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Landwirte suchen den Dialog

Landwirte suchen den Dialog

Dreck auf den Straßen, zu hohe Geschwindigkeiten und Lärm - landwirtschaftliche Fahrzeuge bringen während der Ernte so manchen Eifeler auf die Palme. Bei einer Informationsveranstaltung wurde in Üttfeld bei Landwirten für Rücksichtnahme und Dialogbereitschaft geworben.

Sellerich. Goldene Felder, rotes Laub und viele landwirtschaftliche Maschinen auf den Straßen - es ist nicht zu übersehen: Die Erntezeit hat begonnen. Landwirte nutzen die günstige Witterung, um ihr wertvolles Getreide trocken einzufahren. Möglichst schnell soll es gehen, riesige Flächen müssen abgeerntet werden. Es wird bis in die Nächte hinein mit schwerem Gerät gearbeitet - nicht immer zur Freude aller Eifeler. Besonders im Straßenverkehr stehen sich Auto und Traktor oft unversöhnlich gegenüber.
Gemeinsam haben nun der Maschinenring Bitburg-Prüm, der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau und die Zukunftsinitiative-Eifel unter dem Titel "Aufeinander zugehen, damit es vorbeigeht" für Rücksichtnahme der Landwirte geworben. "Es hat sich in der Landwirtschaft viel verändert. Die Fahrzeuge werden immer höher, breiter und schneller", sagte Michael Horper, Chef des Kreisbauernverbands. Immer weniger Betriebe würden eine relativ konstant große Fläche im Eifelkreis bewirtschaften (siehe Extra) - lange Wege seien dabei unvermeidbar. "Gleichzeitig entfernt sich der Verbraucher aber immer mehr von den Landwirten. Die Lage darf sich nicht weiter zuspitzen. Wir müssen rücksichtsvoller sein und gegebenenfalls den Dialog mit der Bevölkerung suchen", betont Horper.
Klare Gesetzeslage


Gerhard Kauth, Hauptkommissar in Prüm, fasste in einem Kurzreferat die Lage zusammen: "Wenn Erntezeit ist, gibt es bei uns schon den einen oder anderen Anruf zu Problemen rund um den landwirtschaftlichen Verkehr." Dabei seien einige Streitpunkte einfach aus der Welt zu schaffen: "In der Straßenverkehrsordnung gibt es zwei Punkte, die wichtig sind. Paragraf 22 verpflichtet zur Sicherung der Ladung, sie darf einfach nicht runterfallen. Paragraf 32 befasst sich mit Verschmutzungen von Fahrbahnen", erläuterte Kauth. Die Sache sei einfach: Jede Verschmutzung, die den Verkehr gefährdet, müsse entfernt werden. "Wenn das nicht sofort geht, muss der Verkehr zumindest mit Schildern, Leuchten oder auch Warndreiecken auf die Gefahrenstelle hingewiesen werden." Ausnahmen gebe es keine. "Die Verbote richten sich an jedermann. Jeder ist sowohl haftungs- als auch bußgeldrechtlich verantwortlich - nicht nur der Fahrer, auch derjenige, der die Arbeit, die zur Verschmutzung führte, veranlasst hat", sagt Kauth. Sollte jemand wegen verlorener Ladung einen Unfall haben, sei immer mit einer Mitschuld des verantwortlichen Landwirts zu rechnen. "Die sinkt deutlich, wenn Sie sich korrekt verhalten und eine Gefahrenstelle korrekt ausgewiesen haben", mahnt er.
Fahren mit Menschenverstand


Doch nicht allein Dreck ist ein Problem, auch die Lautstärke von laufenden Erntemaschinen sorgt für Unmut. "Da kann ich nur einen Rat geben", sagte Stefan Neyses vom Maschinenring, "wenn wir mit gesundem Menschenverstand an den Maschinen sitzen, geht alles besser." Wenn eine große Fläche gemäht werde, müsse nicht ausgerechnet um drei Uhr nachts der Bereich gemäht werden, der dem Wohngebiet am nächsten liege.
Eine Erhebung von Kollegen in Bayern habe gezeigt, dass neben überhöhter Geschwindigkeit vor allem eins immer wieder vorgeworfen werde: "Das permanente Handy am Ohr." Kauth bekräftigt: "Das ist wirklich extrem. Gerade junge Traktorfahrer erwischen wir häufig mit dem Handy am Lenkrad."
Neyses verweist auf einen Fahrerknigge, den das bayrische Biogas-Forum erarbeitet hat: "Eine gute Hilfestellung." Günter Heitmann, Berater vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat: "Fragen Sie sich, wie sich ein Kind fühlt, das auf einem schmalen Weg plötzlich neben einem drei Meter breiten und vier Meter hohen Fahrzeug steht."
Horper mahnt ausdrücklich zur Besonnenheit: "Der Dialog und die Rücksichtnahme sind wichtig. Wir haben hier noch einen guten Stand, dürfen, anders wie in manchen Bundesländern noch sonntags fahren - was sicherlich gut und kaum vermeidbar ist. Diesen Stand müssen wir durch umsichtiges Verhalten aber schützen", sagt er.
Der Fahrerknigge des Bayrischen Biogas-Forums kann im Internet auf <%LINK auto="true" href="http://www.biogas-forum-bayern.de" class="more" text="www.biogas-forum-bayern.de"%> kostenlos heruntergeladen werden.
Extra

Immer weniger landwirtschaftliche Betriebe kümmern sich um beinahe gleichbleibend große Anbauflächen im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Noch 1990 bestellten 4020 landwirtschaftliche Betriebe 81 707 Hektar. Zwanzig Jahre später waren es 2010 nur noch 1501 Betriebe, die sich um eine nur marginal verkleinerte Fläche von 78 436 Hektar kümmerten. Die Zahl der Landwirte hat sich seit 1990 also um fast 63 Prozent (um 2519 Landwirte) verkleinert, während die Nutzfläche um nur vier Prozent (3271 Hektar) kleiner geworden ist. Möglich ist dies nur dank modernerer und gleichzeitig größerer Maschinen. aff