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Mattias Antony ist Ruinenretter von Schönecken

Dorfsanierung in Schönecken : Ehemaliger Ortsbürgermeister hat viele Erfahrungen als Ruinenretter

Der historische Ortskern von Schönecken hat sich in den vergangenen Jahren gut gemausert. Der ehemalige Bürgermeister Matthias Antony hat damals viele Weichen gestellt und selbst zwei alte Häuser renoviert.

Genauso, wie aus einer eher unansehnlichen Raupe ein schöner Schmetterling wird, hat sich der historische Ortskern von Schönecken in den vergangenen Jahren sichtlich positiv entwickelt. Nicht ganz unbeteiligt daran war der ehemalige Bürgermeister Matthias Antony.

„Besonders Freude und Knackpunkt waren es, nach jahrzehntelanger Verwahrlosung, Lösungen für die zwei großen unter Denkmalschutz stehenden historischen Immobilien im Burgflecken zu finden“, sagt er.

Antony hat in seiner Amtszeit von 2009 bis 2019 vor allem für das Alte Kloster und die Alte Schule versucht, Investoren zu finden. „Als ich mein Amt angetreten habe, hatte die Ortsgemeinde bereits die Weichen gestellt für die Ortskernsanierung“, sagt er. Schönecken wurde 2009 in das Bund-Länder-Programm historische Stadt- und Ortskernsanierung aufgenommen (der TV berichtete).

Das Alte Kloster sei wegen seiner Geschichte immer schon „eine Lebensader“ in Schönecken gewesen. 1860 erbaut, wurde dort zunächst im Winter Dauerwurst hergestellt. Später haben es die Vinzentinerinnen übernommen, bevor es Ende der Neunziger Jahre an einen Privatinvestor verkauft wurde, der das Gebäude aber verfallen ließ. Die Ortsgemeinde kaufte es 2018 zurück.

Antony wurde nicht müde, mit diversen Investoren durchs marode Gebäude zu laufen. „Die haben alle nur die Augen verdreht. Es war niemand dafür zu begeistern“, sagt er. Nach einer Teilniederlegung und Hangstabilisierung vermarktet die Ortsgemeinde das Gebäude zur Zeit.

Besser verlaufen sind andere Projekte. So zum Beispiel die Sanierung der Alten Brennerei – ein bereits auf die Wege gebrachtes Projekt, das Antony vom Vorgänger geerbt und umgesetzt hat. Entstanden ist ein regelrechtes Quartier mit Veranstaltungsort, Brunnen, Grill- und Toilettenanlage. Zusammen mit dem Bauhof wurde der Platz innerhalb von fünf Jahren komplett saniert. Entstanden sei „ein schönes Kleinod“, sagt der Alt-Bürgermeister.

Auch die Alte Schule war lange Zeit ein „Problemfall“. Nach gutem Zureden mit dem Besitzer hat Antony auch dort potentielle Investoren durch das Gebäude geführt. Doch die Resonanz sei ähnlich gewesen wie beim Alten Kloster. „Die Leute waren einmal da und haben sich nie wieder gemeldet“, sagt Antony. Dann hatbe ihm Detlef Kleintitschen, Kreisdenkmalpfleger, einen Tipp gegeben. Er solle sich doch mal an Dieter Hillebrand wenden, ein als „Burgenkönig“ bekannt gewordener deutscher Unternehmer aus der Immobilienwirtschaft.

„Dem habe ich einen zweiseitigen Brief geschrieben und ihn um Rat gebeten“, sagt Antony. Hillebrand kam jedoch selbst, um das Objekt, auch unter dem Namen Alte Kellnerei bekannt, in Augenschein zu nehmen. 2016 hat er es erworben. Das Unternehmen beabsichtigt, das Haus zu sanieren und die Wohnungen später zu vermieten (der TV berichtete).

Ein weiteres Problem waren die Leerstände und vernachlässigten Häuser entlang der L 5. Doch seit der Ortskernsanierung sei dort viel passiert, sagt der ehemalige Bürgermeister. „In den vergangenen zehn Jahren sind dort etwa 30 Häuser saniert worden.“ Als die Straße 2016 neu gemacht worden sei, habe es einen Domino-Effekt gegeben. In den darauffolgenden zwei Jahren seien 15 Häuser gemacht worden, sagt Antony.

Er und seine Frau haben auch zwei alte Häuser saniert. Das erste war ein altes Bauernhaus, etwa 120 Jahre alt. „Da fährst du sicher mit dem Bagger durch“, habe man zu ihm gesagt. Doch stattdessen hat er es hergerichtet und wohnt nun selbst darin. Außerdem habe er noch das ehemalige Kaufhaus am Alter Markt erworben und hergerichtet.

Sein größter Erfolg sei aber die Sanierung der Burkapelle gewesen. Die konnte man nur zu Fuß erreichen. Als sie 1990 saniert wurde, musste jeder Sack Zement per Hand hochgetragen werden. Um Zuschüsse für die Renovierung des Gebäudes beantragen zu können, wurde 2012 ein Antrag auf Profanierung der Kapelle gestellt. Ein einheimischer Bauunternehmer hat eine Zuwegung in den Burghang gebaggert. 120 000 Euro wurden an Spendengeld gesammelt, um das Dach und den Glockenturm zu renovieren.

Die größten Hindernisse bei der Ortskernsanierung seien gewesen, ein Problembewusstsein bei Privatbesitzern zu wecken, erinnert Antony sich. Da sei viel Überzeugungsarbeit nötig gewesen. Auch die Suche nach sanierungswilligen Investoren habe ihn gefordert.

Aus eigener Erfahrung kann er sagen, um ein altes Haus zu sanieren brauche man Optimismus, Liebe, Durchhaltevermögen, Verständnis für die heimische Baukultur und eine gewisse Frustrationstoleranz. „Viele haben keine oder nur sehr unzureichende Kenntnis über mögliche Fördermittel.“

Was der Sache dienlich sein könnte, wäre eine verpflichtende Beratungspflicht für Sanierungswillige von Ortsbildprägenden Gebäuden bei versierten Altbau-Kennern und Architekten, sagt Antony. Der schätzt auf diesem Gebiet vor allem die Kompetenz des Kreisdenkmalpflegers Detlef Kleintitschen und sein großes Wissen im Umgang mit dem Denkmalschutz. „Ohne ihn wäre vieles gar nicht gegangen“, sagt er rückblickend. Die Wertschätzung scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen, hat uns Kleintitschen den Schönecker doch als vorbildlichen „Ruinenretter“ für eine Berichterstattung ans Herz gelegt.

Matthias Antony habe für seine Tätigkeit in Schönecken die wichtigsten Voraussetzungen mitgebracht: Optimismus, Durchhaltevermögen und Kreativität. „Optimismus, da man nie alle einfangen kann, es aber auch nicht von vorne herein aufgeben darf. Durchhaltevermögen, zum Beispiel beim Kloster, wo nach Jahren des Stillstands endlich Bewegung in den Verkauf kam. Kreativität, wie zum Beispiel bei der Aktion ‚Haufen sucht Herrchen‘.“

Während seiner Zeit als Ortsbürgermeister von Schönecken hat sich Matthias Antony schwerpunktmäßig um die Sanierung des historischen Ortskerns gekümmert. Foto: TV/Stefanie Glandien
Diesen ehemaligen Bauernhof hat Matthias Antony zusammen mit seiner Frau gekauft und renoviert. Foto: Matthias Antony/privat

Dass er in Sachen Stadtsanierung auch wisse wovon er spreche, habe er eindrucksvoll mit seinen eigenen Projekten unter Beweis gestellt, sagt der Kreisdenkmalpfleger.