1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Mehr Jugend in die Politik

Mehr Jugend in die Politik

Kommunalpolitik? Doof, öde, uncool. Oder? Pascal Kersten und Jan Herbst sehen das nicht so. Und wollen auch andere davon überzeugen, sich in der Eifel zu engagieren. Die beiden 22-Jährigen aus Kleinlangenfeld und Schönecken haben einiges vor.

Schönecken/Kleinlangenfeld. Zwei junge Eifeler wollen etwas tun. Und zwar in der Politik: Pascal Kersten aus Kleinlangenfeld und Jan Herbst aus Schönecken, beide 22 Jahre alt. Und sie wollen andere junge Leute dazu bringen, sich ebenfalls zu engagieren, über Parteigrenzen hinweg. "Unsere Botschaft", sagt Pascal Kersten, "ist eigentlich mit einer Frage verbunden: Wie können wir mehr junge Menschen zur Politik bewegen - und das unabhängig von Parteien."Sie wissen, dass das nicht einfach ist, denn schließlich grassiert die altbekannte Politik- und Parteienverdrossenheit. Und es herrsche oft der Gedanke vor, dass man ja doch nichts bewirken könne.Das gelte aber nicht auf kommunaler Ebene. "Da kann man was bewirken", sagt Pascal Kersten. Zum Beispiel das Jugendtaxi, das auf das Bestreben junger Leute in der Eifel zurückgehe. "Das zeigt ja, dass es sich lohnt, sich einzusetzen, anstatt immer nur zu lamentieren." Für Politik haben die beiden sich bereits in der gemeinsamen Schulzeit interessiert. Und sind der CDU beigetreten. Ja, die Parteipolitik schrecke viele ab, da sei doch alles festgefahren und zugebaut, "aber wir haben das genaue Gegenteil erfahren". Stimmt, zumindest wenn man sich anschaut, was die beiden bereits geschafft haben: Kersten sitzt seit der Kommunalwahl im Mai im Ortsgemeinderat und dort auch im Hauptausschuss, Herbst im Schönecker Gemeinderat und im Rat der Verbandsgemeinde Prüm. Herbst und Kersten haben auch bereits Posten im Vorstand der Jungen Union (Herbst ist Kreisvorsitzender) und verweisen auf die ebenfalls noch junge Parteifreundin Carolin Hostert, ehemals im Jugendparlament ihrer Verbandsgemeinde Arzfeld, die im Mai in den Kreistag gewählt wurde.CDU hin, CDU her, die Eifel sei nun einmal überwiegend schwarz, sagen die beiden. Dennoch bestehen sie auf ihrem überparteilichen Engagement - zumal sie immer wieder erleben, dass sie mit Vertretern anderer Parteien oft die gleichen Positionen teilen. "Und regional betrachtet", sagt Pascal Kersten, "sollte man sowieso bei Sachthemen unabhängig von parteipolitischen Querelen miteinander arbeiten. Das ist sinnvoller." "Auf jeden Fall", ergänzt Herbst. "Und in der Kommunalpolitik spielt die Partei auch nicht so die große Rolle wie in der Bundespolitik."Und ums Pöstchensammeln, sagen beide, gehe es ihnen ohnehin nicht. Stattdessen haben sie so einiges vor in der Eifel: Im vergangenen Herbst organisierten sie bereits in Fleringen eine Veranstaltung zum Thema Breitbandversorgung. Sie wollen außerdem die regionale Verbundenheit fördern. Kersten: "Das heißt, dass man nicht unbedingt in die Stadt gehen muss, um einen beruflichen Weg einzuschlagen." Zwar sei das hier schwer für Akademiker, "aber für klassische Facharbeiter bietet die Eifel viele Möglichkeiten".Aus diesem Grund soll es auch eine Veranstaltung zum Thema geben, in der jungen Leuten zu mehr Orientierung verholfen werden soll, was ihnen in der Region für Möglichkeiten offenstehen. Das Ganze in Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmern. Gewiss, das sei nichts Neues, sagt Pascal Kersten. "Aber das kann man nicht oft genug machen." Dabei sollen Meister, Facharbeiter und auch Studierte den jungen Eifelern zeigen, warum es sich lohne, zu bleiben. "Sie sollen ihr Wissen teilen. Und zeigen, dass man nicht unbedingt ein Studium machen muss, um erfolgreich in der Heimat zu sein."Pascal Kersten und Jan Herbst haben sich inzwischen ganz der Politik verschrieben: Beide studieren Politikwissenschaft, Kersten in Trier zusätzlich Staatsrecht (demnächst wechselt er nach Darmstadt, um seinen Masterabschluss zu machen), Herbst in Heidelberg zusätzlich Volkswirtschaftslehre - und wechselt wiederum demnächst für den Master-Abschluss nach Trier. Familiär vorbelastet sind sie übrigens nicht: "Überhaupt nicht", sagt Jan Herbst, der aber bereits Schülersprecher am Regino-Gymnasium war. Und so richtig, sagte Kersten, habe sie dann ein Lehrer auf die Spur gebracht: Matthias Christmann, bei dem beide Sozialkunde hatten. "Der hat uns inspiriert."Meinung

Zwei hängen sich reinSie sind schon ziemlich in ihrer Partei etabliert, die beiden Jungpolitiker aus der Eifel, wenn man ihre diversen Posten betrachtet. Und dennoch gewinnt man im Gespräch den Eindruck, dass sie es ernst meinen mit ihrem Ansatz, der auch über die Parteilinien hinwegzuschauen vermag. Man kann nur hoffen, dass sie dabei von den älteren und noch etablierteren Kadern nicht zurückgepfiffen werden. Fest steht: Ihr Engagement ist ernst gemeint. Und das verdient zuerst einmal Anerkennung. fp.linden@volksfreund.de