Lodernde Feuer auf den Eifelhöhen

Lodernde Feuer auf den Eifelhöhen

NUSBAUM/RINGHUSCHEID. Am ersten Fastensonntag brennen auf den Anhöhen der Region die Hüttenfeuer oder die Burgfeuer. Nach altem Brauch soll damit dem Winter der Garaus gemacht werden. In Nusbaum brannten gleich zwei Feuer, davon eines zu früh und auch die Ringhuscheider wurden Opfer eines Streiches.

Ein Burgbrenn-Tag wie aus dem Bilderbuch: in der Sonne glitzernder Schnee auf den Höhen und frostige Temperaturen bildeten am Sonntag eine fantastische Kulisse für die lodernden Burgen, Hütten und Räder aus Stroh - ein alter Brauch zum Winteraustreiben, der nach wie vor in vielen Orten der Eifel in unterschiedlichen Varianten weiter gepflegt wird. Sind es im westlichen Teil der Eifel zumeist "Burgen" oder "Hütten" (mit Stroh umwickelte Bäume), gibt es in der Vulkaneifel auch die Sitte des Räderrollens. In Nusbaum brennen die Jugendlichen - auch 34 Jahre nach der Verwaltungsreform und der Verschmelzung der beiden Gemeinden - nach wie vor zwei "Hütten" ab: eine in Nusbaum und eine im Ortsteil Freilingerhöhe. Doch in diesem Jahr lief in Freilingerhöhe nicht alles nach Plan: Das Feuer brannte schon, ehe sich die Sonne richtig verabschiedet hatte. "Brandstiftung", diagnostizieren die Freilinger Jugendlichen und verdächtigen ihre "Kollegen" aus Nusbaum, was kein Zufall ist. So gut sich die Jugendlichen in den Vereinen sonst verstehen, beim Hüttenbrennen sind sie Rivalen.Vorsicht, Nusbaumer: Freilingen rächt sich

Die Freilinger Jungen nehmen ihre Schmach gelassen. "Wir revanchieren uns im nächsten Jahr", kündigen sie den Nusbaumern ihre Rache schon jetzt an. Schließlich sind die Vorbereitungen für das Hüttenbrennen recht aufwändig. Ihren Tribut für das Einsammeln des Brennmaterials fordern die jungen Männer bei einem Rundgang durchs Dorf: Mit der Klapper ziehen sie von Haus zu Haus und fordern "Eier rous oder de Wolf ant Hous". Vorzugsweise werden statt der Eier lieber Euros genommen. Und so ist auch das früher übliche Eieressen inzwischen fleischlichen Genüssen gewichen, die den Jugendlichen für ihre Mühen aufgetischt werden. Den Service übernimmt nach wie vor das Ehepaar, das zuletzt geheiratet hat. Eine Besonderheit zeichnet das Freilinger Hüttenbrennen aus: Seit mehr als 30 Jahren sind die Mädchen im Dorf mit von der Partie und so wird auf der Freilingerhöhe, anders als in den meisten anderen Eifelorten, in einer gemischten Gruppe der Winter vertrieben. Einen Haken hat das Hüttenbrennen: Auf den amüsanten Sonntagabend folgt nur allzu schnell ein ganz gewöhnlicher Montagmorgen mit all seinen Anforderungen, der Wermutstropfen am "Schoofsonndisch". Schon Vormittags fand sich auch in Ringhuscheid die Schar der Jugendlichen und Erwachsenen ein, um das Spektakel auf dem nahen "Hausberg" in 550 Metern Höhenlage vorzubereiten. "Von hier sehen wir am Abend etwa 20 bis 30 Hütten", sagt Oswald Keschtges, Heimatkundler und Beigeordneter der Gemeinde Ringhuscheid. Die benachbarten Ortschaften Krautscheid und Bellscheid brennen seit Urzeiten des Brauches ihre eigenen Hütten ab. "Früher wurden auch Räder zu Tal gerollt", erzählt Keschtges, doch diese Variante des Winteraustreibens wurde aus Sicherheitsgründen eingestellt. Gefeit vor Spuk und Schabernak sind die Ringhuscheider deshalb nicht: In der Vornacht haben "Übeltäter" aus einem Nachbarort den Querbalken des "Kreuzes" zersägt. Kurzerhand bringen die Rinhuscheider einen neuen "Arm" an, während auf der Berghöhe das Stroh am Fußes des Baumes aufgeschichtet wird. Als dann aus dem Tal die Glocken ertönen, wissen alle, der Baum kann angezündet werden. Alle Einwohner des Dorfes sollen es sehen: "De Hett brennt!". Das Feuer ist ein Zeichen für neues Licht, Wachstum und Frühling - vorbei die Zeit des kalten Winters. Ob sich der Winter so vertreiben lässt? Das Thermometer zeigt minus vier Grad an, der Wind pfeift rauh über die Höhe. Am Sonntag mussten sich die Männer noch am Feuer wärmen und trinken einen "Hochprozentigen". "Solches Brauchtum stärkt das Wir-Gefühl, es ist gut, dass es weiter gepflegt wird", sagt Oswald Keschtges, dem viel am Erhalt der Tradition liegt. Ob nun der Winter geht oder noch eine Weile bleibt: Die Eifeler haben nach den Hütten- und Burgenbränden schon mal auf den Frühling ansgetoßen.

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