MEDIZIN

Zur Schließung der Geburtshilfestation im Krankenhaus Gerolstein zum 1. Juli schreibt diese Leserin:

Das Elisabeth-Krankenhaus schließt seine gynäkologische Abteilung, weil die Hebammen gekündigt haben. Hintergrund: Die Klinik beteiligt sich nicht an den hohen Versicherungskosten der Hebammen, so dass diese in andere Kliniken wechseln. Mich macht stutzig, dass die Hebammen anscheinend Arbeitsplätze in anderen Kliniken gefunden haben, die weniger Probleme damit haben, die Versicherungsleistungen zu übernehmen. Es sei eine betriebswirtschaftliche Entscheidung, heißt es. Die Fallpauschalen seien zu gering, Geburten rechnen sich nicht. Solche Bedenken treiben andere Kliniken anscheinend nicht um. Wieso eigentlich nicht? Was bedeutet das für den Standort Gerolstein? Es heißt, er wäre gesichert. Und doch hat diese Einschätzung einen deutlichen Beigeschmack. Denn aus Patientensicht sieht für mich die Einschätzung etwas anders aus. Warum sollte ich Vertrauen in eine Klinik haben, die nicht mal mehr einen elementaren Vorgang wie eine Geburt stemmen kann? Wie soll es denn dann werden, wenn man wirklich mal was Ernstes hat? So scheint die Entscheidung auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht eher wenig durchdacht zu sein, der Imageschaden ist erheblich. Häufig findet ein erster positiver Kontakt mit dem Krankenhaus bei einer Geburt statt. Eine Geburt stellt somit eine "niedrige Eintrittsschwelle" in ein Krankenhaus dar. Und wenn ich dort Vertrauen gefasst habe, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich auch in medizinischen Krisen in dieses Krankenhaus gehe. Das Elisabeth-Krankenhaus hat sich selbst um diese Chancen gebracht. Daun wird es dankbar zur Kenntnis nehmen. Der Gerolsteiner Standort ist sicher? Ja, das waren die Renten auch. Geburten rechnen sich nicht. Diese Argumentation ist bei einem christlichen Träger doch zumindest befremdlich. Da scheint weniger der Mensch im Mittelpunkt des Handelns zu stehen als vielmehr die Fallpauschale. Vielleicht wäre es mal an der Zeit, sich auf seinen eigenen Wertekontext zu besinnen und die Krämer aus dem Tempel zu jagen. Andrea Revers, Üxheim-Leudersdorf