Mach’s noch einmal, Theo
PRÜM. Als er zum bis dato letzten Mal das Konvikt betrat, war Martin Ebbertz noch Pennäler. Nun hat er dort die Kinder der dritten und vierten Grundschul-Jahrgangsstufe begeistert – mit einer Lesung aus seinen beiden neuesten Büchern.
"Soll ich noch eine Geschichte von Onkel Theo lesen?" - "Jaaa!" Klar, dass die Kinder der dritten und vierten Grundschul-Klassen begeistert sind: Onkel Theo erzählt nämlich, so der Titel des jüngsten Ebbertz-Buchs, ganz schön "vom Pferd". Oder, wie der Autor seinem jungen Publikum während der Lesung im Rahmen der Prümer Büchereiwoche erklärt: "Man kann sich nicht immer ganz darauf verlassen, dass das alles stimmt." Man kann sich aber darauf verlassen, dass Ebbertz seine Zuhörer begeistert. Gerade sein Onkel Theo nämlich ist im Herzen Kind geblieben, mit spürbar anarchistischem Einschlag. Und er flunkert, dass sich die Balken biegen. Zum Beispiel über die Faultiere: Die lernen nämlich angeblich bereits in der Schule, dass man bloß kein Streber sein sollte. Bücher? Ach was. Und wer die meisten Rechenaufgaben löst, muss nachsitzen. Jaromirs Probleme im Aufzug
Da freuen sich die knapp 200 Kinder im Konvikt: So eine Schule - das wäre was. Allerdings gibt Onkel Theo am Ende einer jeden Geschichte zu: In Wirklichkeit ist das doch alles ganz anders. In Wirklichkeit werden auch die Bananen nicht in einer Fabrik aus Bananenbrei und Zement hergestellt, sondern wachsen an Stauden heran. Zwar könnte er das jetzt alles erklären. "Aber für heute ist erst mal Schluss", sagt Onkel Theo. Den ersten Auftritt bei der Lesung des in der Abteistadt aufgewachsenen Schriftstellers hat allerdings der inzwischen mehrfach preisgekrönte, auch in den Niederlanden und China veröffentlichte "kleine Herr Jaromir." Der ist, wie schon der Name sagt, so knapp gewachsen, dass er im Aufzug nur bis an den dritten Knopf kommt und deshalb immer die letzten drei Etagen zu Fuß hinaufdackeln muss. Bis er eines Tages nicht nur für dieses Problem die Lösung findet, sondern zugleich den Aufzug auch noch zum Gewächshaus für seine Tomaten macht - worüber zwar Hausmeister Eberlein nicht lachen kann, dafür aber die Zuhörer im Prümer Konvikt. Und Fragen haben die Kinder an den Autor ganz viele: Wie alt er sei? "Ich bin 1962 geboren", sagt Ebbertz. "Wieviel ist das dann?" Außerdem wollen die Zuhörer wissen, seit wann er Geschichten schreibe. Ebbertz: "Als ich damit angefangen habe, war ich so alt wie ihr. Und dann hat's einfach nicht mehr aufgehört." Dann komme irgendwann das erste Buch, das zweite und das dritte - "und auf einmal ist man Schriftsteller". So genau könne man das allerdings nicht erklären. Denn: "Man ist ja kein Angestellter in einer Schriftstellerfirma", beschreibt Ebbertz das nicht immer einfache Leben des freien Autors. Und was sagt sein Publikum? "Einfach alles" habe ihr gefallen, meint die neunjährige Levina. "Das war lustig", finden Jana und Nina. Onkel Theo hat indessen auch der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Freude gemacht: Sie kürte das Werk im Mai zum "Kinderbuch des Monats". Lukas und Nico hatten dabei am meisten Spaß mit Onkel Theo und der wilden Geschichte vom "Killertoaster", der beinahe einer unvorsichtigen Familie aus Mittelengland zum Verhängnis geworden wäre. Wie das aber genau war, das muss man selber lesen: Denn für heute ist erst mal Schluss. Onkel Theo erzählt vom Pferd, Moses-Verlag, ISBN 3-89777-215-9, 130 Seiten, 9,95 Euro.