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Landtagswahl 2021: Porträt Boris Schnee, AfD-Kandidat im Wahlkreis 21

Landtagswahl 2021 : Boris Schnee aus Preist (AfD) setzt sich für lebenswerte Dörfer ein

Boris Schnee (AfD) konnte der Politik lange Zeit nichts abgewinnen. Im Gespräch mit dem TV erzählt er, warum er seine Meinung geändert hat und was er im Landtag bewirken möchte.

Boris Schnee hat in seinen 49 Jahren schon einiges erlebt: Verschiedene Fächer studiert, unter anderem Marketing/PR und Finanzen, als freier Journalist gearbeitet, war in großen Firmen wie MTU und Hochtief angestellt, größtenteils in der Kostenkontrolle, und einen Abschluss als Programmierer hat er auch in der Tasche. Heute macht er Lager und Einkauf für eine große Elektrofirma in Luxemburg.

Etwa 30 Jahre hat Schnee in Griechenland gelebt. Die große Finanzkrise ab dem Jahr 2008 war ausschlaggebend für seine Rückkehr nach Deutschland: Vier Jahre später packt er seine Sachen und kommt zurück in die Bundesrepublik. Mit seiner Frau und seinen Kindern hat sich Schnee in Preist niedergelassen.

Die Politik, die er in Griechenland erlebt hat, war für den gelernten Programmierer eher abschreckend. Von Deutschland hatte er ein anderes Bild. „Ich hab mich über Jahre hinweg über Spiegel, FAZ und Süddeutsche informiert, und ich hatte irgendwie das Gefühl, dass die deutsche Politik seriöser wäre.“ Doch zurück in seiner Heimat ist er nach eigenen Aussagen „geschockt“ von der Realität. „Eigentlich wollte ich mich nie mit Politik beschäftigen, weil ich es für ein sehr dreckiges Geschäft halte und die meisten Leute Politiker sind aus Eigennutz und nicht, weil sie wirklich etwas bewirken wollen“, sagt Schnee.

Das Zünglein an der Waage, sich kommunalpolitisch zu engagieren, waren seine Kinder. Als diese in die Schule gingen und er hautnah erlebte, welche Probleme es vor Ort gab und was besser gemacht werden könnte, entschied der Familienvater, sich für Veränderungen einzusetzen.

Bevor Schnee in die „Alternative für Deutschland“ (AfD) eingetreten ist, hat sich der 49-Jährige über alle anderen Parteien informiert und deren Programme studiert. „Ich kann nicht sagen, dass irgendeiner von den anderen eine brauchbare Lösung angeboten hätte. Ich will damit nicht sagen, dass die AfD eine Lösung für alles hätte, was mir aber an der Partei gefällt ist, dass sie daran arbeiten, eine Lösung zu finden“, erklärt er. Außerdem gefalle ihm die flache Hierarchie. „Selbst als ganz kleines Mitglied in dieser Partei kann man sich Gehör verschaffen.“

Politisch gesehen gibt es zwei Dinge, die ihm besonders am Herzen liegen. Auf der einen Seite ist esschnelles Internet, auch in den kleinen Gemeinden. „Wir haben sehr viele kleine Dörfer. Da ist es natürlich klar, dass die Internetanbieter nicht willens sind, da Glasfaser zu legen, weil es sich ganz einfach nicht rechnet. Das bedeutet aber nicht, dass die Leute da kein Problem haben.“

Auf der anderen Seite kritisiert er die Straßenausbaubeiträge und plädiert für deren Abschaffung. Besonders für ältere Menschen, die ein relativ kleines Einkommen haben, seien die Beiträge existenzbedrohend. „Für uns hier in der Eifel sollte es doch unser erstes Ziel sein, dass die Leute die Dörfer weiterhin bevölkern, dass die Dörfer lebenswert und schön und nicht nur verlassene Häuser und alte Menschen hier sind, sondern dass auch junge Menschen hier wohnen. Und die Politik, wie sie momentan bei den Straßenausbaubeiträgen gemacht wird, führt genau zum Gegenteil.“

Als Direktkandidat wünscht er sich lachend 100 Prozent. Realistisch betrachtet wünscht er sich jedoch für sich und seine Partei zwischen zehn und 14 Prozent.

Privat liest Schnee gern, beschäftigt sich zusammen mit seiner Fraumit der Analyse altgriechischer Philosophen oder geht gerne segeln. „In den letzten paar Jahren sind meine Hobbys eigentlich meine Kinder und die Renovierung unseres Hauses.“