Ladesäule in Speicher: Geschenkt noch zu teuer

Stadtentwicklung : Ladestation in Speicher: Geschenkt noch zu teuer?

Die Firma Innogy will in Speicher eine Ladesäule für Elektroautos aufstellen. An den Betriebskosten sollte sich die Stadt beteiligen. Darüber wurde heftig diskutiert.

Selten wird es so laut im Speicherer Stadtrat, selten wird so hitzig debattiert. Bei der jüngsten Sitzung fallen Worte wie „grober Unfug“ und „Humbug“. Den Streit ausgelöst hat ein Vorschlag der Firma Innogy. Es ist ein Vorschlag, über den Vertreter anderer Gemeinden womöglich gejubelt hätten. Das Tochterunternehmen des Energieversorgers RWE will eine Ladestation für Elektroautos in der Speicherer Innenstadt installieren. Für den Bau der Säulen hätte die Stadt nichts zahlen müssen. Dafür gibt es Geld vom Bundesverkehrsministerium. Es stammt aus einem Förderprogramm, das den Zweck hat, eine Ladeinfrastruktur in Deutschland aufzubauen. Die Zuwendung würde einen Großteil der Kosten decken. Die Stadt müsste lediglich einen Beitrag von 100 Euro im Monat leisten – als Miete sozusagen.

Doch diese Summe ist vielen Stadtratsmitgliedern zu viel. Auch Karin Plein, die Sprecherin der CDU-Fraktion, sagt, sie hätte gehofft, dass Innogy und der Bund komplett für den Betrieb der Station zahlten. Sie unterstützte die Idee trotzdem – auch wegen der Außenwirkung. Dem stimmt auch Manfred Rodens zu: „Wir müssen mit der Zeit gehen.“ Vor der neuen Mobilität könne man sich nicht verschließen.

Das Problem: Noch rechnet sich der Betrieb einer Ladestation nicht. Denn Elektroautos bleiben trotz des Dieselskandals und der drohenden Fahrverbote weiterhin Ladenhüter, zumindest hierzulande. Gerade einmal 44 E-Wagen sind im Eifelkreis bislang registriert – Tendenz nur leicht steigend. Die meisten Fahrzeuge, die zugelassen werden, laufen mit Diesel. Daher müssen Städte und der Bund draufzahlen, bis sich eine Strom-Tankstelle eines Tages selbst finanziert.

Auf diesen Tag wollen aber zumindest die Sozialdemokraten im Stadtrat nicht warten. „Ich halte das für groben Unfug“, sagt Fraktionssprecher Paul Günter Bläsius: „Wir werfen hier Geld zum Fenster raus.“ Zuspruch gibt es von FDP-Mitglied Philipp Recktenwald: „So eine Station hält acht Jahre. Die ist doch wieder Schrott, bevor es mehr als drei E-Autos gibt.“

Aber es gebe doch nur so wenige Elektro-Fahrzeuge, weil es an Tankstellen fehle, meint Verbandsgemeindebürgermeister Rodens. Demgegenüber wirft Bläsius ein, dass es in Speicher doch schon Ladesäulen gebe, die kaum genutzt würden. 2014 wurden sie in der Nähe eines Supermarktes in der Kapellenstraße aufgestellt. „Dort sehe ich nie jemanden“, sagt Bläsius.

Am Ende setzen sich die Gegner der Ladesäule, die in allen Fraktionen sitzen, knapp durch. Neun Stadtratsmitglieder stimmen gegen die neue Station, sieben dafür, einer enthält sich. „Damit haben wir auch die Chance auf Förderung verpasst“, sagt Rodens, sichtlich enttäuscht: „Wenn jeder so denken würde, könnte man auch in Zukunft nirgendwo mit Elektroautos fahren.“

Offenbar denkt nicht jeder so, wie eine Nachfrage bei Innogy ergibt. „Der überwiegende Teil der Gemeinden nimmt die Ladesäulen an“, sagt ein Sprecher des Konzerns. Konkrete Zahlen will er nicht nennen.

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