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Mehr Sicherheit für große Vögel

Mehr Sicherheit für große Vögel

2500 Aufträge, Kosten von zwei Millionen Euro: In der Region Trier werden derzeit die freiliegenden Stromleitungen überprüft und gesichert, damit große Vögel nicht mehr an Stromschlägen sterben.

Trier. Sie sind aktuell überall unterwegs. Ihre Fahrzeuge stehen am Straßenrand, auf Wiesen oder in Wäldern. Mit Hubarbeitsbühnen arbeiten die Monteure der Rhein-Ruhr Verteilnetz, einer Tochtergesellschaft der RWE Deutschland, an Masten oder Gebäudestationen in luftiger Höhe. Ihr Auftrag: Die 20 000-Volt-Mittelspannungsfreileitungen entschärfen, um Großvögel zu schützen. Etwa zwei Millionen Euro kostet das in der Region Trier, in der etwa 2500 Einzelaufträge anstehen. "Die müssen alle bis Ende des Jahres abgearbeitet werden", sagt Peter-Michael Knechtges, Leiter Technik am Standort Trier.
Das Thema Vogelschutz ist dem Ingenieur nicht neu. Seit Mitte der 80er Jahre ist er damit beschäftigt. "Damals haben wir in direkter Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden in Vogelschutzgebieten die kritischen Punkte gesucht und dann entschärft", sagt Knechtges. Inzwischen müssen laut Gesetz aber nicht nur Brut- und Nistgebiete, sondern alle Masten und Stationen von Mittelspannungsfreileitungen besonders geschützt werden. Da zudem die Vorgaben für die Bauweisen verändert wurden, müssen auch die bereits gesicherten Masten erneut überprüft und an den neuen Standard angepasst werden.
"Mit unseren Sicherungsmaßnahmen wollen wir vermeiden, dass Großvögel mit ihren beeindruckenden Flügel-Spannweiten zwei Seile überbrücken und dabei zu Tode kommen", erklärt Rüdiger Junghanns, der mit seinen Teams einen Teilbereich des Gebietes verantwortet. Deshalb bringen die Monteure über den Isolatoren und Seilübergängen Schutzhauben an, die die stromführenden Leiterseile abdecken.
Zudem werden außerhalb des Gefahrenbereiches angeraute Sitzbretter auf den Traversen angebracht, die den Großvögeln einen sicheren Lande- und Beobachtungsplatz bieten. Dort, wo die Tiere auf keinen Fall landen sollen, bringen die Monteure Abweiser mit elastischen Stangen aus Kunststoff an. Dafür müsse dann auch mal eine Leitung vorübergehend ausgeschaltet werden.
Hin und wieder müssen die Teams improvisieren: "Normalerweise haben wir für jeden Mastpunkt etwa ein bis eineinhalb Stunden zur Verfügung. Doch das klappt nicht überall. Denn mit unseren Hubarbeitsbühnen kommen wir längst nicht überall hin", sagt Rüdiger Junghanns.
Immer wieder müsse man zu Masten in unwegsamem Gelände, "da tun sich dann selbst unsere geländegängigen Steigerwagen schwer". Wenn alle Stricke reißen, legen die Monteure einen Teil des Weges zu Fuß zurück und steigen über die Leiter an ihren Einsatzort.
Dass sich die Mühen aber lohnen, davon sind Peter-Michael Knechtges und Rüdiger Junghanns überzeugt. Knechtges: "Wer den majestätischen Flug der Großvögel am Himmel beobachtet, der hat seine Freude daran." red