1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Lassen wir sie durch, sie ist Ärztin

Lassen wir sie durch, sie ist Ärztin

Die Gemeinden in der Schneifel haben, mit entscheidender Hilfe des Waxweiler Mediziners Klaus Spies, die Arztnachfolge geregelt: Dorothea Harbusch übernimmt im kommenden Jahr die Bleialfer Praxis von Horst Klein.

Bleialf. Da freut sich die Ortsbürgermeisterin: "Wir haben eine Ärztin für nächstes Jahr", sagt Edith Baur, Gemeindechefin in Bleialf. Frau Doktor heißt Dorothea Harbusch, und sie übernimmt die Nachfolge des scheidenden Allgemeinmediziners Horst Klein. Am 1. Februar 2016 steigt sie in Bleialf ein: "Sie hat sich die Praxis angeguckt, hat sich unsere Mädels angeguckt, unsere Mädels haben sie angeguckt - und die waren alle froh miteinander", sagt Klein und lacht. Die Werbekampagne, die von den Gemeinden rund um die Schneifel vor einigen Monaten ins Leben gerufen worden war (TV vom 21. August), kann damit eingestellt werden: Die Ortsbürgermeister hatten ihre 13 Dörfer in einer sympathischen Aktion auch im Internet den ersehnten Interessenten vorgestellt. Mit dabei waren Auw, Winterscheid, Brandscheid, Mützenich, Buchet, Großlangenfeld, Oberlascheid, Habscheid, Winterspelt, Heckhuscheid, Sellerich, Gondenbrett und eben Bleialf. Edith Baur dankt allen Kollegen für die starke Aktion - und nicht zuletzt Klaus Spies, dem in Waxweiler praktizierenden Allgemeinarzt: Der habe die Sache nämlich ins Rollen gebracht.Spies erzählt, wie es dazu kam: Die 42-jährige Kollegin, geboren in Bitburg, wohnhaft in Üxheim und bisher in einer Praxis in Daun angestellt, habe er beim Bereitschaftsdienst in Prüm getroffen (siehe Extra): "Wir hatten gemeinsam Dienst. Da sind dann immer zwei Ärzte - einer sitzt, einer fährt auf Hausbesuche. Und bei dieser Gelegenheit habe ich sie darauf angesprochen."Genau so sei es gewesen, sagt Dorothea Harbusch. Sie habe natürlich gewusst, dass man in Bleialf auf der Suche nach Nachfolgern für Klein sei. Und mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen, habe sie sich schon länger getragen. "Aber man hat immer auch Ängste, das in die Hand zu nehmen. Wegen der finanziellen Risiken."Gute Chancen für Helferinnen

Aber "die langen Gespräche mit Dr. Spies" hätten ihr dann doch viel von ihrer Sorge genommen. Horst Klein wiederum kam ihr bei der Regelung der Übernahme entgegen und machte ihr die Entscheidung damit noch ein bisschen leichter. Außerdem bleibt er noch bis Juli 2016, bevor er dann fast 66-jährig den Ruhestand antritt - das werde den Übergang zusätzlich vereinfachen. "So sind wir uns eigentlich schneller als beim Viehhandel einig geworden", sagt Klein. "Das war superproblemlos." Spies und Klein reagieren beim Gespräch in der TV-Redaktion Prüm übrigens eindeutig auf die Frage, ob sie mit Dorothea Harbusch als neuer Ärztin für Bleialf einverstanden sind: "Sehr einverstanden!", sagen die Herren. Klingt gut. Harbusch übernimmt zudem nicht nur die Bleialfer Praxis, sondern wohl auch die drei Mitarbeiterinnen. Dort arbeitet bisher auch Kleins Frau Rita Klein-Trösch: "Die wird nicht übernommen", sagt er und lacht. Es bestehe also die Möglichkeit, dass noch eine vierte Helferin eingestellt werde. Vor allem aber biete der Einstieg der Kollegin den Menschen in der Schneifel eine langfristige Perspektive, weil sie noch jung genug sei, um den Job für die kommenden 20 Jahre zu machen.Edith Baur freut sich jetzt vor allem für die Patienten im Dorf und dem Einzugsbereich der Praxis: Sie habe sehr viele besorgte Anrufe in den vergangenen Monaten erhalten, "ich hätte fast Seelsorgerin werden konnen". Wird wohl nicht mehr nötig sein. Meinung

Ein erster TherapieerfolgEine Vulkaneiflerin für die Schneifel: Das klingt doch nach einer richtig guten Lösung für Bleialf. Besonders erfreulich ist dabei zu sehen, wie sich auch die Mediziner dabei zusammentun und überlegen, wie man die Versorgung auf den Dörfern aufrechterhalten kann. Die Situation bleibt schwierig, da ist noch lange nicht alles heil. Aber die Therapie hat erstmals angeschlagen. f.linden@volksfreund.deExtra

Die Bereitschaftsdienstzentrale im Krankenhaus Prüm, sagt Klaus Spies, sei derzeit immer in der sprechstundenfreien Zeit besetzt: mittwochs von 14 Uhr bis donnerstags um 7 Uhr sowie freitags von 16 bis montags um 7 Uhr. Das aber werde sich im kommenden Jahr ändern: Dann werden dort jede Nacht Ärzte ihren Dienst verrichten. Die Zentrale ist erreichbar unter Telefon 06551/1472683 - "Anmeldung sehr erwünscht", sagt Klaus Spies. Gemeinsam mit dem Krankenhaus arbeiten die Mediziner aus Prüm und Umgebung übrigens an weiteren Lösungen, mit denen sie die Versorgung erhalten wollen. Eine der Ideen: Jungen Medizinern nahtlos Weiterbildungsstellen anzubieten, im Krankenhaus und bei den niedergelassenen Kollegen. Denn angehende Allgemeinärzte müssen mindestens drei Jahre in einem Hospital und zwei weitere in einer Praxis verbringen. Das soll in der Eifel bald möglich sein. fpl