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Freizeit: Magere Wiesen, fette Geschichten

Freizeit : Magere Wiesen, fette Geschichten

Mit neuen Konzepten will die Prümer Tourist-Information die geführten Wanderungen auf der Schneifel noch spannender gestalten.

Marita Mosebach-Amrhein lässt den Blick vorbei am Mooshaus gleiten, blickt in Gräben und in die Tiefe des Waldes auf dem Schneifelrücken. „Es ist schon auffallend, dass der Frühling hier noch immer nicht so richtig angekommen ist“, sagt die Gästeführerin. Eigentlich sollte es auf der Schneifel (siehe Info) schon überall blühen und summen. „Erst kam der Winter nicht so richtig, jetzt lässt der Frühling auf sich warten. Schön ist es ja trotzdem, aber wenn ich jetzt mit Gästen unterwegs wäre, würden sie wahrscheinlich lange Gesichter machen“, sagt sie.

Sehr verspätet laufe so auch gerade erst die Wandersaison an. „Es gab ja bereits ein paar sehr schöne Tage“, sagt sie, „aber die Natur ist halt noch ein bisschen hinterher.“ Dabei habe sie doch gemeinsam mit der Prümer Tourist-Information ein neues Angebot entwickelt, das ab Sonntag, 16. Juni, Besucher, aber auch Eifeler auf die Schneifel locken soll.

„In Achtsamkeit auf dem Schneifel-Pfad ‚Weg des Friedens’“ heißt die geführte Wanderung, die einen etwas anderen Weg als sonst beschreiten soll. Die Gästeführerin lacht. „Die Wege sind schon dieselben, aber das Thema ist ein bisschen anders gesteckt als bei meinen sonstigen Führungen.“ Sogenanntes Storytelling, also das Verfolgen einer festgelegten Grunderzählung sei zwar auch hier wie bei den Führungen zur Sagenwelt, der Schmugglergeschichte oder auch zu den Gebäuden des Westwalls der eigentliche Ansatz, aber der Aufbau unterscheidet sich stark.

Im vorigen Jahr wurde der Schneifelpfad als Weg des Friedens und Mußepfad neu konzipiert. Entlang von sieben Etappen über zusammen 75 Kilometer führt der Pfad Wanderer nun von der Kronenburger Hütte in Nordrhein-Westfalen über Ormont auf die Schneifel zum Schwarzen Mann, weiter nach Prüm und Schönecken, hoch nach Weißenseifen und nach Birresborn und von dort aus nach Gerolstein.

„Der Weg des Friedens gehört zu den sieben Vulkaneifel-Muße-Pfaden. Sie erzählen dem Wanderer von den Elementen, die über Jahrmillionen die Landschaft formten, von der Entwicklung der Naturlandschaft, die wir hier heute sehen können und auch von der sehr bewegten Geschichte der Region, die immer zwischen Krieg und Frieden pendelte“, sagt Mosebach-Amrhein.

Das Konzept der Führung ziele nun darauf ab, dem Wanderer einen Weg zu eröffnen, diese Spannungsfelder bewusster zu erleben. „Es geht weniger um Geschichten und Berichte als um das Erfahren von Natur und Landschaft“, sagt sie.

So fordert Marita Mosebach-Amrhein auch kurz nach dem Start der Tour am Sportplatz bei Roth die Teilnehmer dazu auf, an einer ersten, kleinen Achtsamkeits-Übung teilzunehmen. Man solle sich einen festen Stand suchen, die Arme hängen lassen und die Augen schließen.

„Spüren Sie den Boden, auf dem Sie stehen, fühlen Sie die Sonne auf Ihrer Haut, schnuppern Sie“, säuselt Mosebach-Amrhein in ruhiger Stimmlage. „Wie riecht die Luft? Hören Sie auf die Geräusche ringsum.“ Nach und nach lässt sie immer mehr Erklärungen in ihren Text einfließen – Informationsvermittlung und Entspannung gehen eine unerwartete Allianz ein.

Meist sei schon nach der ersten Übung bei vielen Teilnehmern zu bemerken, wie sie zur Ruhe kommen. Doch manche müssten tatsächlich sehr mit sich ringen. „Es ist eine Erfahrung, die so manchem Stadtbewohner so fremd ist, dass sie teils nur schwer zu verkraften ist. Fast alle lassen sich dann irgendwann darauf ein, aber gerade die Aufforderung zum Schweigen ist eine Herausforderung.“ Eine Dame sei beispielsweise schier verzweifelt an der Aufforderung zum Schweigen. „Sie fing regelrecht an zu schimpfen, weil sie einfach die Situation unangenehm empfand – sie ertrug die Stille nicht. Das war aber wirklich auch der Extremfall.“ Die Wanderung wird im Auftrag der Tourist-Information Prüm angeboten. Sie kann gebucht werden unter Telefon 06551/980066 oder per E-Mail an: marita.mosebach@web.de. Die Teilnahme kostet pro Person acht Euro.

 Die Schneifel ist ein einzigartiger Naturraum. Mit neuen Konzepten soll der Gebirgszug samt seinen Schätzen erlebbar gemacht werden.
Die Schneifel ist ein einzigartiger Naturraum. Mit neuen Konzepten soll der Gebirgszug samt seinen Schätzen erlebbar gemacht werden. Foto: Frank Auffenberg
 Marita Mosebach-Amrhein vermisst noch die Frühlingsblüten.
Marita Mosebach-Amrhein vermisst noch die Frühlingsblüten. Foto: Frank Auffenberg
 Die Schneifel ist ein einzigartiger Naturraum. Foto: Frank Auffenberg
Die Schneifel ist ein einzigartiger Naturraum. Foto: Frank Auffenberg Foto: Frank Auffenberg

Die nächsten Wandertermine: jeweils am Sonntag, 16. und 30. Juni, sowie am 21. Juli, 18. August und 29. September, um 10 Uhr am Sportplatz in Roth. Weitere Informationen im Internet unter www.ferienregion-pruem.de