Letzte Finanzspritze vor dem Fest - Rund drei Millionen Euro Förderung für Kläranlagen in Prüm und Südeifel

Letzte Finanzspritze vor dem Fest - Rund drei Millionen Euro Förderung für Kläranlagen in Prüm und Südeifel

Bis 2016 soll eine flächendeckende Abwasserentsorgung in Rheinland-Pfalz stehen. Umweltministerin Ulrike Höfken hat nun die letzten Förderbescheide in die Verbandsgemeinden Prüm und Südeifel gebracht.

Prüm/Neuerburg. Es ist so bequem: Hahn auf, Geschirr spülen und das schmutzige Wasser verschwindet im Abfluss. Und dann? In geschlossenen Ortschaften fließt es ins öffentliche Abwassersystem und dann in eine kommunale Kläranlage - komfortabel, sauber, einfach. Bei entlegeneren Höfen, Weilern oder Ferienhäusern wird die Sache kompliziert. Ein Kanalanschluss lohnt sich oft nicht, eine andere Lösung muss her. Das Land Rheinland-Pfalz hat vor zwei Jahren eine neue Förderrichtlinie auf den Weg gebracht, die den Bau von privaten Kleinkläranlagen unterstützt (siehe Extra; der TV berichtete). Die Richtlinie sollte garantieren, dass bis 2016 eine flächendeckende Abwasserentsorgung aufgebaut ist. Hat das geklappt? Zumindest fast.

"99,4 Prozent aller Haushalte in unserem Land sind angeschlossen oder werden es bald sein. Es wird an einigen Stellen noch gebaut", sagte Umweltministerin Ulrike Höfken gestern bei einem Besuch im Rathaus der Verbandsgemeinde (VG) Prüm. Sie überreichte VG-Bürgermeister Aloysius Söhngen den letzten Förderbescheid für den Bau von Kleinkläranlagen, um anschließend gleich ins Rathaus der VG Südeifel nach Neuerburg weiterzureisen. Söhngens Amtskollege Moritz Petry nahm dort ebenfalls einen Bescheid entgegen. Der VG Prüm wurden etwa 1,2 Millionen Euro für 150 Anschlüsse zugesprochen, der VG Südeifel knapp 2 Millionen Euro für 160 Haushalte. "Die Hälfte der Beträge als Zuwendung, die andere als zinsloses Darlehen", erklärte Söhngen.
"Es war für alle Gemeinden eine gewaltige Aufgabe, die da zu lösen war. In der Eifel war sie aber besonders schwer, weil sie eben doch sehr dünn besiedelt ist", sagte Söhngen. Für jedes einzelne Grundstück habe das Büro Plan-Lenz 2012 ein Gutachten erstellt, die Möglichkeit geprüft, eine Anlage privat bauen zu lassen oder öffentlich, und dann sei es an die Umsetzung gegangen.

"Dabei zeigte sich, dass die Detailplanungen doch anders aussehen würden, als zunächst geplant." An etlichen Standorten sei eine Kleinkläranlage einfach nicht sinnvoll gewesen. "Ferienhäuser sind zum Beispiel zu wenig genutzt, als dass eine Anlage sinnvoll funktionieren würde." So beschloss man, doch weitere Sammelgruben zu bauen - aus geplanten drei Gruben wurden etwa 50. "Die müssen zwar geleert werden, da aber an manchen Stellen so wenig Schmutzwasser anfällt, nur einmal im Jahr. Das ist dann doch billiger als eine Anlage", sagt Söhngen.

Erfreulicher Nebeneffekt: Die Gesamtkosten sanken von zunächst geschätzten 3,3 Millionen Euro auf etwa 2,5 Millionen Euro.
"Diese pragmatische Lösung ist sinnvoll", sagte Ulrike Höfken. Sollte sich an der Nutzung eines Anwesens noch etwas ändern, müsse man halt nachbessern. Insgesamt wurde für 150 Anwesen eine Abwasserentsorgung in der VG Prüm aufgebaut. Zwölfmal wurden private Kleinkläranlagen gebaut, 60 Anwesen wurden an 34 öffentliche Anlagen angeschlossen.

Ulrike Höfken schätzt die Vorgehensweise, jeden Anschluss individuell zu betrachten. "Man kann kein Rezept finden, das überall funktioniert", sagt sie. Gruben seien für Häuser, die kaum genutzt würden, sinnvoll. Private Anlagen seien, wie in der Südeifel eine gute Lösung, wo man Angst davor hatte, dass die Kosten für eine öffentliche Abwasserbeseitigung in die Höhe schießen könnten.Extra

Im Jahr 2013 wurde eine Förderrichtlinie, die den Bau und Betrieb von Klein-Kläranlagen im rheinland-pfälzischen ländlichen Raum voranbringen soll, auf den Weg gebracht. Die Richtlinie sieht vor, dass bis zum Beginn des neuen Jahres die Abwasserentsorgung nicht nur innerhalb der Ortschaften gesichert sein soll, sondern auch die "Außenbereichserschließung" garantiert sein muss. Damit soll auch die Aufbereitung oder je nach Fall die Abfuhr von Abwassern in entlegenen Wohnsiedlungen, auf Höfen oder in Ferienwohnanlagen gesichert sein. Bis zum 31. Dezember 2015 sollen alle Haushalte in Rheinland-Pfalz an Kläranlagen angeschlossen werden. aff

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