Lernen von Land und Leuten

Lernen von Land und Leuten

"Urlaub auf dem Bauernhof" ist beliebter denn je. In der Eifel gibt es die Initiative seit 40 Jahren. Auf den Höfen der 32 Mitgliedsbetriebe des Vereins können die Gäste von der beliebten Mitarbeit im Stall bis zum Nelches Birnenbrand viel über Land und Leute lernen.

Sinspelt. "Schaut mal, die Kühe müssen ganz neu sein", ruft ein Kind auf dem Heyenhof in Sinspelt, "die haben noch das Preisschild dran." Gemeint sind die Ohrmarken. Kennzeichnend für die Initiative "Urlaub auf dem Bauernhof" ist das aktive Erleben bäuerlichen Alltags.

Vor 40 Jahren wurde der Verein gegründet. Damit ist er der zweitälteste Verein dieser Art in Deutschland. Den Urlaubern "präsentiert er die Eifel so wie sie ist", formulierte es Frank Schaal von der Touristen-Information in Bitburg anlässlich der Jubiläumsfeier auf dem Ferienhof der Gründungsvorsitzenden Eleonore Hoffmann in Kruchten.

"Die Idee dazu hatte der vorausschauende Dr. Goeden von der Landwirtschaftsschule Neuerburg", erzählt die jetzige Vorsitzende Johanna Heyen. "Räumt die schönsten Zimmer", lautete sein Plädoyer, "ein Bett bringt ebenso viel wie eine Kuh im Stall." Ursprünglich als Zubrot zur Landwirtschaft gedacht, hat es sich auf vielen Höfen zum Haupterwerb entwickelt. Aus einfachen Übernachtungszimmern, die 1969 für sieben D-Mark mit Frühstück angeboten wurden, sind Unterkünfte mit gehobenem Komfort geworden, für die der Gast zwischen 30 und 60 Euro pro Tag zahlt.

Um dem gestiegenen Anspruch gerecht zu werden, unternehmen die Mitglieder des Vereins immer wieder Lehrfahrten und besuchen Seminare. "Man muss über den Tellerrand schauen", meint Heyen. Kontakte in die italienische Region Emiglia Romana brachten den Vorstand nicht zuletzt bei den Spezialitäten aus der Region auf den Geschmack. Eifeler Schinken, Nelches Birnenbrand und andere Produkte der Regionalmarke Eifel sowie hofeigene Produkte gehören heute zum Standardprogramm.

Im Elsass habe man sich den Sinn für das Ursprüngliche abgeschaut. Mit historischer Bausubstanz können Eifeler Höfe vom alten Backhaus bis zum barocken Gebäude im Maria-Theresia-Stil aufwarten.

Besonders am Herzen liegt den Initiatoren des "Urlaubs auf dem Bauernhof" der Erhalt der Kulturlandschaft mit Heckenstruktur, Felderwirtschaft, Streuobstwiesen und Waldsaum. "Ohne Landwirtschaft geht es nicht", meint die Vorsitzende, "wenn die Region ihren ursprünglichen Charakter erhalten will." Und der ist das Kapital der Tourismusbranche. Zwischen 20 und 53 Bauernhöfe haben seit 1969 dazu beigetragen, Urlauber in die Eifel zu locken und die Wirtschaftskraft der Region zu stärken. Derzeit sorgen 32 Mitgliedsbetriebe dafür, dass ihre Gäste das Landleben kennen- und lieben lernen.

Wenn Kinder ihren Schulfreunden in der Stadt begeistert berichten, dass hier manche Hühnerarten grüne Eier legen, klingt das sensationell. Das eigentlich Außergewöhnliche am "Urlaub auf dem Bauernhof" aber ist das Geschick, das Ursprüngliche mit dem Modernen zu verbinden.

Zum Jubiläum wurde die Internetseite des Vereins "Urlaub auf dem Bauernhof" neu gestaltet. Sie ist unter www.eifelhoefe.de abrufbar.