden der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll vertröstet: Erst in der zweiten Phase der Kommunalreform ab 2014 soll darüber entschieden werden, ob Scheid, Hallschlag, Reuth, Ormont, Kerschenbach und Stadtkyll doch noch den Landkreis und damit zur VG Prüm wechseln dürfen - so wie sie es in Bürgerentscheiden gewünscht hatten. Zunächst soll die gesamte Obere Kyll mit der VG Hillesheim fusionieren. Doch gegen diesen Plan wächst Widerstand. Im Prümer Rathaus wird eine Stellungnahme vorbereitet, in der man sich beim Innenministerium für einen sofortigen Wechsel der Dörfer ausspricht. Am Dienstag, 11. Dezember, befasst sich der VG-Rat mit dem Thema.
Aloysius Söhngen, Bürgermeister der VG Prüm, steht hinter dem Vorhaben: "Ich bin der Meinung: Wenn man diese Tür offen lässt, dann sollte man das auch jetzt vollziehen. Ein Wechsel 2014 macht wenig Sinn", sagt Söhngen. Denn so laufe bei der Fusion von Oberer Kyll und Hillesheim vieles nur unter Vorbehalt, und falls die Gemeinden dann doch wechseln, müsse alles erneut aufgeschnürt werden.
Kommunal Reform


"Das lähmt einfach die Entwicklung und ist für eine neue VG nicht förderlich ", sagt Söhngen. Eine der offenen Fragen ist beispielsweise die nach der Zukunft des Freibads in Stadtkyll (siehe Extra). Außerdem, so heißt es in der Vorlage für die Ratsmitglieder, "würden mit der Bildung und Organisation einer neuen Gebietskörperschaft unter Einbeziehung der sechs wechselwilligen Gemeinden Fakten geschaffen, die an einer vorbehaltlosen und unvoreingenommenen Prüfung einer späteren Eingliederung in die VG Prüm, verbunden mit dem erneuten Aufbrechen einer eben erst geschaffenen Einheit, erhebliche Zweifel aufkommen lassen."
Ein sofortiger Wechsel, "das ist genau das, was wir seit zwei Jahren fordern", sagt Ewald Hansen, Ortsbürgermeister von Reuth und für die SPD Mitglied im Rat der Verbandsgemeinde Obere Kyll. Die Einwohner der sechs Gemeinden haben ihren klaren Wunsch in den Bürgerentscheiden sehr deutlich zum Ausdruck gebracht.
Der Prümer VG-Rat hat sich im Mai 2012 bereiterklärt, die Dörfer aufzunehmen und die Bedingungen dafür erläutert. Dabei geht es vor allem um Finanzfragen.
Die Dörfer sollen die in der VG Obere Kyll aufgelaufenen Liquiditätskredite anteilig entsprechend ihrer Einwohnerzahl mitnehmen und entweder aus eigenen Mitteln tilgen oder nach und nach abtragen, beispielsweise über einen höheren Umlagesatz. So müsste Stadtkyll beispielsweise 1,8 Millionen Euro übernehmen. Insgesamt sind es bei den sechs Dörfern rund 3,6 Millionen Euro.
Auf der anderen Seite der Kreisgrenze in Jünkerath ist man hingegen nicht wirklich glücklich mit dem Schritt der Prümer, über den Söhngen in den vergangenen Tagen seine Jünkerather Amtskollegin Diane Schmitz informiert hat. Natürlich sei es nicht gut, jetzt Fakten zu schaffen und in zwei Jahren wieder neu anzufangen, sagt Schmitz. "Aber wir haben immer betont, dass wir als Ganzes wechseln wollen, entweder ganz nach Hillesheim oder ganz nach Prüm." Eine Aufteilung der VG hat die Ratsmehrheit bislang immer abgelehnt. Nun soll der Vorstoß aus Prüm im Hauptausschuss und auf der nächsten Sitzung des Verbandsgemeinderats am 13. Dezember besprochen werden.Extra

Weil sich die Verbandsgemeinde Obere Kyll den Betrieb des Waldfreibads in Stadtkyll nicht mehr leisten kann, wird es zum Ende des Jahres geschlossen. Doch in Stadtkyll hofft man darauf, das Bad nach einem Wechsel in die finanziell besser gestellte VG Prüm wieder öffnen zu können (der TV berichtete). Deshalb soll die Wartung trotz Schließung so weiterlaufen, dass das Bad im Falle eines Falles leicht wieder in Betrieb genommen werden kann. Doch noch ist unklar, wie hoch die Kosten für diese Wartungsarbeiten sind. "Wir sind gerade erst dabei, diese Zahlen zu ermitteln", sagt Diane Schmitz, Bürgermeisterin der VG Obere Kyll. In einer ersten groben Schätzung hatte Bauamtsleiter Karl Müller von maximal 2000 Euro gesprochen. Ob es wirklich dabei bleibt, kann Diane Schmitz indes nicht bestätigen: "Man weiß ja, wie schnell so etwas teurer werden kann." ch

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