Lego-Ausstellung in Speicher: Winfried Ballmann ist der Herr der Steine

Kunst aus Lego im Heimatmuseum Speicher : Der Herr der Steine

Die Faszination für Lego ist bei Groß und Klein ungebrochen. In Speicher gibt es bald eine neue Dauerausstellung mit den bunten Steinen. Woher die kommen und warum man ein halbes Leben diesem Hobby widmet, hat dem Volksfreund der Lego-begeisterte Winfried Ballmann erzählt.

Lego – eine Marke und ein Spielzeug, das jeder kennt. Seit Kindertagen begleiten die Kunststoffklötzchen viele Menschen durch das Leben. Es fängt mit den größeren Duplo-Steinen an. Später sind die kleineren Legosteinen angesagt. Die gibt es als Set mit Bauanleitung, aber auch als einzelne Steine. Aus den Teilen können Unikate gebaut werden, frei und aus dem Kopf heraus. Dabei ist das nicht nur etwas für Kinder. Viele Erwachsene sind immer noch fasziniert von Lego. Mit anspruchsvoller Vielfalt hat die Weltmarke Sets etabliert und über Werbeverträge große Namen wie Star Wars oder Harry Potter mit im Programm. Da können sich auch die Großen wieder im Kleinen verlieren.

Im Heimatmuseum Speicher ist ab Sonntag, 19. Mai, eine große Lego-Ausstellung zu sehen. Die Leihgabe kommt aus Duisburg. Winfried Ballmann wurde in Trier geboren und hat lange Jahre als Betriebswirt bei der Industrie- und Handelskammer in der Stadt im Ruhrgebiet gearbeitet. Der mittlerweile 70-Jährige genießt seine neue Freizeit durch die Pensionierung, um sein seit über 35 Jahren betriebenes Hobby intensiver zu verfolgen. „Es soll aber ein Hobby bleiben, schließlich gibt es noch viele andere Dinge im Leben“, erzählt Winfried Ballmann und lacht. Erst im Erwachsenenalter hat ihn die Faszination wirklich gepackt, als Kind waren die Steine nicht sonderliche präsent.

Meist geht er in sein Lego-Reich, wenn seine Frau ihrer ehrenamtlichen Arbeit im Altersheim nachgeht oder sich mit Freundinnen trifft. „Aber sobald oben die Tür wieder aufgeht, tauche ich wieder auf“, verrät er. Unten, also im Keller, hat er sich auf 30 Quadratmetern eine Sammlung aus Millionen Lego-Steinen aufgebaut. Mit einem zwinkernden Auge bezeichnet er sich selbst als „mehrfachen Steinemillionär“.

Um da den Überblick zu behalten, muss er penibel Ordnung halten. „Hier sieht es aus wie in einer Apotheke. In jeder der vielen Schubladen sind, ordentlich sortiert, etliche Steine unterschiedlicher Farbe und Größe verstaut. „Den Plan, wo was liegt, habe ich genau im Kopf“, sagt der Rentner. Der funktioniere noch tadellos und sei besser als jedes System, alles schriftlich festzuhalten, meint er mit einem leisen Lachen. Sein Reich im Keller reicht für die vielen Legosteine aber inzwischen gar nicht mehr aus. „Hinter dem Haus im Schuppen und in Regalen im Flur lagern auch noch Steine“, sagt Ballmann. Für seine Frau sei seine Sammelleidenschaft kein Problem, nach 35 Jahren habe sie sich daran gewöhnt.

Wie viel das alles wert ist, kann er gar nicht schätzen. „Aber wenn meine Modelle in Museen ausgestellt werden, müssen sie auch versichert werden“, sagt der Lego-Fan. In fünf Museen hat er aktuell Dauerleihgaben. Die Versicherungen liegen bei rund 120 000 Euro. Neben der Ausstellung in Speicher kann man seine Modelle im Spielzeugmuseum Trier, im Kloster Machern bei Bernkastel-Kues und im Heimatmuseum Prüm sehen. Etwas weiter entfernt stehen zudem Modelle im Nürnberger Spielzeugmuseum.

Mit viel Liebe zum Detail gestaltet Winfried Ballmann seine Modelle. Im Heimatmuseum Speicher ist ab dem 19. Mai unter anderem eine große Westernstadt zu sehen. Foto: Julia Nemesheimer

„Ein Grund dafür, warum ich die Modelle als Dauerleihgabe kostenlos zur Verfügung stelle, ist, dass ich einfach Platz für Neues brauche“, sagt Ballmann. Denn Ideen und Inspirationen für weitere Modelle hat er viele. Früher habe er die Sets nachgebaut, doch schnell reichte das nicht mehr. „Ich wollte selbst bauen und frei sein in der Gestaltung.“ Jetzt baut er Gebäude und ganze Landschaften nach, die er im Urlaub fotografiert, in alten Modelleisenbahnmagazinen oder im Internet gefunden hat.

Der Saloon ist Teil der Westernstadt im Heimatmuseum Speicher. Foto: Julia Nemesheimer

Die Zeit für den Bau eines Modells lasse sich nicht genau bemessen, aber für das in Speicher ausgestellte Fort zum Beispiel habe er rund ein Jahr gebraucht. „Mit den vielen Vorräten geht das heute schneller und einfacher als noch früher. Da musste ich noch die Steine besorgen, was oft gar nicht so einfach ist.“

Neben den Dauerausstellungen zeigt er seine Modelle auch bei Sonderschauen oder Messen von anderen Lego-Clubs. „Wir sprechen damit wirklich viele Menschen an“, sagt Ballmann. In Duisburg habe eine neunmonatige Sonderausstellung 160 000 Besucher angelockt, auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz in drei Monaten 67 000 Menschen. Die Faszination Lego scheint noch immer nicht abzunehmen. „Damit kann man Kinder gut ins Museum locken“, sagt Ballmann. Den Jüngeren muss aber auch etwas Interaktives angeboten werden. Winfried Ballmann gibt deshalb zu den Modellen noch einige Kilogramm an Legosteinen mit an die Museen, damit sie Spielecken für die Kinder einrichten können.

Auf junge Besucher hofft auch das Heimatmuseum Speicher. Besonders Museumsleiter Werner Streit freut sich darüber, dass die Ausstellung zustande kommt. In der Regel schreibt Winfried Ballmann die Museen selbst an. Mit Fotos von aktuellen Modellen fragt er dann, ob Interesse an einer Dauerleihgabe bestehe. „Viele haben aber so volle Archive, dass sie nicht noch mehr Platz haben.“ Darum freut er sich umso mehr, wenn es, wie jetzt in Speicher, doch klappt und Platz dafür freigemacht wird.

Das Heimatmuseum Speicher hat mittwochs, donnerstags, sonntags und an Feiertagen von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Informationen zur Ausstellung unter 06562 9319207

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