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Landgericht Trier führt Verhandlung fort: Nachbarterror in Spangdahlem

Trier/Spangdahlem : Noch immer Alpträume nach dem  Nachbarschaftsstreit

Bewohner sorgt für Angst und Schrecken auf Spangdahlemer Hauptstraße. Tag zwei vor Landgericht.

Wie kann ein einzelner Mensch über Monate hinweg einen ganzen Straßenzug in Angst und Schrecken versetzen und so zur Dauereinsatzstelle für eine Polizeiinspektion werden? Einem 55-jährigen Anwohner der Spangdahlemer Hauptstraße scheint dies zwischen 2019 und 2020 gelungen zu sein.

Für die Ereignisse jener Monate sitzt der gelernte Maschinenschlosser nun als Beschuldigter vor der Dritten Großen Strafkammer des Landgerichts Trier (wir berichteten). In dem Verfahren geht es um die Frage, ob der als schuldunfähig eingestufte Betroffene dauerhaft in einer betreuten Wohngemeinschaft wird leben müssen oder ob er in sein altes Haus an der Spangdahlemer Hauptstraße zurückkehren kann. Letzteres wäre sein Wunsch, aber darüber hat das Gericht zu entscheiden. Die wesentliche Basis dafür wird das Gutachten der psychiatrischen Sachverständigen Dr. Sylvia Leupold bilden. Zurzeit ist der 55-Jährige vorläufig im Pfalzklinikum Klingenmünster untergebracht. Die Behandlung bekomme ihm gut, er nehme die Medikamente, fühle sich besser, sagt er selbst.

Am zweiten Verhandlungstag hat die Kammer eine umfangreiche Zeugenliste abzuarbeiten. Es sind einerseits Beamtinnen und Beamte der Polizei Bitburg, bei denen der Beschuldigt als „alter Stammkunde“ galt. Andererseits wird nochmals eine Reihe von Anwohnern gehört, die monatelang unter den Ausbrüchen des Beschuldigten gelitten haben. Die Bewohner des Hauses gegenüber, ein deutsches und ein amerikanisches Paar, sind längst ausgezogen. Sie konnten den Dauerterror, den sie schildern, nicht mehr ertragen. Nachts dröhnende Musik, am Tag Beschimpfungen und Bedrohungen, sobald sie vor das Haus traten. Die üblen Beleidigungen sind hier nicht zitierbar. Auch gab es Sachbeschädigungen an Autos und die Eskapaden des Mannes auf der Straße, wo er oft unvermittelt vor herankommende Fahrzeuge sprang, die Fahrer zur Vollbremsung zwang und dann wild beschimpfte. Noch heute leidet eine Nachbarin unter Albträumen, auch das Reifenqietschen hört sie noch und sie sagt: „Die Einheimischen fuhren nur noch im Schleichtempo dort vorbei, weil sie wussten, dass jede Sekunde etwas passieren konnte.“

Sie und der Lebensgefährte sind wegen des Beschuldigten dort ausgezogen. Der Mann schildert, wie man die Autos auf der Wiese hinter dem Haus verstecken musste. An seinem Wagen habe er mal Kennzeichen abgerissen, in Teile geschnitten und die einzelnen Zahlen dann am Haus aufgehängt. So reiht sich Aussage an Aussage. Die Berichte von Anwohnern und Polizisten gleichen sich.

Die Verhandlung wird heute, 1. Juli, 9 Uhr, fortgesetzt.