Lerne die Sprache des Nachbarn

Der Kindergarten Speicher bietet - wie zahlreiche andere Kindertagesstätten im Kreis auch - Französisch-Unterricht an. Vor vier Jahren hat sich die Einrichtung dem Gedanken der Völkerverständigung angeschlossen und bringt den Kindern französische Sprache, Kultur und Lebensweise nahe. Unsere Reporterin hat sich den Unterricht angesehen.

Bei Gabrielle Koeune lernen die Kindergartenkinder aus Speicher spielerisch französische Sprache, Kultur und Lebensweise. TV-Foto: Kathrin Hofmeister

Speicher. "Salut Gabrielle - salut Filou!" In der Gummibärenbande weiß jedes Kind, dass "Salut" die französische Begrüßung unter Freunden ist. Gabrielle Koeune, die neue Französischlehrkraft im Kindergarten Speicher hat es ihnen beigebracht. Aber wer ist Filou? Das Stofftier macht die Runde im Stuhlkreis.

Der kleine Hendrik hatte die Idee, das französisch sprechende Nilpferd salutierend herum zu reichen. Die gebürtige Luxemburgerin Koeune geht sofort auf den Vorschlag ein: "Ich schaue immer, was den Kindern gefällt." Der Spaß an der fremden Kultur ist den Drei- bis Sechsjährigen ins Gesicht geschrieben. Obst und Gemüse, das zum täglichen Speiseplan gehört, wird ganz selbstverständlich mit französischen Vokabeln benannt.

Der Kindergarten in Speicher ist einer von 49 Kindertagesstätten, die an dem Französisch-Fremdsprachenprogramm im Eifelkreis Bitburg-Prüm teilnehmen. Es soll den Kindern spielerisch die Sprache des Nachbarn näher bringen. So spielt sich Memory in der fremden Sprache doppelt spannend. "Lerne die Sprache des Nachbarn" ist kein Fremdsprachenkurs im schulischen Sinne. "Vielmehr sollen die Kinder auf spielerische Art an die Sprache und die andere Kultur herangeführt werden."

Sprache lernt sich besser mit allen Sinnen



1986 initiierte die rheinland-pfälzische Landesregierung das Projekt. Grund ist die besondere regionale Nähe zu Frankreich und Luxemburg. Doch genau hier liegt auch ein Problem. "Durch die Nähe zu Luxemburg ist es schwierig, geeignetes Lehrpersonal zu halten", weiß Gertrud Wagener, Leiterin des Kindergartens Speicher zu berichten. Ein Jahr lang hatte die vorangegangene Französischlehrkraft sechs Gruppen in Speicher und zwei in Herforst die kulturelle Botschaft vermittelt. Dann lockte sie ein lukrativeres Angebot nach Luxemburg.

Bis eine neue Lehrerin gefunden war, versuchten die Gruppenleiterinnen, erlernte Lieder, Tänze und Spiele im Gedächtnis wach zu halten. Aus der Forschung weiß man, dass Kinder nie wieder so mühelos eine Fremdsprache erlernen wie im Alter zwischen drei und sechs Jahren. Allerdings sollte die Sprachförderung alle Sinne erfassen.

"Kinder haben ein muskuläres Gedächtnis", erklärt Koeune. Daher geht ihr Begrüßungstanz von "petits enfants" und "grands enfants" mit Bewegungen der Kinder einher, die sich "klein" und "groß" machen. Die fremde Sprache wird ganz selbstverständlich in den Tagesablauf des Kindergartens eingebunden. Sind beispielsweise die "Wochentage" Thema gewesen, bringen die Kinder schon mal stolz ein selbst gemaltes Blatt mit den "Jours de la semaine" nach Hause. So wird der Grundgedanke des Weltbürgers bis ins Elternhaus getragen. Ziel des Fremdsprachenprogramms ist es schließlich, offen und tolerant für andere Kulturen zu sein.