"Lassen Sie den Termin fallen!"

Neuerburg · Das bewegt die Neuerburger: Rund 500 Menschen sind am Montagabend zu einer Informationsveranstaltung des Fördervereins Marienhausklinik St. Josef gekommen, um über die geplante Schließung des Krankenhauses zu diskutieren - und um Kritik zu üben.

Volle Stadthalle: Rund 500 Menschen sind zur Informationsveranstaltung des Fördervereins Marienhausklinik St. Josef gekommen. TV-Foto: barbara Cunietti

Neuerburg. "Der Träger hat sich diese Entscheidung weiß Gott nicht schwergemacht", verspricht sich Michael Osypka, Geschäftsführer der Marienhaus Kliniken GmbH. Mit diesem Lapsus erntet er die Buhrufe der 500 Bürger in der Neuerburger Stadthalle. Er entschuldigt sich, doch die Buhrufe werden an diesem Abend noch oft zu hören sein. Der Förderverein Marienhausklinik St. Josef hatte zu einer Diskussionsveranstaltung über die geplante Schließung des Krankenhauses (der TV berichtete) eingeladen - kein Spaß für den Träger, der Kritik und Vorwürfe vonseiten der Bürger, der Ärzte und auch der Politiker einstecken musste.
Kritik an Verfahren


Das war die erste Gelegenheit, die die Bürger hatten, direkt mit der Klinikleitung zu sprechen. Und gerade der Umgang mit den Beteiligten und der Öffentlichkeit stand in der Kritik. "Ich hätte erwartet, über die Pläne frühzeitig informiert zu werden, doch als ich von der Schließung erfuhr, stand alles schon fest", kritisierte Joachim Streit, Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm. Die gleiche Kritik kam auch von Stadtbürgermeisterin Anna Kling. Ingvo Müller, Leiter der chirurgischen Ambulanz der St. Josef-Klinik, wurde vor zwei Wochen im Urlaub benachrichtigt, "doch in meinem Vertrag steht, dass Mitarbeiter über Veränderungen rechtzeitig informiert werden müssen". Der Geschäftsführer Günter Merschbächer räumte den Fehler ein: "Die Kritik ist berechtigt, im Nachhinein würden wir es anders gestalten."
Müller sprach einen anderen Kritikpunkt an: Die Schließung sei gewollt gewesen. Schon vor drei Jahren hätten die Ärzte den Träger intern auf mögliche finanzielle Probleme hingewiesen, sagte Müller. "Ideen und Strategien wurden abgeblockt und liegen unbearbeitet auf den Schreibtischen bei der Geschäftsführung", sagte Elmar Gierenz vom Förderverein. "Es wurde mit der Holzhammer-Methode gearbeitet", warf Patientenfürsprecher Gerhard Mittler den Trägern vor.
Nun ist den Bürgern und den Politikern der Stichtag für die Schließung des stationären Bereichs am 30. Juni zu kurzfristig. Es ist ein dringender und einheitlicher Appell aus allen Reihen: "Lassen Sie den Termin fallen!". Das ist nicht nur ein Anliegen der Neuerburger, sondern vieler anderen Menschen der Region, die auch gestern Abend dabei waren, denn schließlich gehe es um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum. "Wenn es bei uns brennt, brauchen wir ein Krankenhaus in der Nähe", sagte Inge Dietrich aus Neuerburg. Sie arbeitet in einem Seniorenheim und ist besorgt, dass ohne Krankenhaus Menschenleben auf dem Spiel stehen. Die Träger machten in diesem Fall Hoffnung: "Wenn in den nächsten Treffen und Gesprächen erfolgsversprechende Konzepte erarbeitet werden, dann können wir den Termin noch um einige Wochen verschieben", sagte Günter Merschbächer. Der Förderverein hat zusammen mit den Mitarbeitern des Krankenhauses schon Ideen zusammengestellt, die den Erhalt des Krankenhauses auch ohne Weaning-Station, wo künstlich beatmete Patienten wieder an das Atmen gewöhnt werden, sichern könnten. Zum Beispiel durch die Einrichtung eines Schlaflabors oder einer psychosomatischen Belegabteilung. Die Weaning-Station soll nach den Plänen der Geschäftsführung nach Bitburg umziehen. Die Zukunft des Krankenhauses liege aber nicht nur in den Händen des Trägers: "In der Pflicht stehen auch die Politik und die Krankenkassen", sagte Anna Kling. Deswegen soll nun auch der Kontakt nach Mainz und Berlin gesucht werden. Und das wird gemacht, denn wie Mittler sagte: "Wir geben nicht auf, Neuerburger sind daran gewöhnt zu kämpfen."
Für Fragen und Anregungen zum Erhalt des Neuerburger Krankenhauses, die in die nächste Diskussionsrunde in vier bis sechs Wochen einfließen, hat die Stadt eine E-Mail-Adresse eingerichtet: gesundheit@neuerburg-eifel.de