Lünebacher Zoo überflutet - Kragenbär erschossen - Verwirrung um Raubtiere

Unwetter : Lünebacher Zoo überflutet - Kragenbär erschossen - Verwirrung um Raubtiere

Verwirrung um den Eifel-Zoo: Eine Falschmeldung verbreitete sich nach dem Unwetter von Freitag in ganz Deutschland. Wahr aber ist: Der Zoo ist in seiner Existenz bedroht. Und Kragenbär Mike hat die Wetterkatastrophe nicht überlebt.

Lünebach „Ich kann Ihnen im Moment nichts sagen.“ Isabelle Wallpott, Chefin des privaten Eifel-Zoos in Lünebach, ist hörbar erschüttert. Unter Tränen bittet sie am Morgen nach dem schweren Unwetter in der Eifel um Verständnis dafür, dass sie keine Auskunft geben könne. Sie wird für den Rest des Tages nicht mehr erreichbar sein.

Verständlich: Die Lage im Tierpark, vor 46 Jahren begründet von Isabelle Wallpotts Vater, dem Kölner Unternehmer Hans Wallpott, ist vollkommen unübersichtlich. Der Bierbach, der durch die Anlage verläuft, hat sich infolge der massiven Regenfälle in einen breiten Strom verwandelt, der den 30 Hektar großen Zoo überschwemmt und alles mitreißt, was nicht nagelfest ist.

Nur die Tiere auf den höher gelegenen Flächen bleiben unbeschadet, etliche andere haben sich ebenfalls dorthin gerettet. Wie viele der insgesamt 400 Tiere in den Fluten umgekommen sein mögen – bis in den Abend kann das niemand sagen.

Ein besonders beliebter Zoobewohner hat die Katastrophe nicht überlebt: Kragenbär Mike. Als das Wasser auch sein Gehege zu überschwemmen droht, macht er sich durch das bereits beschädigte Gatter davon. Weil aber zu diesem Zeitpunkt bereits einige Einsatzkräfte auf der Anlage sind, muss ein Jäger den Bären erschießen.

Als falsch hingegen erweisen sich bald die Meldungen, dass auch zwei Tiger, zwei Löwen und der Jaguar des Zoos aus ihren Gehegen entkommen seien. Der Grund für diese Vermutung: Die Tiere waren zunächst nicht zu sehen. Zwei Polizisten begeben sich dann vorsichtig in die Anlage, um nachzuschauen – auch weil der Versuch, sich per Drohne einen Überblick zu verschaffen, nicht funktioniert hat. Kurz darauf steht fest: Alle Raubkatzen sind drinnen – Entwarnung.

Das gilt aber nicht für den Zoo insgesamt: Was die Fluten auf der Anlage angerichtet haben, „das ist mit ,Zerstörung’ noch harmlos beschrieben“ sagt am Abend Andreas Kruppert, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arzfeld. „Das ist ganz schlimm.“

Unterdessen sitzt halb Deutschland auch am Nachmittag noch der Falschmeldung mit den entlaufenen Katzen auf. Und die Tierschutzorganisationen fordern bessere Sicherheitskonzepte oder gleich das Ende der Zootierhaltung.

Wie groß der Sachschaden ist, ob es den Eifel-Zoo in Zukunft noch geben wird, steht vorerst nicht fest.

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