Meckeler Architekt entwickelt Konzepte für das Leben auf dem Dorf

Meckeler Architekt entwickelt Konzepte für das Leben auf dem Dorf

Rainer Roth, Architekt aus Meckel (Eifelkreis Bitburg-Prüm), ist vom Bund Deutscher Architekten für sein Projekt "Leben in der Schmiedestraße" ausgezeichnet worden. Seine Arbeit ist derzeit in den Trierer Viehmarktthermen ausgestellt.

Meckel. Wenn ein Architekt und eine Modedesignerin sich zusammentun, müssen fast zwangsläufig schöne Häuser entstehen. "In beiden Berufen befasst man sich intensiv mit Material und Farbauswahl - der Architekt allerdings auf eine sehr technische Art", sagt Rainer Roth. Zusammen mit seiner Frau Christine Schwickerath führt er ein Architekturbüro in Meckel. Dort, in der Schmiedestraße, findet man auch sein Projekt, für das er zwei Preise erhalten hat. Das Besondere: In den drei kleinen, weißen Häusern wird gewohnt und gearbeitet. So findet man dort neben dem Büro des Architekten auch eine Goldschmiedewerkstatt.Wohnen und Arbeiten im Dorf


"Wir wollten Wohnen und Arbeiten auf dem Land zusammenbringen, um damit auch das Dorf mit seinen Funktionen zu stärken", erklärt Roth. Dörfer sollten nicht zu reinen Schlafstätten degenerieren. Bei der Planung ihrer Objekte sei ihnen wichtig, private Rückzugsorte genauso zu planen wie öffentliche Bereiche. "Die Menschen wollen ihre Privatsphäre, aber auch Orte, wo sie soziale Kontakte pflegen und sich mit anderen Menschen treffen können", sagt Christine Schwickerath, die in Meckel geboren wurde.
Für die Planung sei es wichtig, den Bauherrn und seine Wünsche kennenzulernen. Mit entscheidend ist aber auch das Umfeld, in dem das Haus entstehen soll. "In der Entwurfsphase versuchen wir, viel über den Ort zu erfahren und entwickeln eine Vorstellung, was wichtig sein könnte", sagt Roth. Als besondere Qualität des Dorfes schätzen sie die Tradition der Nachbarschaft. Man kennt sich, spricht miteinander, wird miteinander älter. Diesen Nachbarschaftsgedanken haben die Architekten in der Schmiedestraße aufgegriffen.Backstein im Industriegebiet


Wenig Rücksicht auf die Nachbarschaft mussten die Planer beim Umbau eines Bungalows im Industriegebiet in Speicher nehmen. Roth: "Da ging es nicht um Nostalgie oder die Frage, welche Neigung das Dach haben wird. Dort stand die Fassade im Vordergrund." Inmitten der Industriehallenfassaden setzten die Planer auf Backstein. Ergebnis gelungen: Die Zeitschrift Schöner Wohnen kürte das Gebäude zum schönsten Haus des Jahres 2012. Ganz anders die Voraussetzung für ein Haus, das in Speicher inmitten eines Baugebiets aus den 1960er Jahren entstand. Dort wünschten sich die Bauherren eine schwarze Fassade. Angelehnt an die eher kleinteilige Bebauung der Umgebung, gliederten die Architekten drei miteinander verbundene Kuben (Wohnen, Schlafen, Garage) um einen Innenhof. Auch mit diesem Projekt fanden die Planer überregional Aufmerksamkeit. Die Zeitschrift Häuser berichtet in seiner aktuellen Ausgabe unter dem Titel "Kleine Häuser ganz groß" über das schwarze Haus in Speicher.
"Am liebsten planen wir unsere Häuser in Gebieten, in denen man seine Nachbarschaft kennt", sagt Roth. "Denn das Haus, das ich sehe, ist nicht mein eigenes, sondern das meines Nachbarn", sagt Roth. Er entwickelt ein Haus gerne von außen nach innen, "bis ins letzte Detail. Ein Gebäude ist nur dann überzeugend, wenn die Möbel zu den Außenanlagen passen."
Deshalb wollen sie auch nicht jede Mode mitmachen. So wird es von Rainer Roth kein Haus mit Kunststofffenstern geben. "Unsere Häuser sollen auch in 20 oder 30 Jahren schön sein und deshalb setzen wir auf beständige Materialien, wie etwa Ziegelstein. Den haben die Römer schon vor 2000 Jahren verbaut."
Solide soll auch die Sanierung der Realschule plus in Bitburg werden. Dort gibt es eine neue Hülle für das Gebäude. Das nächste Projekt steht wieder in Meckel an: Dort überplant Roth zurzeit ein neues Baugebiet mit 25 Grundstücken. "Ein ganz wichtiger Aspekt wird die gute Nachbarschaft sein", sagt der 45-Jährige, der mit seiner Frau und den zwei Kindern mitten im Dorf, in der Schmiedestraße, wohnt und arbeitet. Und damit eine Vision vorlebt, die auch für andere Dörfer Zukunft haben könnte.Extra

Rainer Roth (Foto) wurde 1968 in Idenheim (Eifelkreis Bitburg-Prüm) geboren. Er studierte Architektur an der Fachhochschule Trier und arbeitete anschließend als Architekt und Stadtplaner in Luxemburg. Seit 2005 ist er als freischaffender Architekt in Meckel tätig, wo er seit 1998 mit Ehefrau Christine Schwickerath (Foto) und zwei Kindern lebt. Rainer Roth ist Mitglied der Architektenkammer Rheinland-Pfalz und des Ordre des Architectes et des Ingénieur-Conseils in Luxemburg. Die Ausstellung zum BDA-Preis, zur regionalen Baukultur Trier und ausgezeichneten Studierendenarbeiten der Hochschule Trier ist bis Mittwoch, 3. Juli, von 9 bis 17 Uhr in den Viehmarktthermen in Trier zu sehen. sn