Lauter Liebesbriefe an eine Region

Lauter Liebesbriefe an eine Region

Großer Festakt, schöne Wanderungen, Markt und ein Bühnenprogramm bis in die Nacht hinein: Der Eifelverein hat am Samstag in Prüm sein 125-jähriges Bestehen gefeiert. Festredner und Wander-Aktivist Manuel Andrack lieferte dabei eine Liebeserklärung an Verein und Region.

Prüm. Festakt zum Jubiläum des Eifelvereins in der Karolingerhalle: Rund 400 Gäste verfolgten die Ansprache von Autor und Wanderer Manuel Andrack, der dem Verein und der Eifel seinen ganz persönlichen Liebesbrief überbrachte.
Auf dem Hahnplatz starteten gleichzeitig mehr als 500 Teilnehmer zu Touren rund um die Stadt. Insgesamt tummelten sich bis in den Abend mehr als 2000 Besucher in Prüm, etwa 200 verfolgten auf der Leinwand das Finale in der Fußball-Champions League, auch wenn Regenschauer das Vergnügen trübten.
Für Manuel Andrack ist die Eifel das schönste Mittelgebirge Deutschlands, und weil Deutschland die schönsten Mittelgebirge der Welt habe, folglich auch das schönste Mittelgebirge der Welt. Es sei nur leider zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz geteilt. Deshalb hat Andrack für eine Wiedervereinigung in den Grenzen von 1888 plädiert - dem Gründungsjahr des Vereins, als die Eifel noch in Gänze zur preußischen Rheinprovinz gehörte. Andrack ist überzeugt, dass dem Verein die Zukunft offensteht. Denn das Wandern ist für ihn eben keine Modeerscheinung.
Zuvor hatte Mathilde Weinandy, Bürgermeisterin der Stadt und Hauptvorsitzende des Eifelvereins, an die Ursprünge erinnert. Der Wille und die Vision der Gründerväter um Adolf Dronke seien für sie sehr bewegend, der Pioniergeist von damals beeindruckend. "Die Gründung des Vereins war ein Geschenk für die Eifel", sagte sie. In den folgenden 125 Jahren habe der Verein trotz vieler schwerer Zeiten eine gute Entwicklung genommen - und die Eifel dazu. "Er war der Motor zur positiven Entwicklung unserer Region. Wenn sie heute hier wären, könnten die Gründerväter stolz auf ihren Eifelverein sein."Stolz auf das Geleistete



Vor rund 300 Zuschauern führten abends Mitglieder der ersten Ortsvereine von Neuerburg, Kyllburg oder Prüm auf, wie sich die Gründungsversammlung abgespielt haben könnte - soweit es in den Unterlagen überliefert ist.
Stolz zeigen sich auch die Mitglieder aus den vielen Ortsgruppen, die nach Prüm gekommen waren: "Wenn es den Eifelverein nicht gäbe, dann gäbe es auch viele Wanderwege nicht", sagt Klaus Jäger, Wanderwart in Bad Neuenahr-Ahrweiler. "Dann würden viele Gäste wegbleiben - und sie würden eine der schönsten Wanderregionen der Bundesrepublik nicht kennenlernen."
Viele Besucher gehören den älteren Jahrgängen an. "Aber im Moment haben wir auch einigen jüngeren Nachwuchs", sagt Anne Floßbach von der Ortsgruppe Düren. "Die jungen Leute wandern auch", sagt Vereinskollegin Therese Blenk. Auch woanders tut sich da etwas, sagt Hermann Wittmer, Vorsitzender in Steffeln: "Wir haben eine unglaubliche Jugendwartin - Martina Berg. Die macht mit den Kindern sehr viel."
Verjüngung und Modernisierung: Das gilt auch für das Material, das man braucht. "Die Wanderkarte der Zukunft ist ein Mobilgerät", sagt Andreas Wisniewski vom Eifelverein Stadtkyll. "Und dann hat man nicht nur eine Karte dabei, sondern 30." Gerade hierbei müsse der Verein auf die aktuelle Entwicklung aufspringen. "Der Eifelverein stellt die Hardware - die Wege und so weiter. Aber an der Software verdienen andere." Diesen Markt der Zukunft müsse man bedienen.
Das vermutlich jüngste Mitglied an diesem Tag in Prüm: "Alina" - Hundedame und Maskottchen der Ortsgruppe Troisdorf - mit Vereinslogo am Geschirr. Andere haben gar nichts mit dem Verein oder dem Wandern am Hut - und sind trotzdem dabei: "Wir kommen jedes Jahr hier hin", sagt Niederländer Michael Metternich (32), der mit Jiska Sturm (37) aus Amsterdam nach Prüm gekommen ist - allerdings nicht ganz freiwillig: Das Motorrad der beiden hatte während ihrer Eifeltour eine Panne und wird gerade repariert. "Und die Leute hier sind wirklich freundlich", sagt Jiska. Sie lacht: "Es ist wirklich gar nicht so schlecht, dass unser Motor kaputtgegangen ist."