Leere Kassen und ein gerupftes Haselhuhn

Neuerburg · Mehr als 570 Menschen haben sich bislang in die Unterschriftenlisten gegen die geplanten Windkraftanlagen bei Neuerburg eingetragen. Bei der Infoveranstaltung zu diesem Projekt am Montagabend wurden die Listen an die Stadtbürgermeisterin überreicht - und zwar im Forum des Neuerburger Gymnasiums, wo rund 60 Zuhörer anwesend waren.

Es wird heftig diskutiert über die Errichtung von zwei Windkraftanlagen auf dem Waldrücken südlich von Neuerburg. Sie wären eine zusätzliche Einnahmequelle für die Stadt. TV-Foto: Klaus Kimmling

Neuerburg. Wie viele Menschen werden aus Neuerburg wegziehen, wenn dort Windkraftanlagen errichtet werden? Wie viele Touristen werden erst gar nicht kommen? Und wie viel Lebensqualität geht dadurch verloren? Michael Mainz von der Verbandsgemeinde-Verwaltung Südeifel hat darauf keine Antwort. Wobei all das, wenn es sich denn überhaupt ermitteln ließe, ohnehin nur indirekt in seinem Zuständigkeitsbereich läge. Denn Mainz ist Sachgebietsleiter der Abteilung Finanzen. Deshalb interessiert ihn in erster Linie die finanzielle Situation der Stadt Neuerburg. Und die ist alles andere als gut.Förster hält Anlage für vertretbar


Ende 2013 lag der Schuldenstand insgesamt bei rund fünf Millionen Euro. 117 500 Euro seien im vergangenen Jahr allein für Zinsen draufgegangen, sagt Mainz, der allerdings an diesem Montagabend nicht ins Forum des Eifel-Gymnasiums Neuerburg gekommen ist, um über die ohnehin schon bekannte schlechte Haushaltslage der Neuerburger zu referieren. Vielmehr geht es ihm darum, zu zeigen, wie sich die Situation entspannen würde, hätte die Stadt eine zusätzliche Einnahmequelle.
Konkret geht es dabei um 110 000 Euro. So viel Geld würde Neuerburg jährlich an Pachteinnahmen bekommen, käme es zu der geplanten Errichtung von zwei Windkraftanlagen auf dem Waldrücken südlich von Neuerburg (der TV berichtete).
Die beiden Standortflächen sind nämlich Eigentum der Stadt. Und wie der ebenfalls anwesende Neuerburger Revierförster Olaf Böhmer erklärt, sei die Errichtung von Windkraftanlagen im Wald aus forstwirtschaftlicher Sicht natürlich nicht wünschenswert, in diesem konkreten Fall aber durchaus vertretbar, da für die Bereitstellung der dafür notwendigen Fläche kein wertvoller Laubholzbestand gefällt werden müsse.
Darauf hatte kurz zuvor bereits Manfred Mundt von der C4-Planungs- und Betreuungs-GmbH hingewiesen. Mundt ist Planer des Projekts und würde dieses gerne mit kommunaler Beteiligung in Form einer Kommanditgesellschaft umsetzen. Über die darin integrierten Gesellschaften hätten dann wiederum auch Bürger die Möglichkeit, sich mit Anteilen an dem Projekt zu beteiligen.Gegenseitige Vorwürfe


Mindestens 575 Menschen aus dem Neuerburger Raum scheinen daran allerdings kein Interesse zu haben. Denn so viele haben bislang die Unterschriftenlisten gegen die geplanten Windkraftanlagen unterzeichnet. Und all diese Unterschriften werden an diesem Abend an Stadtbürgermeisterin Anna Kling überreicht, bevor wenig später die (vorsichtig formuliert: nicht durchgängig zielgerichtete) Diskussion beginnt.
So kommt beispielsweise seitens eines Windkraftgegners der Vorwurf, bei der Sammlung der Unterschriften zum Teil massiv bedrängt worden zu sein, während wiederum der Planer den Windkraftgegnern vorwirft, die Bevölkerung bewusst mit falschen Informationen zu versorgen, um so Stimmung gegen das Projekt zu machen. Zwischendrin tauchen in dieser Diskussion auch noch die Federn eines Haselhühnchens auf, die offenbar in der Nähe eines der beiden geplanten Windkraftstandorte gefunden wurden. Das Haselhuhn ist klein und scheu, steht unter Naturschutz und ist damit ein absolutes K.O.-Kriterium für Windkraft. "Wenn dem so ist, dann müssen wir uns hier nicht mehr weiter über Windkraft unterhalten", sagt Böhmer. Dass dem allerdings tatsächlich so ist, daran hat Planer Mundt, der auch hierin einen Manipulationsversuch sieht, starke Zweifel.
Ob dort Haselhühner leben, müssen Gutachter beurteilen. Unabhängig davon müssen am morgigen Donnerstag aber die Mitglieder des Stadtrats darüber entscheiden, ob sie die Windkraftanlagen wollen oder nicht. Beginn der Sitzung im Eifelvereinsheim ist um 19 Uhr.