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Lasel - Verwirrung wegen Tempo-50-Schild - Wo gilt es?

Autofahrer sind genervt : Verwirrung um Tempo-50-Schild: Wo gilt die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der der L 5?

Seit dem Sommer wird der Verkehr auf der Nimstalstrecke bei Lasel auf 50 Stundenkilometer herabgebremst. Manche Fahrer halten sich dran, andere sind genervt vom Schneckentempo, das immerhin auf mehr als einem Kilometer freier Strecke gilt – oder doch nicht?

Sanft wird der Verkehr auf der Landesstraße 5 in Fahrtrichtung Prüm kurz hinter Nimshuscheider Mühle abgebremst. Erst auf Tempo-70, dann auf Tempo-50 und plötzlich wird es unerwartet brenzlig. Während manche Autofahrer sich zumindest annähernd an das Tempolimit halten, reagieren andere genervt. Bereits kurz hinter dem Schild setzen die Ersten zum Überholen an, andere fahren „nur“ eng auf. Etwas weiter, Lasel ist in der Ferne schon zu erkennen, geht es das Hauen und Stechen dann richtig los. Dort, wo bis zum Sommer keine Geschwindigkeitsbegrenzung galt, wird gehupt, aufgeblendet, geschimpft und häufig auch riskant überholt.

„Ich fühlte mich gerade schon sehr unter Druck gesetzt“, sagt eine Autofahrerin aus Köln, die an der Laseler Bushaltestelle ihr Cabrioverdeck schließt. Sie wolle ihren Namen nicht in der Zeitung lesen, schon recht nicht mit dem, was sie zu sagen habe: „Ja, wir haben Vorurteile über die rasenden Eifeler; nach dem, was ich gerade erlebte, ist es aber auch nur schwer, sie abzubauen.“ Kurz vor dem Ortseingang sei sie im letzten Moment von einem Raser überholt worden. „So ein Schwachsinn, im Ort musste der doch eh Tempo 50 einhalten. Hauptsache, man ist vorne und muss nicht hinter einem Städter herkriechen.“ Auch Minuten nach dem Vorfall wirkt die Frau noch aufgeregt. „Ich fahre weiter nach den Verkehrsregeln – egal, was die anderen davon halten.“

Warum das Tempolimit auf der L 5 bei Lasel aktuell gilt

Lasel - Verwirrung wegen Tempo-50-Schild - Wo gilt es?
Foto: TV/Auffenberg, Frank

Rasen ist natürlich nie sinnvoll, doch hat die Autofahrerin Recht mit ihrer Einschätzung, dass der Mann hinter ihr keinen Grund hatte, so genervt zu reagieren? Der Fahrer hinter ihr sei im Unrecht gewesen und habe sich unnötigerweise von ihrem vermeintlich langsamen Fahren provoziert gefühlt. Immerhin habe doch bis zum Ortseingang Tempo 50 gegolten? Die Lage ist allerdings nicht so glasklar, wie die Frau vermutet.

Mitte Juli wurde das Schild in diesem Sommer wegen Sanierungsarbeiten an der Straße aufgestellt. „In diesem Bereich lagen Setzungsschäden im Oberbau vor. Diese wurden durch Aufbringen einer Asphaltschicht ausgeglichen“, erklärt der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Gerolstein. Der Abschnitt werde im Rahmen der üblichen Streckenkontrollen des LBM fortlaufend auf Veränderungen beziehungsweise Schäden überprüft. Eine akute Gefahrensituation gebe es an der Stelle aktuell zwar nicht, zur Beobachtung der Schadstelle bleibe die Geschwindigkeitsreduzierung aber zunächst erhalten, so die Mitteilung des LBM Gerolstein. Die Vermutung, jemand könnte vergessen haben, das Schild zu entfernen, trifft also nicht zu. Die Einschätzung, dass auf dem knapp 1,2 Kilometer langen Abschnitt bis zum Ortseingang Tempo 50 gilt, ist laut LBM Gerolstein aber auch nicht korrekt.

„Die Geschwindigkeitsreduzierung ist zusammen mit dem Gefahrenzeichen ‚Unebene Fahrbahn’ angebracht. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung unter einem Gefahrzeichen hebt sich automatisch nach der Gefahrenstelle auf. Eine gesonderte Aufhebung ist daher nicht erforderlich“, teilt der Landesbetrieb auf Nachfrage mit. Vereinfacht heißt das also: Ein Tempo-Schild mit einem Gefahrenhinweis gilt genau bis zu der Stelle, an der die Gefahr nicht mehr vorhanden ist. Der überholende Autofahrer schätzte die Situation also durchaus richtig ein, auch wenn das risikoreiche Überholen mehr als fragwürdig war. Alles klar? Leider nicht.

Warum gibt es kein Hinweisschild auf Bodenwellen?

Vor Ort zeigt sich nämlich, dass der Autofahrer richtig gelegen hätte, wenn die Situation sich so darstellte, wie es der LBM erwartet. Zwei Schwierigkeiten tauchen hier aber auf: eine für deutsche Gesetzgebungen schwammige Formulierung und ein klitzekleines weiteres Problem. Zum einen ist es an der Stelle nicht leicht, einzuschätzen, wann die Gefahr vorbei ist und wann damit wieder eine Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometern in der Stunde gefahren werden darf.

Das zweite Problem ist mitunter noch gravierender: Anders als beim LBM vermerkt, gibt es an dem Schild und im Umfeld keinen Gefahrenhinweis auf Bodenwellen und somit auch keine Aufhebung des Tempolimits. Konkreter: Ab dem Schild gilt Tempo 50 und zwar bis zum Ortseingang Lasel. Der genervte Fahrer war also im Unrecht, die ortsfremde Autofahrerin hat die Lage korrekt bewertet. Ob das Limit nun sinnvoll ist oder nicht.

Verkehrsgrafik
Verkehrsgrafik Foto: TV/Auffenberg, Frank

Ob das zusätzliche Gefahrenschild nie aufgestellt wurde oder aus noch unbekannten Gründen verschwand, ist laut LBM Gerolstein noch nicht bekannt. Die Situation wird aktuell intern geprüft.