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Leiter der Touristinformation Prüm geht in Rente: Georg Sternitzke

Tourismus : Mister Grenzlandschau ist dann mal weg

Georg Sternitzke geht nach 33 Jahren als Leiter der Tourist-Information Prümer Land in den Ruhestand. Den Naturtourismus in der Eifel sieht er im Aufwind.

Zum Mister Grenzlandschau müsste man ihn eigentlich ernennen  – denn ohne Georg Sternitzke kann man sich diese Messe – im Herzen Europas, wie viele Festredner immer wieder gerne betonen – gar nicht vorstellen.

Schon weit im Voraus beginnen die Planungen. Die Fäden hielt immer der schmale Mann mit der hohen Stirn und dem stets freundlichen Lächeln fest in der Hand. 33 Jahre lang war Georg Sternitzke Leiter der Tourist-Information Prümer Land. Am 1. Juni wird er in den Ruhestand gehen.

Der zweifache Familienvater stammt aus dem Ort mit dem schönen Namen Heiligenmoschel, einer Gemeinde im Landkreis Kaiserslautern. Obwohl Geografie, Geschichte und Sprachen seine Steckenpferde sind, machte er zunächst eine Ausbildung als Industriekaufmann bei den Eisenwerken Kaiserslautern. „Doch das war mir zu langweilig“, sagt er.

Also studierte er nach Abschluss seiner Lehre an der Fachhochschule Worms Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Tourismus. „Das war eine sehr schöne Zeit“, erinnert er sich. Zu einem Professor hält er Kontakt bis heute. „Der kommt sogar regelmäßig zur Ausstellung der EVBK“, sagt Sternitzke. Die EVBK: Die Abkürzung steht für Europäische Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen. Wen wundert’s, auch darin war der quirlige TI-Leiter involviert.

Doch bevor er nach Prüm kam, machte er seine ersten beruflichen Erfahrungen als Verkehrsamtsleiter in Gemünden am Main. „Das war eine Riesenherausforderung. Ich war nicht nur Verkehrsamtsleiter, sondern auch Leiter der Volkshochschule und eines TUI-Reisebüros“, sagt er. „Wir hatten da Massentourismus. Die großen Flusskreuzfahrtschiffe hielten dort an, Kegelgruppen mit bis zu 60 Mitgliedern wollten Programmvorschläge, und außerdem musste ich die Kirmes organisieren mit einem Festzelt, in dem 4000 Leute Platz fanden.“

Das sei eine „aufregende, wilde Zeit“ gewesen. Für einen, der frisch von der Fachhochschule kam, geradezu ein Abenteuer. Doch auf Dauer bleiben wollte er nicht. Auf der Suche nach einer neuen Stelle bekam er unter anderem eine Zusage aus Prüm. Die Eifeler suchten bereits seit einem Jahr einen neuen Chef für ihre Tourist-Information.

Schon sein Vorgänger, Hans Jakobi, hat die Grenzlandschau organisiert. „Touristisch waren in Prüm die Strukturen besser geregelt als in Gemünden“, sagt Sternitzke. Mit den anderen Touristikern aus der Südeifel, Bitburg und Arzfeld habe er immer gut zusammengearbeitet.

Nicht nur das Betreuen der Touristen und Vermieter von Gästeunterkünften gehörte zu seinen Aufgaben, auch die Prümer Kirmes, der Martinszug, die GLS und die Ausstellung der EVBK musste Sternitzke anfangs organisieren. Und das im Zeitalter der elektrischen Schreibmaschine. „Die Einladungen haben wir damals alle einzeln getippt – einen Kopierer hatten wir nicht. Ein Faxgerät war eine Sensation“, erinnert er sich. Mühsam sei das gewesen. Aber: „Diese Zeit war persönlicher, viel menschlicher und wärmer im Vergleich zu heute“, sagt er. Ohne Internet, ohne Computer war alles einfacher zu handhaben. Man habe viel telefoniert und sich getroffen. „Wir hatten damals Telefonkosten von 10 000 Mark. Und was da an Briefen rausging … heute unvorstellbar.“

Auf eine Anzeige in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, bei der man einen Coupon einschicken konnte, gab es anschließend bis zu 2000 Anfragen für Info-Material über Prüm und die Eifel. Das sei sehr arbeitsintensiv gewesen, das alles zu verschicken, sagt Sternitzke. Zimmer wurden damals telefonisch angefragt. Heute gibt es Buchungsportale.

Im Jahr 2000 wurde die Eifel-Tourismus GmbH gegründet. Die Kreisverwaltungen gaben Kompetenzen ab. Die Eifel wurde professioneller vermarktet, man betrieb Marktforschung und gründete Dachmarken. Premium-Wanderwege und Radwege wurden zertifiziert und angelegt. „Früher war das Wandern in der Eifel die absolute Nummer eins, heute ist der  Radfahrtourismus fast ebenbürtig“, sagt der Touristiker.

Veranstaltungstechnisch sei Prüm schon immer gut aufgestellt gewesen. Mit Aloysius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm, sei neuer Schwung in die Sache gekommen. „Er wollte noch was Neues haben für Touristen und Einheimische.“ So unterstützte er auch die Idee vom Prümer Sommer, der 1992 aus der Taufe gehoben wurde. Mit kleinem Etat ging es los. Anfangs sei es schwierig gewesen, Wirte zu finden, die da mitmachen wollten. „Wir hätten nie gedacht, dass das mal so ein Erfolg wird“, sagt Sternitzke.

Wurde der Donnerstag-Treff mit Live-Musik anfangs noch von einem bunt zusammengewürfelten Team organisiert, übernahm später Manfred Schuler bei der Verbandsgemeinde die Federführung. In den Folgejahren wurde das Freizeitangebot um die Radfahrsonntage im Prüm- und im Nimstal erweitert. Auch die Mozartwochen etablierten sich im Prümer Land und der Eifel. Dafür übernahm die Stadt wieder die Organisation der Kirmes und des Martinszugs.

Immer mittendrin: Georg Sternitzke. Aber der war natürlich kein Einzelkämpfer: „Ohne ein großes Team kann man das nicht schaffen. Meine zwei Mitarbeiterinnen Elke Dahm und Andrea Hohn waren das Fundament. Dazu kamen viele Mitarbeiter der VG und die damalige Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy.“  Die habe ihn ganz besonders unterstützt. Die gemeinsamen Projekte im Team zusammen zu stemmen, das habe ihm am meisten Spaß gemacht. „Prüm hat sich einen guten Namen gemacht, wir hatten viel Erfolg mit unserer Arbeit.“

Früher sei es auch einfacher gewesen, zu organisieren. Ein Anruf habe gereicht. Ein „Ja, ich mache das“, habe genügt. Das gegenseitige Vertrauen und die Ehrlichkeit seien stark gewesen. „Heute musst du jede Kleinigkeit absichern. Angebote einholen. Rechtlich total aufpassen.“

Touristisch gesehen, haben die Pfunde, mit denen die Eifel früher gewuchert hat, auch heute noch Bedeutung. Gäste, die zum Teil 30 Jahre lang kommen, habe er nach Gründen für ihre Treue gefragt. Darauf kam oft die Antwort: „Weil kein anderes Mittelgebirge so viel zu bieten hat. Berge, Flüsse, Seen, Vulkane, Dolomit-Felsen, Teufelsschlucht – diese Vielfalt an Landschaften gibt es nur in der Eifel.“

Auch die Infrastruktur habe sich verbessert. Die Ortsbilder der Dörfer sind schöner geworden, sagt Sternitzke. Dafür gibt es ein Kneipen- und Gaststättensterben. „Das macht mich ein bisschen traurig.“ Früher habe man in jeder Kneipe noch Schnittchen oder ein Schnitzel bekommen – heute gibt es Gastronomie nur noch in den größeren Orten. Und die Hotels hätten Probleme, Schritt zu halten, die hohen Auflagen an Brandschutz zu erfüllen und einen Nachfolger zu finden.

Erfreulich sei aber die Entwicklung bei den Ferienwohnungen. Im Prümer Land gibt es zehn Fünfsterne-Unterkünfte. „Wir haben auch Ferienwohnungen, die eigentlich sieben Sterne verdient hätten“, schwärmt Sternitzke. Da gebe es den Traum der Träume für Gäste, die sich was gönnen wollen – und das funktioniere auch. „Hohe Qualität wird sehr gut nachgefragt.“ Aber auch die Familie, die was Günstiges suche, wird in der Eifel fündig.

Er selbst will sich im Ruhestand noch mehr mit spirituellen Dingen beschäftigen. Seit zehn Jahren interessiere er sich für energetisches Heilen und Bewusstseinsschulungen und plant, in Richtung Bewusstseins-Coach tätig zu werden.

Aber auch Reisen steht auf dem Programm. Zunächst will der 63-Jährige mit dem E-Bike die Eifel erkunden. Zudem ist er ein großer Fan der Ost- und Nordsee und möchte sich auch andere Mittelgebirge ansehen. „Ich liebe Deutschlandreisen“, sagt er.

Geht nach 33 Jahren als Leiter der Touristinformation Prüm in den Ruhestand: Georg Sternitzke Foto: TV/Stefanie Glandien

Für die Eifel sieht er eine rosige Zukunft. „Ich denke, dass der Naturtourismus stärker kommen wird.“