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Letzte Chance: Eine Therapie

Letzte Chance: Eine Therapie

Weil er über sein Handy Bilder verschickt hat, auf denen der sexuelle Missbrauch von teils unter zehnjährigen Kindern zu sehen war, ist ein 37-Jähriger aus der Eifel gestern von dem Amtsgericht Bitburg zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt worden. Das Urteil ist rechtskräftig.

"Sophie13J" ist Geschichte. "Sophie13J" hat sich lange Zeit in Chatrooms im Internet mit Gleichgesinnten ausgetauscht. Allerdings ist es wohl nicht beim Austausch von Gedanken geblieben, sondern es wurden auch Bilder verschickt. Bilder, deren Inhalt strafbar ist, denn auf ihnen ist der sexuelle Missbrauch von teilweise unter zehnjährigen Kindern entweder tatsächlich zu sehen oder aber er wird realitätsnah nachgestellt.

Doch hinter dem Namen "Sophie13J" steckt nicht etwa ein 13 Jahre altes Mädchen, sondern ein 37-jähriger Mann aus dem Eifelkreis, der sich am Mittwoch wegen der Verbreitung kinderpornografischer Schriften vor dem Bitburger Amtsgericht zu verantworten hat. Gleich zu Beginn räumt der Angeklagte die Vorwürfe ein, gibt zu, dass er im August 2008 drei Bildnachrichten mit insgesamt 15 kinderpornografischen Abbildungen über sein Handy verschickt hat. Die Bilder hat er sich als "Sophie13J" aus dem Internet besorgt. "Immer, wenn ich Probleme mit meinem alkoholkranken Vater hatte, habe ich mich aus Frust in solche Chaträume begeben", berichtet er und schildert mit gesenktem Kopf ein Leben, das einsamer kaum sein kann. Es ist das Leben eines Mannes, der noch bei den Eltern im Haus wohnt und außer durch die Arbeit bei einer Zeitarbeitsfirma keinerlei gesellschaftliche Kontakte hat. Dessen letzte Beziehung zu einer Frau bereits zehn Jahre her ist. Und es ist wohl auch ein Leben, das von pädophilen Neigungen geprägt ist: Mehrfach steht der Mann deswegen vor Gericht, zuletzt wird er im Oktober 2008 vom Amtsgericht Prüm zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf Bewährung verurteilt. Auch da lautet die Anklage Besitz und Verbreitung kinderpornografischer Schriften, allerdings waren dem Gericht damals die bereits zwei Monate vorher stattgefundenen und nun in Bitburg angeklagten Taten noch gar nicht bekannt.

Psychiater soll Angeklagtem helfen



Erst danach macht es bei dem gelernten Metallbauer offenbar "klick": Er sucht sich einen Psychiater. Zudem hat er mittlerweile seinen Computer weggegeben und seinen Telefonanschluss abgemeldet, um nicht mehr als "Sophie13J" online auf die Suche gehen zu können.

Vor allem die begonnene Therapie gibt wohl den Ausschlag dafür, dass Richter Udo May gestern im Einklang mit der Anklage und dem Verteidiger von einer Gefängnisstrafe absieht: Zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf fünf Jahre zur Bewährung, verurteilt er den Mann.