Manager, Koordinator und Ideengeber
Sie sind für Moritz Petry wie im Flug vergangen, die ersten 100 Tage seit seiner Amtseinführung zum neuen Bürgermeister der Verbandsgemeinde Irrel. Der TV hat mit ihm über seinen Einstand als Rathaus-Chef gesprochen.
Irrel. Eine schwarze Couchgarnitur zur Linken, ein großer dunkler Schreibtisch hinten in der Ecke, auf der Anrichte rechts steht immer noch der blau-gelbe Wimpel einer Delegation aus Niederösterreich, die einst eine Exkursion an die Sauer unternommen hat - es sieht eigentlich aus wie immer im Büro des Irreler Rathaus-Chefs. Kein neues Bild, nicht einmal ein Foto der Familie auf dem Schreibtisch deutet darauf hin, dass seit knapp 100 Tagen ein Neuer im Chefsessel des Irreler Rathauses Platz genommen hat: Moritz Petry hat in seinem Büro alles so gelassen, wie es ihm sein Vorgänger Hans-Michael Bröhl überlassen hat.
"Ich habe mich nicht getraut, hier irgendetwas zu verändern und dafür Geld auszugeben", sagt der neue Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Irrel mit einem Lächeln. Die angespannte Finanzlage der VG ist offenbar auch im Büro des Bürgermeisters spürbar.
Eine klitzekleine Veränderung findet der Besucher dann aber doch - wenn er denn seinen Blick zur Decke richtet: Das kleine Loch über dem Couchtisch war bis zum Ende des vergangenen Jahres noch nicht da. "Ich habe die runde Glaslampe abgehängt, wo sich alle den Kopf gestoßen haben und die kein Licht abgegeben hat", erklärt Petry.
Sonst ist alles gleich geblieben in seinem neuen Reich - "weil es einfach nicht Priorität Eins hat", wie der neue Verwaltungs-Chef betont. Es gab schlicht Wichtigeres zu tun für den 34-Jährigen in seinen ersten 100 Tagen. Etwa, sich einzufinden in seine neue Rolle als Kopf einer Verwaltung und damit zahlreicher Mitarbeiter. Doch das war für den ehemaligen Personalberater kein Problem.
Hauptanliegen ist der Tourismus
"In erster Linie besteht mein Job darin zu managen, den Überblick zu behalten und eine schnelle Auffassungsgabe zu haben", so lautet die Erfahrung Petrys nach rund drei Monaten Amtszeit. Neben seinem Ziel, gut in seine neue Aufgabe zu wachsen, hat in den ersten 100 Tagen vor allem ein Thema Priorität für ihn gehabt: "Tourismus ist für mich das wichtigste Thema, das ich als Bürgermeister beackern möchte - nicht nur in diesem Jahr, sondern auch darüber hinaus."
Der 34-Jährige sieht seine Verbandsgemeinde in diesem Bereich gut aufgestellt: "Wir haben ganz tolle, aufopferungsvolle Mitarbeiter, die keinen Feierabend kennen, und wir haben eine super Infrastruktur, die ihresgleichen sucht im Eifelkreis."
Allerdings ist der neue Bürgermeister auch davon überzeugt, dass hier noch mehr Geld in die Kasse der VG fließen kann: "Gerade im Tourismus kann man mit Ideen Geld verdienen", sagt Petry, "wenn man eine pfiffige Idee hat, kann man dafür auch drei Euro Eintritt verlangen." Und damit Mehreinnahmen erzielen, die seine arme Kommune gut gebrauchen kann.
Frustriert angesichts des Schuldenbergs in seiner neuen Wirkungsstätte ist der Vater von zwei kleinen Kindern, der mit seiner Familie in Holsthum lebt, jedoch nicht: "Im Gegenteil, ich sehe das als Herausforderung: Man muss noch kreativer als andere sein, ohne sich kaputt zu sparen."