Dorfentwicklung: Live-Test hinterm Zapfhahn

Dorfentwicklung : Live-Test hinterm Zapfhahn

Was macht ein Dorf, wenn es keine Kneipe mehr hat? Die Antwort aus Bickendorf ist klar: etwas Eigenes auf die Beine stellen.

(utz) Eine Kneipe, ein Gasthaus, eine Kneipe, eine Gaststätte: Auf den Zetteln, die die Bickendorfer zum Auftakt des Zukunfts-Checks Dorf an die Wand pinnen durften, stand meist das Gleiche. Und es war klar: Der innigste Wunsch der Bickendorfer ist es, wieder eine Kneipe zu haben.

Kein Wunder: Vor etwa zehn Jahren schloss das letzte Gasthaus im Ort wegen eines Todesfalls; einen Nachfolger gab es nicht.

Die Räume in der ehemaligen Gaststätte wurden zu Wohnungen umgebaut, und die Bickendorfer müssen – wie inzwischen viele Eifeler, die auf dem Dorf leben – seitdem woanders hin fahren, wenn sie hinterm Zapfhahn einen gemütlichen Abend verbringen wollen.

Was sehr schade ist, denn der Ort hat ein ausgeprägtes Dorfleben, wie der Bickendorfer Wilfried Kootz berichtet. Vier Vereine (Feuerwehr, Projektchor, Musikverein und Maibaumverein) gibt es in dem 530-Seelen-Ort. Und auch die anderen Bürger haben Lust, ab und zu mal ein frisch Gezapftes zu trinken, Leute zu treffen und zu quatschen.

All das, sagt Kootz, geht zwar schon noch, aber in begrenztem Umfang. Denn der Mehrzweckraum, den die Vereine für Treffen und Proben nutzen, gehört zur Schule und ist nicht für größere gesellige Events gedacht. „Da können Sie nicht abends nach einer Party einfach alles stehen und liegen lassen“, sagt Kootz. Es sei einfach ein Proben-, Versammlungs- und Schulraum und daher auf die Bedürfnisse von Kneipenpublikum nicht eingerichtet.

Was tun? Der Arbeitskreis Dorfgemeinschaft/Vereinsleben im Zukunftscheck (Wilfried Kootz, Franz-Rudolf Sonnen, Walter Nesges, Jutta Kootz und Jörg Oeffling) machte sich erst Gedanken und traf dann eine Entscheidung: Im Schulungsraum der Feuerwehr soll der potenzielle Standort der künftigen Bickendorfer Dorfkneipe sein.

Der etwa 15 Quadratmeter große Raum ist barrierefrei zugänglich und hat bereits einen älteren Thekenbereich, der modernisiert werden soll. Nach Vorstellung des Arbeitskreises soll der neue Treffpunkt vielleicht einmal pro Woche geöffnet sein, vielleicht auch öfter oder weniger oft.

Und genau da liegt der Knackpunkt der Idee. Denn die Öffnungszeiten hängen schlicht und ergreifend davon ab, wer sich meldet, um die Sache zu schmeißen, hinter der Theke zu stehen, die Getränke zu besorgen, zu putzen und so weiter.

„Wir brauchen eine Gruppe von Leuten, die das macht“, sagt Arnold Berg, der die Idee ebenso wie der Gemeinderat unterstützt. Am liebsten wäre es Berg, wenn es nicht zu viele Leute wären, damit es klare Ansprechpartner gibt und die Organisation reibungsloser läuft.

Um diese Leute zu finden, machen die Bickendorfer am Freitag, 9. März, ab 19 Uhr einen Live-Test im Schulungsraum der Feuerwehr. In gemütlicher Atmosphäre soll mit einem Fragebogen und Gesprächen gecheckt werden, wer Lust hat, in einem Kneipenteam zu arbeiten, wann die Bickendorfer sich am liebsten dort treffen würden und ob ihnen der vorgeschlagene Raum überhaupt gefällt. „Erst mal schauen, was sich dort ergibt. Was wir später daraus machen, werden wir sehen“, sagt Berg. Und ergänzt: „Wir fangen erst mal klein an.“

Vielleicht, ja ganz vielleicht, findet sich ja ein professioneller Gastronom, der in Bickendorf etwas aufziehen möchte. Das wäre zwar laut Arnold Berg reines „Wunschdenken“, zumal es auch kein zu pachtendes Gasthaus mehr in Bickendorf gibt, aber dennoch eine schöne Vorstellung. „Wenn es soweit käme, würden wir unser Projekt natürlich einstellen“, sagt Kootz. Aber auch er sieht das Ganze realistisch und glaubt eher an das Ehrenamtsprojekt, das auch „Nebenwirkungen“ haben könnte. „Es würde auch das Wir-Gefühl im Dorf stärken“, sagt er.

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