Massenpost zur Rettung des Krankenhauses

Neuerburg · Die Neuerburger geben nicht auf. Das haben sie bei der Mahnwache am Montag gezeigt, zu der mehr als 400 Menschen gepilgert waren. Mit Plakaten, Sketchen und feurigen Kampfansagen machten sich alle gemeinsam für den Erhalt des St.-Josef-Krankenhauses stark.

Massenpost zur Rettung des Krankenhauses
Foto: Mandy Radics

Neuerburg. "Die stationäre Versorgung muss erhalten bleiben! Alles andere ist Wischiwaschi!", ruft Alfred Ziewers von der Bürgerinitiative (BI) pro Krankenhaus den 400 Menschen zu, die am Montagnachmittag zur Mahnwache für das Neuerburger Krankenhaus gekommen waren. Für seine Aussage erntet Ziewers tosenden Applaus. Im Publikum sind Menschen aus Neuerburg und Umgebung. Sie sind mit Transparenten und Plakaten gekommen, um gegen die geplante Schließung ihrer Klinik zu protestieren.400 Menschen protestieren


Viele waren schon bei der Demo am 18. März dabei, wie Adelheid Weimann aus Plascheid. "Wir stehen heute wieder mit unserer kleinen Familie hier und kämpfen für unser Krankenhaus", sagt sie entschlossen, "die stationäre Versorgung ist enorm wichtig für die Schulen, das Seniorenheim und die Menschen in der Region." Sie freut sich, dass zur Mahnwache am Montagnachmittag so viele Menschen gekommen sind. Dass sich ihr Einsatz lohnt, sieht sie an der guten Nachricht, dass die Frist für die Schließung der Klinik aufgehoben wurde (der TV berichtete). Die war ursprünglich für den 30. Juni angesetzt. Die Plascheiderin kritisiert: "Es geht immer nur um Zahlen. Dabei sollte es um den Menschen gehen."
Um Zahlen geht es auch bei der Postkarten-Aktion, die während der Mahnwache von der BI pro Krankenhaus initiiert wird. Dabei sollen nämlich möglichst viele Menschen mitmachen. Auf einer feuerroten Karte kann jeder eintragen, warum das Krankenhaus gerettet werden muss. Per Post sollen die Karten dann alle auf dem Schreibtisch von Sozialminister Alexander Schweitzer landen. Gegen ihn und Ministerpräsidentin Malu Dreyer erheben die Initiatoren der Mahnwache schwere Vorwürfe. Trotz zahlreicher Einladungen und Bitten um Stellungnahme sei keine Reaktion von ihnen gekommen, sagt Ziewers. "Die Sache ist uns sehr ernst. Wir fühlen uns im Stich gelassen!" Von den 400 Teilnehmern kommen laute "Buh!"-Rufe. Durch die Aktion soll der Sozialminister hundertfach Post aus Neuerburg bekommen. Besuch aus der Eifel hat der Minister am gestrigen Dienstag ebenfalls erhalten. Eine Delegation, zu der auch Stadtbürgermeisterin Anna Kling und Norbert Schneider, Chef der Verbandsgemeinde Neuerburg, gehörten, traf sich zu einem internen Gespräch mit Schweitzer. "Ich werde den Minister fragen, wie er sich die medizinische Versorgung bei uns auf dem Land vorstellt", sagt Kling bei der Mahnwache. Zum Ausgang des Gesprächs schwiegen die Beteiligten gestern allerdings. "Es war in den letzten Wochen schwierig, teilweise frustrierend, weil sich wenig bewegt hat. Dass Sie alle hier sind, motiviert mich sehr", sagt die Stadtchefin weiter.
Unter den Teilnehmern sind zahlreiche Bewohner des Seniorenhauses Berghof. Laut Sprecherin Inge Diedrich war es den Senioren wichtig, zur Mahnwache zu kommen. "Derzeit liegen sechs unserer Senioren im Krankenhaus. Allein am vergangenen Wochenende hatten wir vier Notfälle!", sagt sie. Bewohner Horst Bretz ist 50, leidet an multipler Sklerose. Er sagt: "Der kurze Weg zur Klinik ist lebenswichtig für uns. Das Krankenhaus ist wichtiger Stützpunkt für alle." Das sieht Laura Schmitz (16) genauso. "Ich mache gerade ein Praktikum in der Klinik und würde später gern als Krankenschwester oder Altenpflegerin hier arbeiten." Sie weiß, dass die Mitarbeiter unter der Schließung der Klinik leiden würden. "Wir brauchen das Krankenhaus, weil es vor Ort ist und Leben retten kann."
Die Angst um das Personal spricht auch Elmar Gierenz vom Förderverein des Krankenhauses an: "Unsere Anästhesistin sitzt jetzt in Gerolstein. Wir wollen unsere Ärzte wegen der unsicheren Zukunft der Klinik nicht verlieren!" Er sagt: "So kann es nicht weitergehen!" Auf die Frage, ob alle weiter um die Klinik kämpfen wollen, ruft das Publikum: "Ja!"
Eine Infoveranstaltung ist am Montag, 28. April, in der Stadthalle Neuerburg.

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