Leitfaden zur Baukultur: Für weniger Toskana und mehr Eifel

Kreistag bekennt sich zu traditioneller Architektur : Leitfaden zur Baukultur: Für weniger Toskana und mehr Eifel

Der Kreistag hat die Leitlinien zur Baukultur ins Entwicklungsprogramm aufgenommen: ein Bekenntnis für traditionelle Architektur und wider das Bauchaos.

Das Chaos beginnt gegenüber dem Rewe-Markt. Kein Haus im Bitburger Neubaugebiet „Schleifmühle“ gleicht dem anderen. Die Dächer: mal flach, mal spitz, mal geschwungen. Die Fassaden: Mal weiß, mal terracotta, mal apricot. Ein Klotz steht neben einem Haus, das aussieht als habe man es bei einem Zaubertrick in der Mitte durchgesägt. Eine Toskanavilla reiht sich an ein Blechgebilde mit Guckloch.

Man mag diesen Wildwuchs der Baustile abwechslungsreich finden, oder abscheulich. Eifeltypisch ist das zusammengewürfelte Viertel jedenfalls nicht. Neubaugebiete, so divers sie erscheinen mögen, sind eben überall gleich. Sie zeugen wohl von der Individualität der Bauherren, aber nicht von der Individualität der Region.

Dabei hat die Eifel Stil. Oder wie es Landrat Joachim Streit ausdrückt: „Die Baukultur der Dörfer ist unser Reichtum. Alte Ortskerne sind Teil des Wertes der Region.“ Allerdings, fügt der Kreischef hinzu, seien diese „Werte in Gefahr“. Denn das lange Zeit landschaftsprägende Trierer Quereinhaus sucht man in modernen Neubaugebieten vergebens.

Auch, um diesem Trend entgegenzuwirken, hat der Eifelkreis 2011 zusammen mit der Architektenkammer Rheinland-Pfalz die Initiative Baukultur ins Leben gerufen. Seitdem wurden Architektenwettbewerbe ausgeschrieben, Ausstellungen organisiert und Hunderte Bauherren beraten. Was der Kommune bislang fehlte, war ein Regelwerk zur Baukultur. Das hat nun eine Arbeitsgruppe in Angriff genommen. 14 Seiten ist der neue Leitfaden stark, der zur Vermeidung mutmaßlicher Bausünden beitragen soll. 

Rechtlich bindend sind die enthaltenen Vorschläge aber nicht. Wer sich eine Toskanavilla bauen will, kann dies weiterhin tun. Verbote enthält das Dokument nämlich keine. Es soll lediglich eine Richtlinie für Architekten, Handwerker, Gemeinden und Bürger sein.

Beim Kreistag kam das gut an. Einstimmig hat das Gremium beschlossen, das Regelwerk ins Kreisentwicklungsprogramm aufzunehmen. Für Rainer Hoffmann (SPD) haben die Fraktionen damit „ein politisches Signal“ gesendet: „Wir stehen zur Baukultur.“

Andreas Kruppert von der CDU sieht in dem Text „eine Hilfestellung, die niemanden bevormundet“. Dirk Kleis (FWG) schließt sich an: „Wichtig ist nun, dass wir die Ortsgemeinden vor der Planung des nächsten Neubaugebietes erreichen.“

Einzig Roswitha Biwer (die Grünen) kommt der Klimaschutz im Text zu kurz, den ausgerechnet Parteikollege Helmut Fink maßgeblich mitgestaltet hat. So sollten Bauherren nach ihrer Meinung angeregt werden, sich Solarzellen aufs Dach zu packen und ihr Haus zu dämmen. Die Kommunalpolitikerin hat daher angeregt, die Themen „Energieffizienz“ und „Erneuerbare Energien“ in den Vorschlagskatalog aufzunehmen. 

Weitere Informationen zur Baukultur unter:  www.eifel-baukultur.de.

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