Manhattan in Papier

OBERLASCHEID. Im kleinen Oberlascheid, nordwestlich des Schneifelkammes, hat der Kölner Ausnahmekünstler Ulrich Wagner seit Jahren sein Atelier, um in der dörflichen Abgeschiedenheit seine international anerkannten, teils großflächigen Papierarbeiten zu fertigen.

Sein seit einigen Jahren im Eifelörtchen gewähltes Domizil ist kein extravagantes Künstlerhaus. Das alte Bauernhaus fällt dadurch auf, dass es eifeltypisch renoviert wurde. Auch im Innern haben es sich die Wagners - Ulrich mit seiner Ehefrau und zwei Kindern - gemütlich eingerichtet und Altes bewahrt oder erneuert. Selbst die Kinder wollten seinerzeit aus Köln mit in die Eifel ziehen.Papierproduktion als künstlerischer Akt

Erst in der unauffälligen Scheune, die Ulrich Wagner als Atelier dient, wird dem Besucher klar, wo seine künstlerische Schaffenskraft sich entfaltet.Dass hier ein Künstler eine handwerkliche Kunst, das Schöpfen von "Bütten" (Papier) vorzüglich versteht, ist aber nur die eine Seite seiner Profession.Die wesentlich bedeutendere ist jedoch, dass das Papier selbst zum Kunstwerk wird und nicht nur die Unterlage dafür ist.Ulrich Wagner schöpft das Bütten in großflächigen Sieben in seinem Atelier, und dies nicht, um einen Bildträger herzustellen. Die eigentliche Produktion ist Teil des Konzeptes.Sein Rohmaterial, in wenigen Farben stark pigmentierter Faserstoff, schöpft er in verschiedenen Lagen auf die Siebe. Unterfüllungen und rasterhafte Schablonen auf dem Sieb geben dem späteren Kunstwerk eine starke plastische Wirkung.Ulrich Wagner macht gerne Systeme sichtbar, ohne das Ganze als geschlossen darzustellen.So werden beispielsweise Stadtpläne von Manhattan und Mexico City auf ihre geometrischen und dabei wesentlichen Strukturen komprimiert. Dabei sprengen die Raster und Flächen den Bildrand, der das Bild als zufällig ausschnitthaft erscheinen lässt.Auch Formen frühchristlicher und heidnischer Labyrinthe nutzt der Künstler immer wieder. Sehr intensiv hat sich Ulrich Wagner auch mit den geometrischen Strukturen von Konzentrationslagern auseinandergesetzt und Teile davon in Papier gegautscht."Wenn man Teile aus einem System herausnimmt, verlieren sie den Schrecken", macht er seine Interpretation an dem Beispiel Wernher von Braun fest, der Teil der Entwicklung der menschenverachtenden Produktion in den Stollen von Lager "Dora" bei Nordhausen im Harz war und anschließend von den Amerikanern resozialisiert wurde: "Wie man es gerade braucht."Die Mitte der neunziger Jahre entstandene Serie "Konzentrationslager" hat Ulrich Wagner als Leporellos auf schwarzen geschöpften Büttenpapieren gefertigt, wobei die Lagerstrukturen (Baracken) mit grau pigmentierten Bütten aufgetragen sind. Die gefalteten Bücher erreichen als Leporello dabei eine Länge von bis zu 26 Metern oder eine Fläche von 405 mal 250 Zentimetern.Begehbare Lichträume

In jüngster Zeit hat Ulrich Wagner mit seinen begehbaren Lichträumen und Wandarbeiten in Rot und Blau in der Pfalzgalerie auf sich aufmerksam gemacht. Die blaue Raumarbeit, die zwar "Black box" heißt, misst fünf mal drei mal drei Meter und wird in ihrem schwarzen Innenraum von einer umlaufenden blauen Neonröhre beleuchtet.Der Papierkünstler Ulrich Wagner wurde 1959 in der Rheinmetropole Köln geboren. Er studierte an der Fachhochschule für Kunst und Design bei Eduardo Paolozzi, nahm zwischenzeitlich Lehraufträge wahr und hat sich aufgrund seiner außergewöhnlichen und nicht alltäglichen Kunst weltweit einen Namen gemacht. Dies dokumentieren auch seine vielen Ausstellungen im Ausland.

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