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Leben nach einer Gehirnblutung

Leben nach einer Gehirnblutung

STADTKYLL. Claudia Howard las am Wochenende aus ihrem Buch "Spurlos daneben". Darin erzählt sie von ihrem Gedächtnisverlust nach einer Gehirnblutung und dem anschließenden Ringen mit der neuen Wirklichkeit.

Claudia Howard wurde 1959 in der Schweiz geboren und verspürte schon als Kind den Drang, etwas bewegen zu müssen. Sie leitete das Schultheater, schrieb, inszenierte und spielte auch mit. Nach dem Abitur besuchte sie die "Scuola Teatro Dimitri" im Tessin und bekam Engagements. In Köln war sie Mitgründern des Urania Theaters. Mit der Verleihung eines renommierten Preises erfüllte sich Claudia Howard einen lang ersehnten Wunsch und kaufte sich ein Pferd. Um es selbst beschlagen zu können, nahm sie 1993 einen Berufswechsel vor und arbeitete fortan als Hufschmiedin. Bis zu jenem Tag, als man sie im September 2002 bewusstlos in der Futterkammer fand. Eine Gehrinblutung, die zehntägige Bewusstlosigkeit und die teils traumatischen Erlebnisse veränderten ihr Dasein. Die gelegte Spur war aus dem vorgegebenen Gleis geraten. "Da lag ich nun im Krankenhaus, umgeben von Ärzten und Schwestern, verstand wenig von deren Hilfe und meiner ungewollten Hilflosigkeit", las Claudia Howard, und man spürte, wie ein Rest dieser Lebensphase sie noch umfangen hält. Besonders die liebevolle, stete Fürsorge ihres Mannes, der Freunde und Nachbarn halfen mit, in die Normalität zurückzukehren. Eine Bindegewebsverhärtung und chronische Gefäßkrankheit verschlimmerten ihren Zustand. Es dauerte viele Monate, fast zwei Jahre, bis sie wieder zurück fand, fast, wie sie betont, in den Alltag. Durch die Gehirnblutung und der daraus resultierenden Störung des Kurzzeitgedächtnisses empfand sie bei der Heimkehr in Leudersdorf veränderte Proportionen und Strukturen vor. Eine geruhsame Autofahrt mit ihrem Mann half beim Beginn der Neuorientierung zu sich selbst und langjährige Freunde und Gewohnheiten allmählich wieder zu entdecken. Nach anderthalb Jahren täglicher Kopfschmerzen hatte sie endlich die Kraft, die gesammelten Notizen dieser Leidenszeit als heilsame Eigentherapie zu einem Buch zusammenzufügen. Schonungslos mit sich selbst, ihren Ängsten und Zweifeln und dem Warum. Zeile für Zeile füllten die Blätter und wuchsen auf 230 Seiten an. Beschlug die Hufschmiedin vor ihrer Erkrankung täglich zehn bis zwölf Pferde, so sind es gelegentlich ein bis zwei die Woche, ganz wie sie sich fühlt. Das Schreiben hat die Autorin auf die Morgenstunden verlegt.