Mehr Leben in die Krippe

Also, ich war ja die Tage auf dem Bitburger Weihnachtsmarkt. Glühwein ist ja eigentlich nicht so mein Ding. Wegen der Becheröffnung. Bin dann - nachdem ich mir das Zeug eimerweise über die Jacke geschüttet habe - auch wieder auf Stubbis umgestiegen.

Wie auch immer: Als ich da so die Fußgängerzone hoch wandere und versuche, meine verbrühte Zunge in den eiskalten Flaschenhals zu pressen, stehe ich auf einmal vor dieser Krippe. Also die mit den lebenden Figuren. Na ja, zumindest mit lebenden Tieren. Jesus ist aus Plastik. Und Maria und Josef sehen so aus, als wären sie beim Messerich aus dem Schaufenster abgehauen. Und außerdem ist Maria rappeldürr. Nein, wirklich: so sieht doch keine Mutter aus. Auch nicht die von Jesus. Hätte da sowieso viel lieber so richtige Menschen. Weiß jetzt auch nicht mehr warum, aber wie ich da so an dem Zaun hänge und versuche, die Zunge wieder aus der Flasche zu ziehen, da schießt mir auf einmal Michel Billen durch den Kopf. Ja, so stelle ich mir eine Maria vor. Auf mich wirkt der Billen auf jeden Fall immer so mütterlich. Etwas stark behaart, aber trotzdem. Und Frau Niewo wäre dann der Josef. Weil der Josef konnte sich das mit dem Kind irgendwie nicht so richtig erklären, und die Professorin ist ja auch immer etwas zerstreut. Und Bürgermeister Streit wäre dann das kleine Christkind. Der strahlt auch immer so. Und ob der jetzt im Rathaus oder draußen in der Krippe rumlümmelt, ist doch egal. So, wie wenn in China mein Becher Glühwein umfällt.