Umwelt : Verbandsgemeinde Speicher, das Land der tausend Bäche

Die Verbandsgemeinde Speicher will den Stegbach renaturieren. Ein Ingenieurbüro soll nun untersuchen, was getan werden muss. Beginnen sollen die Arbeiten voraussichtlich nächstes Jahr. Sie dürften rund 300 000 Euro kosten.

Leise plätschert der Bach durch diese Wiese. Kaum jemand nimmt Notiz von dem Rinnsal, das sich unter der Landesstraße 39 hindurch- und am Herforster Fitnessstudio vorbeischlängelt. Ja, das Flüsschen ist sogar so unbekannt, dass viele nicht mal seinen Namen kennen.

Im VG-Rat Speicher sorgte eine Vorlage deshalb jüngst für Verwirrung. In dem Text wird das Gewässer als Steigbach bezeichnet, Ortsansässige kennen ihn aber als Stegbach. Edmund Weimann will sich nicht festlegen. „Stegbach, Steigbach, ist beides richtig“, sagt der Bauamtsleiter der Verbandsgemeinde.

Wahrscheinlich gibt es heute kaum noch jemanden, der jeden Bach bestimmen kann, der durchs Speicherer Land führt. Es sind Dutzende. Der Stegbach fließt zum Beispiel in den Rotherbach, der wiederum in den Lermesbach, den Rattersbach und den Weidesbach, der wiederum – lassen wir das.

So wenig der Stegbach auf den ersten Blick also heraussticht – den Umweltexperten der Europäischen Union ist er offenbar aufgefallen. Die fordern nämlich bis 2027 von der Verbandsgemeinde Speicher das Gewässer dritter Ordnung zu renaturieren. Weimann hat dafür eine Erklärung: „Der Stegbach ist zwar nicht so groß wie der Spanger Bach, aber er bringt schon ordentlich Wasser aus dem Speicherer Wald mit.“

Ebendieses Spanger Baches, der je nach Ortslage auch ganz anders heißt, hat sich die Kommune bereits angenommen. Ob er nun Dahlemer Bach, Kallenbach oder Auelbach genannt wird, spielte für die Fachleute erstmal keine Rolle: Renaturiert wurde der ganze Lauf.

Der etwa drei Kilometer lange Stegbach ist nun das letzte Gewässer innerhalb der VG, das unter die Europäische Wasserrahmenrichtlinie fällt. Alle anderen Bäche sind kleiner und unbedeutender, müssen daher also auch nicht renaturiert werden.

Losgehen soll es 2020, sagt Weimann. Was genau zu tun ist, prüft in den nächsten Monaten das Fachbüro Reihsner aus Wittlich. Der VG-Rat hat den Auftrag in der vergangenen Sitzung an die Experten vergeben. Ganz neu werden die Erkenntnise aus diesem Gutachten nicht sein. Bei einer Voruntersuchung hatten sich Mitarbeiter der Firma den Bach bereits vor Jahren angesehen. Schon damals war klar: es gibt viel zu tun.

Geschäftsführer Sebastian Reihsner schätzt die Kosten „grob (aber wirklich ganz grob)“ auf rund 300 000 Euro. Die muss die VG aber nicht alleine stemmen. Denn aus der Aktion „Blau Plus“ des Landes Rheinland-Pfalz sind Fördermittel von rund 90 Prozent der Kosten zu holen. Was die Kommune mit dem Geld anstellen will?

Aktuell ist der Bach mancherorts in Beton gefangen, fließt durch Rohre. An einigen Stellen kann er nicht ungehindert seinen Lauf nehmen, weil umgestürzte Wurzeln oder Brocken im Bett liegen. All das muss beseitigt werden, um das Flüsschen zurück zur Natur zu führen.

Außerdem soll das Wasser wieder mehr Platz bekommen, um sich auszubreiten. Deswegen ist geplant, rechts und links des Ufers einen zehn Meter breiten Randstreifen zu bilden. Die Begradigung des Gewässers soll zudem aufgebrochen werden, damit der Bach wieder Schleifen ziehen kann. Denn dies ermögliche „optimale Ausgangsbedingungen für eine natürliche Gewässerentwicklung“, sagt Reihsner.

Der Ausbau hat aber noch einen Vorteil: Dort, wo der Boden von Wurzeln durchzogen ist, nimmt er mehr Wasser auf. Wenn es also zu einer Überschwemmung kommt, fängt der Randstreifen einiges an Brühe auf. Derzeit sieht Reihsner vor allem im Herforster Gewerbegebiet noch ein „erhebliches Schadenspotential“.

 Hier sieht der Stegbach noch recht natürlich aus. An anderer Stelle ist er in Beton eingefasst. Deshalb soll er nun zurück zur Natur geführt werden.
Hier sieht der Stegbach noch recht natürlich aus. An anderer Stelle ist er in Beton eingefasst. Deshalb soll er nun zurück zur Natur geführt werden. Foto: TV/Christian Altmayer

Viel zu tun also. Wenn die Arbeiten am Stegbach abgeschlossen sind, bleibt für die VG Speicher in Sachen Gewässer aber erstmal nichts mehr zu tun. Denn weitere Forderungen stellt die EU nicht. Das heiße aber nicht, dass dann nichts mehr getan werde, sagt Weimann: „Mir würden noch einige Bäche einfallen, wo es etwas zu tun gibt.“ Zum Beispiel der Boorbach, der bei Preist in den Stillegraben mündet, der wiederum in den Stockesgraben und den Fensterbach, der wiederum – lassen wir das.