Leere Läden, hohe Quote
Bitburg · Die Zahl der verwaisten Läden in der Bitburger Innenstadt ist drastisch gestiegen: Von 301 Geschäften stehen 36 leer - das sind 11,96 Prozent. Vergangenes Jahr lag die Quote noch bei 8,17 Prozent. Nach Angaben der Stadtverwaltung sollen zumindest einige Läden in Kürze bereits wieder belegt sein.
Bitburg. Jetzt hat es Bitburg erwischt: Nach der aktuellen Erhebung der Stadtverwaltung sind 36 von 301 Geschäften in der Innenstadt unvermietet (siehe Extra). Damit liegt die Leerstandsquote bei 11,96 Prozent - und über der besorgniserregenden Grenze von zehn Prozent: Wird die überschritten, spricht die Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier von einer alarmierenden Situation. Denn dann droht ein Teufelskreis: Je mehr Geschäfte leerstehen, desto unattraktiver wird eine Einkaufsstadt. Die Kunden bleiben aus - und weitere Leerstände drohen.
Ein Plus von 3,79 Prozent - im Vergleich zum Vorjahr hat Bitburg in Sachen Leerstand drastisch zugelegt. Auch Stadtpressesprecher Werner Krämer spricht von einer "deutlichen Erhöhung" der Leerstände, "vor allem in den Randbereichen der Kernstadt". Die Situation in der Fußgängerzone - in der Hauptstraße stehen laut Analyse sechs Läden leer - bewertet er jedoch als stabil. Die Begründung: "Einige Läden werden wahrscheinlich in Kürze wieder belegt."
Die Gründe für die gähnende Leere hinter den Schaufenstern? "Es liegt sicher nicht an einer fehlenden Attraktivität Bitburgs", sagt Lars Messerich, Geschäftsführer des gleichnamigen Modehauses. Denn über die verfüge der Standort - "auch wenn wir wissen, dass die Stadt noch attraktiver sein könnte", sagt Messerich mit Blick auf die nie gebaute Bit-Galerie.Problem: Viele Flächen zu klein
Er sieht das Problem eher in der Immobilienstruktur: "Ich denke, dass viele Flächen deswegen für die Händler schwierig sind, weil sie einfach zu klein sind." Sie würden sich schwer tun, rentabel zu arbeiten, weil für sie viele Zuschnitte erst ab 100 Quadratmetern interessant, die leer stehenden Flächen aber meist wesentlich kleiner seien. Messerich: "Da sind dann auch die Eigentümer gefordert, sich Gedanken zu machen." Darüber hinaus sei es ein Thema für die Stadt, die sich gemeinsam mit dem Gewerbeverein mit der Frage beschäftigen müsse, was man gegen den Leerstand unternehmen könne.
Eine Idee hat Stefan Bohl vom Vorstand des Gewerbevereins schon: Der Gewerbeverein wünsche sich in der Innenstadt noch mehr Kunsthandwerk - "Schneider, Goldschmied, also: individuelle Dinge, die auf kleinen Ladenflächen leben können und zugleich etwas Besonderes darstellen". Genau diese Betriebe wolle er motivieren, sich in der Fußgängerzone niederzulassen. "Das ist für die natürlich mit Risiken behaftet. Aber da könnten wir hingehen und zum Beispiel eine Testphase einrichten, in der wir den Leuten unter die Arme greifen", sagt Bohl. "Wie so ein Programm aussehen könnte: Ich habe noch keine Ahnung." Dazu müsse man dann auch mit den Eigentümern sprechen.Thema für Gewerbeverein
Der Gewerbeverein, sagt Bohl, schreibe das Thema Leerstand jedenfalls weiter auf seine Agenda. Die aktuell hohe Quote will er jedoch etwas relativiert wissen: "Die ist auch durch die vielen Neubauten bedingt", sagt er. Wie beispielsweise der Neubau am Grünen See: "Da steht noch ein Laden leer - der wird aber im Januar belegt." Die Zahl, sagt Bohl, werde sich also wieder reduzieren. Leerstand ist eben nicht gleich Leerstand.
Und ist ein Nachfolger in Sicht, muss es manchmal gar nicht so weit kommen. Geklappt hat das vor einem Jahr in der Hauptstraße: Da übergab Peter Schiwek nach 22 Jahren seine Buchhandlung an seine Mitarbeiterin Anne Bies. Sie sagt heute - auch wenn sie noch keine Vergleichszahlen hat: "Es läuft gut." Der Buchhandel habe vor allem mit dem Internet zu kämpfen - "wir haben eine Internetseite und eine App, damit die Leute auch bei uns bestellen können". Sie könne nicht beurteilen, welche Rolle der Innenstadtring spiele oder wie sehr es mit den Leerständen zusammenhänge, dass weniger Leute in die Stadt kommen - "aber wäre die Stadt noch ein bisschen belebter, wäre das für uns natürlich auch besser".Meinung
Es ist an der Zeit zu handeln
Auch Zahlen lügen manchmal: Viele noch unbelegte Läden in den Neubauten und Übergänge bei den Belegungen der Geschäfte mögen sich in der aktuellen Leerstandsquote spiegeln. Trotzdem: Selbst wenn diese Phase hinter der Stadt liegt, wird die Zahl der Leerstände wohl immer noch vergleichsweise hoch ausfallen. Und statt der Bit-Galerie wird derzeit außerhalb Bitburgs ein großes Einkaufszentrum gebaut - im gar nicht so fernen Echternach. Eine Situation, die beunruhigen - und Händler, Gewerbeverein und Stadt zum gemeinsamen Handeln anspornen sollte. e.blaedel@volksfreund.deExtra
Die Stadtverwaltung zählt seit 2003 jedes Jahr die Leerstände in der Bitburger Innenstadt und hat den untersuchten Raum dafür in drei Zonen eingeteilt: Zone I umfasst den oberen Bereich der Fußgängerzone bis zum Petersplatz. Dort stehen derzeit 15 Geschäfte leer. Zwei davon sollen jedoch demnächst neu vermietet werden. Zum Vergleich: 2013 waren es neun. 2012: drei. 2011: sechs. 2008: acht. 2006: elf. Zone II ist der untere Bereich der Fußgängerzone einschließlich Boren- und Karenweg. Zehn Läden stehen dort aktuell leer. Zum Vergleich: 2013 standen acht leer. 2012: sieben. 2011: zehn. 2008: fünf. 2006: sechs. Zone III reicht von der Trierer Straße bis zur Mötscher Straße. Aktuelle Leerstände: elf. Zum Vergleich: 2013 standen acht Geschäfte leer. 2012: fünf. 2011: vier. 2008: vier. 2006: vier. eib