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Lärm soll Tier-Leben retten: Pilotprojekt zur Mähsaison im Eifelkreis gestartet

 Kleine Box soll die Lösung eines großen Problems sein: Landwirt Thomas Neises zeigt, wie der Wildtierretter montiert wird.
Kleine Box soll die Lösung eines großen Problems sein: Landwirt Thomas Neises zeigt, wie der Wildtierretter montiert wird. FOTO: Lisa Bergmann
Idenheim. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm startet ein Pilotprojekt zum Wildtierschutz. Akkustische Signale sollen verhindern, dass Tiere wie Rehkitze, Füchse oder Hasen Opfer der Mäher werden. Der Landesjagdverband und der Bauern-und Winzerverband Rheinland-Nassau engagieren sich gemeinsam für die neue Methode. Lisa Bergmann

Ein kleines weißes Kästchen, etwa zehn mal zehn Zentimeter groß: Was aussieht wie eine Anschlussdose für Telefonkabel, soll künftig Leben retten. Jedenfalls, wenn es nach dem Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau und dem Jagdverband geht.

Die kleinen Kästchen sind sogenannte akkustische Wildtierretter und sollen verhindern, dass Rehkitze, Füchse oder Hasen in die Schneidewerke der Mäh-Maschinen geraten. Dazu werden sie direkt an die Maschine montiert und geben einen schrillen Ton ab, der die Tiere aufschrecken soll. In wenigen Wochen beginnen die Landwirte damit, ihre Wiesen zu mähen. Diese sogenannte Mahd fordert immer wieder Opfer. "Jahrelang geht es gut, und dann hat man so ein Jahr, wo einem zwei oder drei Tiere in den Mäher geraten", erzählt der Idenheimer Landwirt Thomas Neises.

Er nimmt mit seinem Betrieb deshalb jetzt an einem Pilotprojekt teil, in dem die Apparate in der Praxis getestet werden sollen. Insgesamt haben 20 landwirtschaftliche Betriebe im Eifelkreis Bitburg-Prüm so einen kleinen Apparat bekommen. Der Landesjagdverband und der Maschinenring Bitburg-Prüm haben dazu jeweils zehn Geräte gestiftet.
Unter den 20 für die Testphase ausgewählten Betriebe sind auch sogenannte Lohnunternehmer, die für andere Landwirte das Mähen übernehmen. Deshalb hoffen die Initatoren des Pilotprojektes auf einen möglichst breiten Einsatz des Gerätes. "So erreichen wir schon einen großen Prozentsatz der Flächen im Kreis", sagt Michael Horper, Präsident des Bauern-und Winzerverbandes.

Schätzungen gehen davon aus, dass bundesweit jährlich 500.000 Wildtiere unter die Schneidwerke der Mäher geraten. Davon sind vor allem Rehkitze betroffen, weil ihnen der Fluchtinstinkt fehlt. Bei Gefahr drücken sie sich in den Boden, statt davon zu laufen. Aber auch Füchse, Hasen oder Fasane verstecken sich gerne im hohen Gras. Mit den akkustischen Geräten sollen künftig immer weniger Wildtiere Opfer des Kreiselmähers werden. Grund genug für den Landesjagdverband, sich im Projekt zu engagieren: "Immerhin sind wir die einzigen Tierschützer mit gesetzlichem Auftrag", sagt dessen Präsident Kurt-Alexander Michael. Deshalb habe man sich entschlossen, gemeinsam mit den Landwirten das Problem anzugehen. Für Letztere spielt aber noch etwas anderes eine Rolle. Das Gras kommt nach dem Mähen in den Häcksler - und mit ihm unter Umständen auch die toten Wildtiere. Die verunreinigen so das spätere Tierfutter, das Milchvieh könnte durch Bakterien vergiftet werden.

Bauern-und Winzerverband sowie der Landesjagdverband hoffen außerdem, dass das Pilotprojekt das Bewusstsein der Landwirte für das Problem erhöht. Denn das kleine Gerät allein wird nicht alle Tiere vor dem Tod durch den Mäher bewahren können. Wichtig sei es außerdem, Vorbereitungen zu treffen, wie das Anmähen der Fläche am Vorabend, das Aufstellen von Flattertüten oder anderen Lärmquellen und das Ablaufen der Mähflächen durch Jäger und Jagdhund. Alle das soll die Tiere möglichst schon aufschrecken, noch bevor das Mähen beginnt.
Für Horper ist klar: "Wild gehört nicht unter den Mäher, sondern lebend in den Wald und auf die Felder - oder eben später in die Pfanne."
Extra Der akkustische Wildtierretter

Bis zu 120 Dezibel stößt der akkustische Wildtierretter aus und ist damit so laut wie eine Kettensäge. Wie weit der Ton reicht, hängt davon ab, in welchem Winkel das Gerät an der Mäh-Maschine angebracht ist. Mit einem Winkel von 30 Grad schafft das Gerät eine Reichweite von 15 bis 20 Meter. Laut Herstellerprospekt kostet das Gerät 44,95 Euro. "Wenn klar ist, dass das funktioniert, sind die Landwirte auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bereit, dieses Geld aufzubringen", glaubt der Präsident des Bauern- und Winzernverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper. Schon im vergangenen Jahr wurde ein solches Gerät getestet, damals allerdings noch batteriebetrieben. Die neuen Geräte werden an der Stromkreis des Traktors angeschlossen.