Linden und Steine zur Erinnerung
Berenbach/Bodenbach · Mit dem Völkerschlachtmahnmal erinnert Leipzig an die große Schlacht, die das Ende der Herrschaft Napoleons über Europa einleitete. In der Eifel erinnern Linden und Gedenksteine an die schwierigen Zeiten und ihre Opfer.
Berenbach/Bodenbach. Fast genau vor 200 Jahren fand die größte und wichtigste Schlacht der Befreiungskriege statt. Vom 16. bis zum 19. Oktober 1813 kämpften 300 000 Soldaten der vereinigten Länder Österreich, Preußen, Russland und Schweden gegen 200 000 Franzosen unter Napoleon. Es war das angeblich größte Heer, das bis dahin in einen Krieg geschickt wurde. Dieser Kampf fand bei Leipzig statt und ging in die Geschichte ein unter dem Namen Völkerschlacht. Schlacht im wahrsten Sinne des Wortes, denn diese wenigen Tage hatten das Leben von rund 120 000 Menschen gefordert. Napoleons Feldzug nach Russland endete in einer Katastrophe. Von seiner "Großen Armee" sah nur etwa jeder zwanzigste Soldat (etwa fünf Prozent!) seine Heimat wieder. Hunderte Eifeler Jungen, die als Soldaten durch Napoleon zwangsweise eingezogen wurden, kehrten von dessen Feldzügen nicht mehr zurück. Bis heute ist das Schicksal vieler Gefallener ungeklärt, andere sind in amtlichen Sterbebüchern wiederzufinden. Etwa diese Männer, die alle 1813 sterben mussten: Peter Josef Müller (17) aus Daun, Philipp Schenk (22) aus Steineberg, Jakob Thönnes (47) aus Neunkirchen, Jakob Dionisius Thönnes (19) aus Hörscheid.
Dorf geschichte(n)
Napoleon konnte mit einem kleinen Teil seiner Truppen über den Rhein entkommen, aber seine Herrschaft über Deutschland war besiegelt. Die linksrheinischen Gebiete und damit auch die Eifel wurden 1814 befreit. Die Alliierten zogen in Paris ein. Napoleon musste abdanken und wurde bald darauf auf die Atlantikinsel St. Helena verbannt, wo er 1821 als Gefangener starb.
Im sogenannten Wiener Kongress wurde Europa neu geordnet. Die Rheinprovinz - und damit auch die Eifel - wurde Preußen zugeteilt. In Leipzig erinnert dort, wo 1813 der entscheidende Kampf stattfand, bis heute das Völkerschlachtdenkmal an die Geschehnisse, das genau einhundert Jahre später, 1913, eingeweiht wurde. Aber auch in der Eifel finden sich bis heute etliche Monumente, die an dieses Ereignis erinnern. 1813 - vor allem aber anlässlich des 100. Gedenktages 1913 - wurden nahezu in allen Städten und Orten der Eifel Gedenksteine aufgestellt oder Bäume gepflanzt.
Unter dem Namen "Befreiungsbäume" oder "Kaiserlinde, -buche" sind etliche noch bekannt und schmücken heute, unter Naturschutz stehend, das Dorfbild. In alten Schulchroniken sind die Gedenkfeiern von 1913 oft anschaulich geschildert, wie sämtliche Schulkinder mit dem jeweiligen Pastor und den örtlichen Honoratioren sich an ausgesuchter Stelle einfanden, wie Reden gehalten, patriotische Lieder von König, Kaiser und Vaterland gesungen und Gedichte aufgesagt wurden und als Höhepunkt dann ein Bäumchen, mit bunten Bändchen geschmückt, gepflanzt wurde. Sehr zur Freude der Jugend wurden vielerorts noch süße Kaiserwecken ausgeteilt, während die gestandenen Männer auf Gemeindekosten sich mehrere Biere leisteten, stets laut auf das Wohl des Kaisers anstoßend und das Lied von Blücher (Ernst Moritz Arndt) singend: Drum blaset, ihr Trompeten! Husaren, heraus! Du reite, Herr Feldmarschall, wie Winde im Saus! Dem Siege entgegen zum Rhein, über\'n Rhein! Du tapferer Degen, in Frankreich hinein!