Letzter Hof in der Stadt verschwindet

Letzter Hof in der Stadt verschwindet

Läuft alles wie geplant, dann kann im Frühjahr an der Ecke Neuerburger Straße und Rautenberg mit dem Bau der Edeka-Filiale begonnen werden. Der Pächter des dortigen landwirtschaftlichen Betriebs will auf jeden Fall spätestens im November das Areal verlassen. Und mit ihm verschwindet auch der kleine Hofladen.

Bitburg. Ein komisches Gefühl sei es schon, sagt Christoph Lausberg. Doch habe er genug Zeit gehabt, sich darauf vorzubereiten. Seit 1965 sind die Lausbergs Pächter des landwirtschaftlichen Betriebs am Rautenberg. Vor 23 Jahren haben sie zusätzlich noch einen kleinen Hofladen eingerichtet, in dem die selbst erzeugten landwirtschaftlichen Produkte verkauft werden.
Doch das ist bald vorbei. Denn Familie Lausberg macht Platz für die 2500 Quadratmeter große Edeka-Filiale und den 400 Quadratmeter großen dm-Drogeriemarkt, die im kommenden Jahr an der Ecke Rautenberg/Neuerburger Straße errichtet werden sollen.
"Wir stehen bei den Mietverträgen mit Edeka und dm kurz vor den Abschlüssen", sagt Freifrau Annette Hiller von Gaer tringen, die mit ihrer Familie Eigentümer des Areals ist. Zudem gebe es drei Interessenten für das Neubaugebiet, mit denen derzeit verhandelt werde. Dieses Neubaugebiet, das auf einer Fläche von rund zweieinhalb Hektar die Erschließung von 40 Grundstücken vorsieht, ist Bestandteil eines noch zu unterzeichnenden städtebaulichen Vertrags. Darin verpflichtet sich die Familie Hiller von Gaertringen, dieser Forderung nach Bauland innerhalb von sieben Jahren nachzukommen.
"Sollte wir das nicht schaffen, dann hätte die Stadt die Möglichkeit, dieses Land zu kaufen", sagt Annette Hiller von Gaertringen. Gestellt wurde diese Bedingung seitens der Stadt bereits vor mehr als fünf Jahren, also zu der Zeit, als noch die ehrgeizigen Pläne zur Errichtung eines großen Fachmarkts, des sogenannten Rautenberg-Zentrums, im Gespräch waren.
Auch damals gab es einen städtebaulichen Vertrag, allerdings nicht mit der Eigentümerfamilie, sondern mit dem damals zuständigen Projektentwickler Jürgen Kramp, dessen Insolvenz 2008 aber wieder zur Auflösung des Vertrags führte.
Kramps Pläne sind längst Vergangenheit, das Rautenberg-Zentrum Geschichte, doch die Forderung der Stadt steht nach wie vor.
"Von unserer Seite aus wurden alle notwendigen Beschlüsse soweit gefasst", sagt Heinz Reckinger, Leiter des städtischen Bauamts.
Was jetzt noch fehle, sei das Ergebnis der raumordnerischen Prüfung, mit dem aber jederzeit zu rechnen sei. Voraussichtlich kann nach Auskunft der Eigentümer im Frühjahr mit dem Bau der Geschäfte begonnen werden. Geschätzte Bauzeit: ein Jahr. Und noch in diesem Jahr sollen die restlichen landwirtschaftlichen Gebäude abgerissen werden. Ein Teil der Hofanlage wurde bereits beseitigt.
Seitdem hat man von der Rautenbergstraße einen freien Blick auf das, was von dem landwirtschaftlichen Hof noch steht. Und dazu zählt auch der Hofladen, der nun schließen wird.
Dessen Betreiber ist derzeit dabei, in Niederstedem ein neues Geschäft einzurichten. Dort nämlich hat Familie Lausberg ihren eigentlichen landwirtschaftlichen Betrieb.
Aus diesem Grund fällt der Abschied aus Bitburg nicht ganz so schwer. Und trotzdem: "Wir sind in der Stadt der letzte landwirtschaftliche Betrieb", sagt Lausberg.

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