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Langer Weg zur eigenen Vertretung

Langer Weg zur eigenen Vertretung

Das Vorhaben, im Eifelkreis ein Jugendparlament zu etablieren, ist aufgrund der angespannten Finanzlage vorerst gescheitert. Die Fürsprecher des Projekts lassen sich jedoch nicht entmutigen und suchen bereits nach anderen Möglichkeiten.

Bitburg/Prüm. Der Wille, im Eifelkreis Bitburg-Prüm, ein Jugendparlament einzurichten, war durchaus da - allein, es fehlt der finanzielle Spielraum, der nötig wäre, ein solches Projekt zu realisieren: Mit großer Mehrheit sprach sich der Kreistag deswegen vor der Sommerpause gegen die Einsetzung einer ständigen Jugendvertretung aus (der TV berichtete). Damit liegt das im Jahr 2009 angestoßene Vorhaben (siehe Extra) vorerst auf Eis, soll es aber, wenn es nach seinen Befürwortern geht, nicht bleiben. ,Betreuung ist sinnvoll

,"Ich halte das Jugendparlament nach wie vor für ein wichtiges politisches Projekt, aber es gilt, sich Gedanken darüber zu machen, wie es angemessen realisiert werden kann", sagt Michael Billen, Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses und einer der wenigen im Kreistag, die für die sofortige Realisierung des Parlaments gestimmt hatte. Sowohl nach Ansicht Billens als auch der Kreisverwaltung müsste die Jugendvertretung dafür jedoch neben einem eigenen Budget vor allem einen ständigen Betreuer zur Seite gestellt bekommen. ,,Ich denke, dass eine solche Betreuung sehr sinnvoll wäre", sagt auch Ilona Zeimens, gewählte Vertreterin zum Thema Jugendparlament der Verbandsgemeinde Arzfeld, "es würde viel Arbeit anfallen und auch als zuverlässige Anlaufstelle wäre ein solcher Posten wertvoll." Doch dazu hätte bei der Verwaltung eine halbe Stelle geschaffen werden müssen - zu teuer angesichts der finanziellen Lage des Eifelkreises. Dieser Rückschlag im Kampf um eine ständige Jugendvertretung bietet den engagierten Jugendlichen in den verschiedenen Verbandsgemeinden jedoch auch die Chance, das Projekt als Ganzes zu überdenken. So wurde im Kreistag bereits angeregt, das Jugendparlament nicht auf Kreis- sondern auf Verbandsgemeindeebene zu realisieren. Auch Zeimens ist der Ansicht, dass diese Variante sinnvoller wäre: ,,Ich glaube, dass auf Kreisebene die Gefahr bestünde, dass sich unsere Projekte verlaufen. Mehrere Jugendparlamente in den verschiedenen Verbandsgemeinden wären dagegen regionaler geprägt und könnten konkreter auf Missstände hinweisen und an deren Behebung mitwirken." Auch Billen befürwortet diese Alternative: ,,Wenn sich in jeder Verbandsgemeinde zumindest drei Jugendliche finden, die sich aktiv beteiligen wollen, sollte man ernsthaft über diese Möglichkeit nachdenken."Besonders wichtig ist allen Beteiligten zunächst aber, weiterhin für die Realisierung des Jugendparlaments zu arbeiten. Der Jugendhilfeausschuss berät Mitte September erneut über dieses Thema. Zudem sollen die bewährten Informationsveranstaltungen an Schulen, in Vereinen und Jugendzentren in Verbindung mit dem Austausch zwischen engagierten Jugendlichen und der Lokalpolitik sicherstellen, dass das Projekt nicht in Vergessenheit gerät. Ein Treffen zwischen Jugendvertretern und den Verbandsgemeindebürgermeistern ist bereits in Planung. ,,Ich würde es sehr begrüßen, wenn das Jugendparlament zustande käme", sagt Billen. ,,Schließlich geht es darum, den Jugendlichen die Möglichkeit zu bieten, ihre Zukunft zu gestalten und eine Idee davon zu bekommen, was Politik ist." Auch Zeimens möchte weiterhin für das Projekt arbeiten: ,,Uns ist nach wie vor daran gelegen, dass die Politik junge Menschen und deren Anliegen ernst nimmt und für diesen Zweck wären Jugendparlamente ideal." Meinung

Gute Idee in schlechten ZeitenDie Idee eines Jugendparlaments im Eifelkreis ist gut. Allerdings nur, wenn sie richtig umgesetzt wird: Wenn die Jugendlichen tatsächlich Entscheidungen treffen können, die auch Konsequenzen haben, wenn sie über ein eigenes Budget verfügen und wenn ihre Belange von einem Mitarbeiter der Kreisverwaltung professionell betreut werden. Denn wenn all dies nicht gegeben ist, besteht die Gefahr, dass viel geredet wird, wenig passiert und die Jugendlichen am Ende frustriert sind und der Politik (für die Jugendparlamente sie doch begeistern sollen) wieder den Rücken kehren. Das alles würde jedoch Geld kosten. Geld, das der hoch verschuldete Eifelkreis nicht hat. Daher war die Entscheidung des Kreistags konsequent - so bedauerlich das für die Jugendlichen auch erstmal sein mag. k.hammermann@volksfreund.deJugendparlament: Den Anstoß für die Etablierung eines Jugendparlaments im Eifelkreis gab der Kreistagsabgeordnete Wolfgang Ferner (Linke) bereits im Jahr 2009. Nach dem Vorbild der Jugendparlamente unter anderem in Trier, Wittlich oder Bernkastel-Kues sollte im Eifelkreis eine Jugendvertretung entstehen, die mit einem Vorsitzenden und dessen Vertreter im Kreistag präsent sein und über ein eigenes Budget verfügen sollte (der TV berichtete). Über 30 interessierte Jugendliche aus beinahe allen Verbandsgemeinden außer Speicher sowie außer der Stadt Bitburg fanden sich im Laufe der Zeit zusammen, um für die Realisierung des Projekts zu arbeiten. Sollte ein Jugendparlament zustande kommen, würden dessen Vertreter zwar über kein Abstimmungsrecht verfügen, bekämen jedoch die Möglichkeit, die Interessen junger Menschen im Kreis zu vertreten.