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Lärm soll Tierleben retten

 Das neue Gerät, direkt am Kreiselmäher montiert, soll Wild aufschrecken und zur Flucht bewegen. Symbol-Foto: ISTOCK
Das neue Gerät, direkt am Kreiselmäher montiert, soll Wild aufschrecken und zur Flucht bewegen. Symbol-Foto: ISTOCK
Idenheim. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm startet ein Pilotprojekt zum Wildtierschutz. Akustische Signale sollen verhindern, dass Tiere wie Rehkitze, Füchse oder Hasen Opfer der Mäher werden. Der Landesjagdverband und der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau engagieren sich gemeinsam für die neue Methode. Lisa Bergmann

Idenheim. Ein kleines weißes Kästchen, etwa zehn mal zehn Zentimeter groß: Was aussieht wie eine Anschlussdose für Telefonkabel, soll künftig Leben retten. Jedenfalls, wenn es nach dem Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau und dem Jagdverband geht.
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Die kleinen Kästchen sind sogenannte akustische Wildtierretter und sollen verhindern, dass Rehkitze, Füchse oder Hasen in die Mäher geraten. Dazu werden sie direkt an die Maschine montiert und geben einen schrillen Ton ab, der die Tiere aufschrecken soll. In wenigen Wochen beginnen die Landwirte damit, ihre Wiesen zu mähen. Diese sogenannte Mahd fordert immer wieder Opfer. "Jahrelang geht es gut, und dann hat man so ein Jahr, wo einem zwei oder drei Tiere in den Mäher geraten", erzählt der Idenheimer Landwirt Thomas Neises.
Er nimmt mit seinem Betrieb deshalb jetzt an einem Pilotprojekt teil, in dem die Apparate in der Praxis getestet werden sollen. Insgesamt haben 20 landwirtschaftliche Betriebe im Eifelkreis Bitburg-Prüm so eine kleine Box. Der Landesjagdverband und der Maschinenring Bitburg-Prüm haben dazu jeweils zehn Geräte gestiftet.
Unter den 20 für die Testphase ausgewählten Betrieben sind auch sogenannte Lohnunternehmer, die für andere Landwirte das Mähen übernehmen. Deshalb hoffen die Initiatoren des Pilotprojektes auf einen möglichst breiten Einsatz des Gerätes. "So erreichen wir schon einen großen Prozentsatz der Flächen im Kreis", sagt Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes. Schätzungen gehen davon aus, dass bundesweit jährlich 500 000 Wildtiere unter die Schneidwerke der Kreiselmäher geraten. Davon sind vor allem neugeborene Rehkitze betroffen, weil ihnen der Fluchtinstinkt fehlt. Bei Gefahr drücken sie sich in den Boden, statt davonzulaufen. Aber auch Füchse, Hasen oder Fasane verstecken sich gerne im hohen Gras.
Mit den akustischen Geräten sollen künftig immer weniger Wildtiere Opfer des Kreiselmähers werden. Grund genug für den Landesjagdverband, sich im Projekt zu engagieren: "Immerhin sind wir die einzigen Tierschützer mit gesetzlichem Auftrag", sagt dessen Präsident Kurt-Alexander Michael. Deshalb habe man sich entschlossen, gemeinsam mit den Landwirten das Problem anzugehen. Für Letztere spielt aber noch etwas anderes eine Rolle. Das Gras kommt nach dem Mähen in den Häcksler - und mit ihm unter Umständen auch die toten Wildtiere. Die verunreinigen so das spätere Tierfutter, das Milchvieh könnte durch Bakterien vergiftet werden. Bauern- und Winzerverband sowie der Landesjagdverband hoffen außerdem, dass das Pilotprojekt das Bewusstsein der Landwirte für das Problem erhöht. Denn das kleine Gerät allein wird nicht alle Tiere vor dem Tod durch den Mäher bewahren können.
Wichtig sei es deshalb, Vorbereitungen zu treffen, wie das Anmähen der Fläche am Vorabend, das Aufstellen von Flattertüten oder anderen Lärmquellen und das Ablaufen der Mähflächen durch Jäger und Jagdhund. Alle das soll die Tiere möglichst schon aufschrecken, noch bevor das Mähen beginnt.
Für Horper ist klar: "Wild gehört nicht unter das Schneidwerk der Mäher, sondern lebend in den Wald und auf die Felder - oder eben später in die Pfanne."Extra

Bis zu 120 Dezibel stößt der akustische Wildtierretter aus und ist damit so laut wie eine Kettensäge. Wie weit der Ton reicht, hängt davon ab, in welchem Winkel das Gerät am Kreiselmäher angebracht ist. Mit einem Winkel von 30 Grad erreicht das Gerät eine Reichweite von 15 bis 20 Metern. Laut Herstellerprospekt kostet das Gerät 44,95 Euro. "Wenn klar ist, dass das funktioniert, sind die Landwirte auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bereit, dieses Geld aufzubringen", glaubt der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper. lbe

 Eine kleine Box soll die Lösung eines großen Problems sein: Landwirt Thomas Neises zeigt, wie der Wildtierretter montiert wird. TV-Foto: Lisa Bergmann
Eine kleine Box soll die Lösung eines großen Problems sein: Landwirt Thomas Neises zeigt, wie der Wildtierretter montiert wird. TV-Foto: Lisa Bergmann FOTO: (e_eifel )