LANDWIRTSCHAFT
Zum Klartext "Zunehmend weniger" (TV vom 9./10. Juli) schreibt dieser Leser:
Meinung
Leitbild von gestern?
Schon verwunderlich, wie der Verfasser des Textes den Deutschen Bauerntag und den Landjugendtag kommentiert. Da feiert sich tatsächlich ein Berufsstand, der nur noch marginale Bedeutung in der Gesellschaft hat - wie unverschämt! Weit gefehlt. Um aktuell die Situation der Landwirtschaft zu beschreiben, muss man tiefer in die "Realitätenkiste" greifen, statt sich auf populistische Art und Weise seine Missgunst gegenüber der Landwirtschaft von der Seele zu schreiben. Fast sieben Milliarden Menschen bevölkern unseren Erdball. Nur mit Hilfe moderner Landwirtschaft, die auch in der Eifel stattfinden muss, sind wir in der Lage, die Welt zu ernähren. Landwirtschaft ist kein müder Berufsstand. Vor 70 Jahren brauchte man für die Bewirtschaftung eines Hektars Weizen 180 Stunden im Jahr, bei einem Ertrag von 2,4 Tonnen. Heute benötigt man für die gleiche Arbeit zwölf Stunden, der Ertrag liegt bei sechs Tonnen. Eine Produktivitätssteigerung um fast das Vierzigfache. Unterdessen sind die Getreidepreise gefallen. Seit den 1950er Jahren sind die Ausgaben für Lebensmittel von rund 50 Prozent eines Durchschnittseinkommens auf heute nur noch zwölf Prozent gesunken. Die Differenz steht zur Investition in Konsumgüter zur Verfügung. Durch die Veränderung des Blickwinkels bekommt die wirtschaftliche Bedeutung unseres Berufs einen ganz anderen Stellenwert. Worauf müssten wir alles verzichten, wenn zur Lebenshaltung heute noch 50 Prozent des Einkommens nötig wären? Also, wenn der Verfasser des Klartextes das nächste Mal nach einem ausgiebigen Einkauf auf dem Weg nach Hause unterwegs ist und er kurzzeitig den Mittelstreifen der Straße verlassen muss, um einen entgegenkommenden Landwirt mit einem riesigen Gülletanker passieren zu lassen, soll er diesem freundlich zurückwinken. Es wird beiden guttun. Thomas Eiden, Biesdorf