Lehrer sollen künftig neun Euro im Monat für einen Parkplatz zahlen

Kostenpflichtiger Inhalt: Parkplätze am Bitburger Gymnasium : Eifelkreis will Lehrer zur Kasse bitten

Lehrer sollen künftig neun Euro im Monat für einen Parkplatz am Bitburger Sankt-Willibrord-Gymnasium zahlen. Und auch an anderen Schulparkplätzen will der Kreis Geld verdienen. Dagegen regt sich Widerstand.

Wer in Bitburg sein Auto abstellen will, hat die Qual der Wahl. Parkplätze gibt es zwar genug in der Stadt. Viele Lücken sind aber nicht gratis zu haben. Komfortabel hatten es da die Lehrer des Sankt-Willibrord-Gymnasiums. Bislang konnte das Schulpersonal ihre Wagen kostenlos auf dem Außengelände unterbringen. Doch das wird sich bald ändern.

Denn pünktlich zur Eröffnung des neuen Parkplatzes will der Kreis Geld eintreiben. Auf Antrag der Verwaltung hat der Kreisausschuss beschlossen, dass ein Stellplatz am Gymnasium künftig neun Euro pro Monat kostet. Mitarbeiter des Landratsamtes kennen das schon vom Parkplatz am Dienstgebäude in der Trierer Straße.

Die beiden Flächen werden aber nicht die einzigen kostenpflichtigen bleiben. Denn die Behörde prüft derzeit, ob nicht auch an anderen Schulparkplätzen etwas zu verdienen ist.

Warum der Kreis Lehrer und Schulpersonal plötzlich zur Kasse bitten will, erklärt sich aus der Vorlage zur Sitzung. Angesichts des verschuldeten Haushalts sei es „erforderlich, alle Einnahmemöglichkeiten zu nutzen“, heißt es dort. 7500 Euro wird die Bewirtschaftung der 70 Stellplätze am Willibrord-Gymnasium nach Schätzungen jährlich einbringen – also gar nicht so furchtbar viel.

Bei der Verwaltung denkt man aber weiter: Schließlich gibt es, von Prüm bis Irrel, von Bleialf bis Neuerburg, elf weitere Schulen in Kreisträgerschaft. Und die meisten der 740 kommunalen Parkplätze sind derzeit noch kostenfrei. Allerdings stehen Sanierungsarbeiten an, die eine Bewirtschaftung rechtfertigen würden. „Die Situation an anderen Schulen wird derzeit für jeden Einzelfall geprüft“, schreibt Kreissprecher Ansgar Dondelinger auf TV-Anfrage.

Dafür gibt es nicht nur Beifall, auch nicht im Kreisausschuss. Drei Mitglieder des Gremiums haben bei der jüngsten Sitzung gegen die Bewirtschaftung des Willibrord-Gymnasiums gestimmt: Günther Scheiding und Rainer Hoffmann (beide SPD) sowie Otto Hiller von Gärtringen (AfD).

„Ich halte diese Regelung für kontraproduktiv“, erklärt Scheiding. Aus eigener Erfahrung als früherer Schulleiter am Neuerburger Gymnasium wisse er um die Probleme, Lehrer aufs Land zu locken. „In Trier können Sie mit dem Fahrrad, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder gar zu Fuß in die Schule gehen“, sagt Scheiding: „Für die Eifel brauchen Sie ein Auto und haben täglich Fahrtkosten und Fahrzeit.“ Da sei es ein „psychologisch grundfalsches Signal“, dem Kollegium auch noch Geld für Parkplätze aus der Tasche zu ziehen. „Von neun Euro im Monat wird niemand arm“, gibt Scheiding zu: Angesichts der geringen zu erwartenden Einnahmen seien die Pläne dennoch „unerklärlich“.

Dem schließt sich der Eifeler AfD-Chef Otto Hiller von Gärtringen an: „Wir müssen alles tun, um unseren Kindern eine gute Bildung zu sichern.“

Kostenfreie Parkplätze seien nur ein kleiner Baustein, um genügend Lehrer zu gewinnen, sagt der Freiherr, der früher in Bitburg unterrichtet hat: Dennoch könne es für manchen ein Argument sein, in die Eifel zu kommen.“

Andreas Merzhäuser, Schulleiter des Gymnasiums glaubt nicht, dass er zukünftig Probleme haben wird, Lehrer anzuwerben. „Nicht jeder wird begeistert sein. Das ist klar“, sagt der Rektor. Aber neun Euro schreckten niemanden ab, in Bitburg zu arbeiten. Die Argumentation des Kreises könne er überdies „nachvollziehen.“

Seit den Sommerferien können auch die Bitburger Sportvereine die Turnhalle endlich nutzen. Die Brandschutzarbeiten sind abgeschlossen, wie der Kreis mitteilt. Anders als die Lehrer müssen die Sportler aber nicht für die Parkplätze zahlen.

Parkplatz Willibrord Bitburg. Foto: TV/Christian Altmayer

Wenn sie nach Schulschluss trainieren, wird die Schranke offen sein, bestätigt Kreissprecher Dondelinger auf TV-Anfrage.

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