1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Landgericht klärt blutigen Streit in Wittlich

Kriminalität : Nach Streit am ZOB fehlen Zähne

Das Landgericht Trier klärt eine blutige Auseinandersetzung in Wittlich.

Die Große Jugendkammer am Landgericht Trier hat am Dienstag die Verhandlung fortgesetzt, in der vier Jugendliche und junge Männer aus Wittlich 19 Straftaten, darunter auch gefährliche Körperverletzungen, zur Last gelegt werden (der TV berichtete). Dabei drehte sich die Verhandlung am Dienstag um den wohl brutalsten Anklagepunkt: Einer der vier Angeklagten, der 21-Jährige sitzt seit August 2017 in Untersuchungshaft, soll einem sturzbetrunkenen Mann am ZOB in Wittlich mehrere Zähne ausgeschlagen haben. Der Vorfall soll sich am 24. August 2016 ereignet haben.

Dieser Attacke, so schildern es drei Zeugen, soll ein etwa 30 Minuten währender Streit der beiden vorausgegangen sein.

„Sie haben sich beide in einer mir unverständlichen Sprache angebrüllt und waren sehr aggressiv“, sagte ein Zeuge im Gerichtssaal. Der Angeklagte stammt aus Marokko. Sein Opfer, ein 39-Jähriger mit Alkoholproblemen, stammt aus Syrien und sitzt derzeit wegen anderer Vorfälle, die nicht Gegenstand dieser Verhandlung waren, ebenfalls in Untersuchungshaft. Bevor ihn an diesem Augustabend im Jahr 2016 gegen 22 Uhr die Faust des 21-Jährigen mit voller Wucht ins Gesicht traf, soll er den jüngeren Mann womöglich mit einem Messer bedroht haben. „Er hatte einen Gegenstand in der Hand, fuchtelte damit in der Luft herum und versuchte den jungen Mann zu greifen“, erklärte eine junge Frau im Zeugenstand.

Sie habe die Auseinandersetzung, die etwa eine halbe Stunde währte, sowohl auf dem Hin- als auch auf ihrem Rückweg beobachtet, sagte die Frau, als sie ihren Sohn zum Vater gebracht habe. Die Polizei, die jedoch erst nach der Auseinandersetzung alarmiert wurde, stellte tatsächlich bei dem 39-Jährigen ein Klappmesser sicher, mit dem er dem 21-Jährigen möglicherweise gedroht haben könnte, bevor dieser ihm einige Zähne ausgeschlagen haben soll.

Der 39-Jährige soll damals im betrunkenen Zustand zigmal versucht haben, den 21-Jährigen, der in Begleitung eines Freundes gewesen sein soll, zu packen. „Er war aber so betrunken, dass er schwankte, und sich die jungen Männer einen Spaß daraus gemacht haben, ihm auszuweichen“, erklärte ein weiterer Zeuge. „Die jungen sportlichen Männer sind wie Boxkämpfer um ihn herumgetänzelt. Er hatte zu keiner Zeit eine ernsthafte Chance.“

Dann seien die jungen Männer kurz verschwunden, erklärte der Zeuge. Als sie kurze Zeit später wieder aufgetaucht seien, habe sich der 21-Jährige eine Jacke um den linken Unterarm gewickelt, vielleicht, um eine mögliche Messerattacke des Betrunkenen abzuwehren?

Der Zeuge, der anders als es die junge Frau schildert, in der Hand des Betrunkenen keinen Gegenstand ausgemacht haben will, sagte jedenfalls: „Ich habe mich gewundert, warum der 21-Jährige dem Betrunkenen plötzlich mit voller Wucht die Faust ins Gesicht geschlagen hat. Der Alte ging sofort auf die Knie und spuckte Zähne in seine Hand und auf den Boden.“

Der erneute Angriff und der Faustschlag, so erklärte der Zeuge, seien seiner Einschätzung nach vermeidbar gewesen. „Auch wenn sie sich vorher beide lauthals angebrüllt haben, hätten die jungen Männer den Streit einfach beenden können, da der Betrunkene ihnen nicht wirklich etwas anhaben konnte. Das war eine unfaire Auseinandersetzung.“

Wie das 39-jährige Opfer auf der Zeugenbank zugab, habe er den 21-Jährigen, der ihm mehrere Zähne ausschlug, zuvor beleidigt. „Ich bin am Morgen schon mit dem Gedanken aus dem Haus gegangen, ihn zu erwischen. Wir hatten schon lange Streit. Ich habe ihn an diesem Abend gefunden und habe ihn und auch seine Mutter beleidigt“, erklärte der Geschädigte, der in Hand- und Fußfesseln auf der Zeugenbank saß.

Das Verfahren vor der Großen Jugendkammer am Landgericht Trier mit vier Angeklagten und 19 Anklagepunkten wird am kommenden Dienstag, 6. Februar, um 9 Uhr fortgesetzt.

(cmo)