Maler der Eifel: Dieter Schröders Riesensammlung als Lexikon

Bildende Kunst : Auch du, Johann Wolfgang, ein Eifelmaler

Ein Mammutwerk: Das neue Künstlerlexikon von Dieter Schröder bietet sagenhafte 2500 Kürzestbiografien, gesammelt in 50-jähriger Arbeit.

Gerade hat es Christoph Mancke, künstlerischer Leiter des Bildhauer-Symposiums in Welchenhausen (den neun Teilnehmern kann man dort jetzt täglich zuschauen, der TV berichtete), noch einmal gesagt: Den europäischen Gedanken hat man, gerade in der Kunst, in der Eifel bereits in den 50er Jahren gelebt und tut das bis heute.

Denn damals wurde unter anderem in Prüm die Europäische Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen (EVBK) ins Leben gerufen. Vielleicht ja mal ein Grund für die neue Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, in der Eifel vorbeizuschauen, zurzeit läuft ja in der Abteistadt wieder die Jahresausstellung.

Die ersten EVBK-Mitglieder und Gründer findet man deshalb selbstverständlich auch in dem neuen Künstlerlexikon „Maler der Eifel“, das Verfasser Dieter Schröder aus Mechernich soeben herausgebracht hat, in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe Eifelmaler.

Sage und schreibe 50 Jahre Such- und Sammelarbeit stecken drin. Und Einträge zu etwa 2500 Künstlern. Mit dem Lexikon, sagt Michael Grade, Vorsitzender der Forschungsgruppe, „werden zum ersten Mal in umfassender Form nicht nur die Lebensläufe von bekannten und meist gut dokumentierten Eifelmalern präsentiert, sondern auch die von wenig bis kaum bekannten, in Vergessenheit geratenen oder bisher gänzlich unbekannten Malern von Eifelmotiven ins Licht der Öffentlichkeit gerückt“.

Wem also beim Begriff „Eifelmaler“ immer nur Fritz von Wille einfällt (der hier natürlich vertreten ist, neben überraschend vielen weiteren vor- und nachfahrenden Willes, die ebenfalls malten), der kann hier sein Wissen tüchtig erweitern. Alle Wesentlichen sind drin. Und viele weniger Wesentliche.

Aber 2500? Und dann auch noch lauter Künstler, die nicht mehr leben? So viele? Ja, wenn man berücksichtigt, nach welchem Hauptkriterium Schröder vorgegangen ist: Aufgenommen hat er jeden, der auch nur ein Motiv aus der Region zwischen Maas, Mosel, Rhein und dem Raum Jülich hinterlassen hat.

Weshalb dann sogar ein Albrecht Dürer zum Eifelmaler werden konnte: Denn der pausierte 1520, auf dem Weg von Nürnberg nach Aachen, wo er sich beim Kaiser seine Leibrente abholen wollte, in Andernach. Dort hinterließ er den eifelnahen Krahnenberg auf einer Zeichnung und gewinnt damit den Titel des dokumentiert allerersten Künstlers, der jemals ein Motiv in dieser Region zu Papier brachte.

 Und so sind dann auch Caspar David Friedrich, Victor Hugo, Johann Wolfgang Goethe, Wilhelm Busch, Max Ernst, August Macke, Wiliam Turner und Theodor Heuss (der erste Bundespräsident skizzierte einmal die Abtei Maria Laach) kurzerhand eingeeifelt worden. Und sogar der Schweizer Kuturhistoriker Jacob Burckhardt, selbst wenn der im 19. Jahrhundert nur in Bonn studierte und gern an der Ahr wanderte.

Passender ist da schon, als eine der nicht allzu zahlreichen Künstlerinnen, Gisela Andersch, die in Rommersheim lebte und am Regino-Gymnasium Prüm Kunst unterrichtete – dass sie mit Schriftsteller Alfred Andersch („Winterspelt“) verheiratet war, findet jedoch keine Erwähnung.

Womit wir zu einigen Punkten kommen, die in einer hoffentlich weiteren Ausgabe zu ändern wären: Bei einer solchen Textmenge sind Fehler kaum zu vermeiden, sollten aber im Satz korrigiert werden. So blieben aber viele, störende Worttrennungen mitten in der Zeile stehen.

Sympathisch einerseits, dass Schröder sich nicht als Kunstexperte versteht und daher keine Beurteilungen abgibt. Aber dass bei Werner Peiner, dem Leiter der „Herrmann-Göring-Meisterschule für Malerei“ in Kronenburg kein einordnendes Wort zu dieser Einrichtung und zu Peiners umstrittener Rolle in der Nazizeit zu finden ist, verwundert dennoch. Das gilt auch für die unkommentiert abgedruckte Tabelle aller Kronenburg-Absolventen am Ende des Buchs.

Da allerdings findet man, eine der vielen Überraschungen, dann auch wieder Malerprominenz: Der ganz junge Willi Sitte, später Präsident des DDR-Künstlerverbands, war ebenfalls dort. Wenn auch nur sehr kurz: 1941 protestierte er mit anderen gegen die Ausbildung in Kronenburg, flog raus und wurde an die Ostfront geschickt.

Da bleibt also noch Raum für Ergänzungen, um die der Verfasser seine Leser auch ehrenwerterweise bittet. Dieter Schröders Lexikon ist, unterm Strich, ein immenses Komplettisten-Fleißwerk auf fast 600 Seiten. Mit CD, auf der alles auch digital vorliegt.

Zwei Malerinnen der Eifel: Aenne Linden (links) und Antonia Berning. Foto: Christian Bohrofen

Das Künstlerlexikon kostet 39,80 Euro plus Versand und ist erhältlich bei Dieter Schröder, Friedentalstraße 18, 53894 Mechernich, Telefon 02443/3145844, E-Mail: dieter.j.schroeder@web.de

Mehr von Volksfreund