Mehr Komfort für die Kuh

GONDELSHEIM. Harter Stoff: Bei der Jahresversammlung des Züchtervereins Eifel in Gondelsheim lieferte Theo Göbbel von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen viel Material für Diskussionen.

Schwierige Böden, rauhes Klima und eine Landschaft als hügeliger Hindernis-Parcours: Die Eifeler Milchbauern kämpfen nicht nur gegen immer neue Agrar-Regularien, sondern auch gegen die Elemente. Leichter haben es die Kollegen in flachen und fruchtbareren Landstrichen - in Schleswig-Holstein oder in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel. Von der NRW-Landwirtschaftskammer hatte die Züchtervereinigung Eifel (rund 240 Mitglieder in den Kreisen Bitburg-Prüm und Daun) einen Fachmann zur Jahresversammlung ins Gondelsheimer Hotel Kirst eingeladen: Theo Göbbel, der seit rund 20 Jahren Milchvieh-Betriebe berät.Die Reform zwingt zur Nagelprobe

"Der Weg in die Zukunft wird schwierig", sagt der Bonner Agrar-Experte. "Aber für gute Unternehmer bietet er mehr Chancen als Risiken, alleine oder in Partnerschaft." Denn der Strukturwandel gehe weiter. "Vor allem in der Milchproduktion. Weil die laufende GAP-Agrarreform alle Landwirte zur Nagelprobe zwingt." (GAP = Gemeinsame Agrar-Politik, Anm. d. Red.) Der Milchpreis sei unter Druck - "auch wenn wir in der Eifel Spitzenpreise im Bundesvergleich haben, durch die Milch-Union und die Hochwald-Eifelperle. Das zwingt alle, noch mehr als bisher Kosten zu sparen und die Leistung zu steigern. Das bedeutet große Investitionen und ein Festlegen auf die nächsten zehn, 20 Jahre". Der Trend gehe dabei "zu 100 Kühen, die professionell und arbeitswirtschaftlich ohne Stress gemanagt werden". Eckpunkte: "Eine schlagkräftige Melktechnik mit Wartehof, modernen Ställen und viel Kuh-Komfort." Das Ganze, natürlich, an einem "möglichst entwicklungsfähigen Standort ohne allzu große Umweltprobleme und mit ausreichenden Flächen." Fazit: "Sie müssen sich entscheiden, ob sie in Zukunft professionell Milch produzieren wollen oder aber über den Ausstieg nachdenken." Starker Stoff für die Eifeler Milchbauern. "Da hat manch einer nicht schlecht gestaunt", berichtet Züchter-Geschäftsführer Gerd Grebener. Andere halten dagegen: "Im Grundsatz hat Göbbel Recht", sagt Alfred Bormann, Vorsitzender der Züchter-Vereinigung. Aber: Man habe die Produktivität in den vergangenen Jahren bereits deutlich gesteigert, dank besserer Zucht, besserer Fütterung und tiergerechter Ställe. "Ich selber bin mit 30 Kühen gestartet, heute sind es 60. Und wir wollen auch weiter wachsen. Aber in Schritten, die man auch hinkriegt." Es nütze nämlich nichts, auf Teufel komm' raus zu vergrößern: "Wir haben hier meist Familienbetriebe. Da sind 100 Kühe schon ein Problem." Außerdem: Wer wachse, brauche eine höhere Milchquote, mehr Fläche, mehr Futter. "Ich muss die Tiere ja auch satt kriegen."Schwere Bedingungen, starke Leistung

Zudem hätten die Eifeler Betriebe auch im abgelaufenen Jahr ihre Leistungsstärke gezeigt, trotz schwieriger Bedingungen: Mit durchschnittlichen Jahres-Milchleistungen von satten 12 000 Kilogramm pro Kuh liegen Landwirte wie Robert Lichter in Ließem oder Peter Meutes in Rommersheim sogar bundesweit ganz vorn, stellt Alfred Bormann klar. Auf der von Göbbel geforderten "Soll-Stärke" liegt bereits der Betrieb von Bormanns Stellvertreter Frank Königs in Niederkyll: 80 Kühe plus Jungvieh versorgt der 31-Jährige gemeinsam mit Vater Peter, vielleicht kommen irgendwann noch 50 dazu - "dann sind die Schotten dicht". Aber er wird weitermachen: "Als Milchviehbauer hast du noch Perspektiven", sagt er. "Und wenn du die nutzt, kannst du auch Geld verdienen. Du musst allerdings Profi sein." Und zuversichtlich. Theo Göbbel: "Pessimisten behalten öfter Recht. Aber die Optimisten machen das Geschäft."