Langweilig darf es nicht werden

Langweilig darf es nicht werden

BITBURG. Nachts, wenn die meisten Menschen tief und fest schlafen, stehen sie auf und sorgen für eis- und schneefreie Straßen: die Männer vom Streudienst. Der TV hat einen von ihnen begleitet.

Als um 3 Uhr das Handy von Stefan Erschfeld auf seinem Nachttisch in Oberweiler klingelt, sind die Streu-Kollegen von der Zentrale in Bitburg dran: "Schneefall in der gesamten Verbandsgemeinde Bitburg-Land." Der Straßenwärter springt aus dem Bett, zieht sich an, setzt sich ins Auto und fährt nach Bitburg. Dann rein in den Streu-Laster.Das war um 3.30 Uhr. Jetzt ist es 19.30 Uhr und Stefan Erschfeld sitzt wieder seit gut fünf Stunden im Führerhaus seines orange farbenen LKW. Zwei Kollegen sind krank geworden. Er und die anderen machen Überstunden.Seine Augen blicken wach auf die Straße. Er gähnt nie, wirkt fit. "Kein Problem", sagt er. "An den Streudienst gewöhnt man sich." Oder: "Wer Straßenwärter wird, der muss wissen, dass das dazu gehört. Die Straßen müssen halt frei sein."Er fährt immer die gleiche Route: von Bitburg nach Spangdahlem und über Phillipsheim wieder zurück. Dafür braucht er zweieinhalb Stunden. Manchmal fährt er diese Route fünf Mal hintereinander. Der Arbeitsablauf der Männer vom Streudienst ist immer gleich. Salz aufladen, Lauge tanken, Straße streuen.Man traut sich kaum zu fragen, ob das langweilig ist. Erschfeld sagt: "Ich fahre meine Strecke ab. Das ist alles." Als Fahrer habe er immer etwas zu tun. "Da darf es einem nicht langweilig werden." Außerdem muss er ja auch noch die Streu- und Räumgeräte bedienen. Das hält wach.Zwei Kästen: Einer für vorn, einer für hinten

Im Cockpit hat er zwei Kästen vor sich. Mit dem einen bedient er den vorderen Schneepflug. Immer, wenn Schnee auf der Fahrbahn liegt, drückt er einen kleinen Joystick nach unten, der Pflug senkt sich und rauscht dann über die Fahrbahn. Mit dem zweiten Kasten regelt er den Salz-Streuer am Heck.Bei Schnee streut er reines Salz, bei Glatteis wird eine Salzlauge gespritzt. Wegen der besseren Bodenhaftung. Mit 50 Stundenkilometern sind wir unterwegs durch die Eifeler Schneelandschaft. Draußen ist es stockdunkel. Die gelbe Warnleuchte auf dem Dach blinkt nonstop, und der Schnee reflektiert sie wie Lichtblitze ins Führerhaus.Drinnen klackt mindestens genau so monoton das Zählwerk der Streumaschine in kurzen Abständen. Unaufhörlich. Ein "klack" nach dem anderen und dazu noch das blinkende gelbe Licht. "Meine Freundin hat gesagt, hier wirst du bekloppt, als sie einmal mitgefahren ist", erzählt er. Es klackt und blinkt weiter. Zeit für sonnige Gedanken. Wir reden über Sommerurlaub. Der Mann vom Streudienst schwärmt von seinem Urlaub auf Kuba.Er erzählt, dass er sich wieder auf den Sommer freut und wie schön grün es doch auf Mallorca war. Das lenkt tatsächlich ab von der eintönigen Streu-Fahrt. Eine halbe Stunde und ein halbes dutzend geträumte Sommerurlaube später fahren wir wieder auf dem Hof der Straßenmeisterei vor.