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Mainz muss sich um Altlast kümmern

Mainz muss sich um Altlast kümmern

Seit der Insolvenz des Betriebs im Jahr 2010 ist die einstige Deponie der Gießereifirma Ergocast in Jünkerath ohne Besitzer. Nun muss das Land einspringen, um die dort abgelagerten Sande und Schlacken umweltgerecht abzudecken.

Jünkerath. Das Gelände in der Kyll-Aue wirkt auf den ersten Blick wie ein Idyll. Verschwenderisch blühen Pflanzen, bunt schillernde Schmetterlinge sitzen wie Ornamente auf schwarzem Sand, der immer noch leicht verbrannt riecht. Die Natur erobert sich die Fläche zurück, auf der mehr als 100 Jahre lang eine Mülldeponie betrieben wurde. Es gibt auch niemanden, der ihr Einhalt gebieten könnte. Denn die 120 000 Quadratmeter haben seit drei Jahren keinen Besitzer.
Es sind die Hinterlassenschaften der Firma Ergocast, in Jünkerath und Umgebung früher als Demag bekannt, die mittlerweile die Behörden von Land und Gemeinde beschäftigen. Dort wurde der beim Eisenguss notwendige Sand auf der Halde abgelagert. Schon 1990 umfasste sie rund 75 000 Kubikmeter.
Vor drei Jahren ging die Firma, damals noch im Besitz der niederländischen Investorengruppe Nimbus, in Insolvenz, nachdem sie durch die Wirren der globalen Finanzkrise in Schieflage geraten war. Als neue Besitzer die Konkursmasse übernahmen und von den 250 Arbeitsplätzen 200 erhalten werden konnten, war die Erleichterung in Jünkerath groß.
Es ist allgemein üblich, dass im Laufe eines Konkurses nur die Teile der Insolvenzmasse einen neuen Investor finden, die auch in der Zukunft Profit versprechen. Deshalb gibt es im Bürgerlichen Gesetzbuch den Paragrafen 928, der es ermöglicht, dass im Zuge eines Insolvenzverfahrens der Besitz eines Grundstückes aufgegeben werden kann. In der Folge fällt das Grundstück mit allen Lasten und Zahlungsverpflichtungen an das jeweilige Bundesland. "Wir gehen zurzeit davon aus, dass hier kein Umweltskandal lauert wie bei der ehemaligen Munitionsfabrik Espagit", zeigt sich Bürgermeisterin Diane Schmitz zuversichtlich. Denn nach derzeitigem Stand sind in der Halde hinter dem Ergocast-Firmengelände keine "verborgenen Schätze", wie die Verantwortlichen sich ausdrücken.
Für Norbert Lüling, Geschäftsführer der Ergocast, ist die ganze Angelegenheit ein normaler Vorgang. Als persönlich haftender Gesellschafter ist er zusammen mit zwei Beteiligungsgesellschaften einer der Eigentümer der jetzigen Ergocast. "Wir haben damals auch das Eigentum an anderen Grundstücken, die wir nicht benötigten, aufgegeben", stellt er klar. Außerdem stelle das auf der Halde abgelagerte Material ein so geringes Risiko dar, dass für den Betrieb der Deponie nicht einmal eine Genehmigung notwendig gewesen sei. Heute entsorge die Ergocast ihre Abfälle "extern".
Laut SGD war das Grundstück bis zur Insolvenz im Besitz einer EJ Grundstücks GmbH. Diese sei mittlerweile "liquidiert" worden. "Ob und inwieweit Dritte in Anspruch genommen werden können, wird derzeit geprüft", teilt das Amt mit. Auch ist im Augenblick nicht klar, wie mit der Altlast weiter verfahren werden soll. Wie teuer die Deponie das Land Rheinland-Pfalz zu stehen kommen wird, wagt deshalb niemand abzuschätzen. Im Gespräch ist eine Abdeckung, die mit Schlamm aus den Stauseen der Umgebung erfolgen könnte.
"Alltagsgeschäft" sei das, ist von Menschen verbittert zu hören, die sich mit den Altlasten pleitegegangener Firmen beschäftigen müssen. Im vertraulichen Gespräch machen sie ihrem Ärger über die Vorgänge Luft, auch wenn niemand das öffentlich mit seinem Namen in Verbindung gebracht haben möchte. Sie hätten zu oft erlebt, dass der Steuerzahler für die Kosten aufkommt, während vorher Gewinne privatisiert worden seien.Extra

Auf der Ex-Deponie befänden sich "vornehmlich Gießerei-Altsande sowie Aschen, Stäube und Schlacken aus der Produktion", teilt die in Koblenz ansässige Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord mit. Sie befasst sich seit einem halben Jahr mit der Altlast. Die Risiken würden denen einer Deponie mit mineralischem Bauschutt entsprechen. Eine aktuelle Risikobetrachtung existiere nicht. Was Auswaschungen von Phenol angeht, die Ende der 80er Jahre Kleine Anfragen der Grünen im rheinland-pfälzischen Landtag zur Folge hatten, gibt die SGD Entwarnung. "In früherer Zeit wurden im Grundwasser verschiedentlich leicht erhöhte Phenolgehalte festgestellt. Zuletzt lagen diese immer unter der Bestimmungs- beziehungsweise Nachweisgrenze", teilte die SGD mit. sev