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Mehr Urlauber in der Eifel als sonst wegen Corona Heimaturlaub im Trend

Heimaturlaub boomt, die Eifel profitiert : Eifeler Gastgeber ziehen Preise nicht an

Die Eifel ist zurzeit ein beliebtes Reiseziel, die von der Corona-Krise hart getroffene Reisebranche erholt sich langsam wieder. Doch auf das schnelle Geld sind die hiesigen Gastgeber nicht aus.

Der Urlaub im eigenen Land erlebt im Jahr 2020 eine Renaissance. Die Gründe sind bekannt: Bis zum 15. Juni, dem Datum, an dem das Auswärtige Amt die coronabedingte Reisewarnung für insgesamt 31 Länder aufhob, war es ungewiss, ob Reisen ins Ausland überhaupt möglich sein wird. Und auch danach, als klar war, welche Länder wieder möglich sind,  entschlossen sich viele Deutsche dazu, die Ferienzeit im Inland zu verbringen – etliche bleiben ganz zu Hause.

Die Eifel erlebt seitdem einen Gäste-Ansturm, der alle Erwartungen übertrifft (der TV berichtete). Und auch, wenn es heißt, dass die Nachfrage auch den Preis des Angebots beeinflusst, wollen die Eifeler Gastgeber das große Interesse an ihren Betrieben nicht ausnutzen. Die Preise werden, wie eine Umfrage des Trierischen Volksfreunds unter Betreibern von Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätzen zeigt, nicht erhöht.

 Blaues Maar, grüne Schluchten: Die Eifel hat eine Menge zu bieten.
Blaues Maar, grüne Schluchten: Die Eifel hat eine Menge zu bieten. Foto: TV/Hans-Peter Linz

Gleichwohl wollen die meisten die Mehrwertsteuer-Senkung, die am ersten Juli in Kraft trat, nicht an ihre Kunden weitergeben. „Wir hoffen auf das Verständnis unserer Gäste“, sagt Martina Berg, Inhaberin des Vulkanhotels in Steffeln: „Auch wenn wir dank unseres besonderes Angebots in den Sparten Wellness und Fasten sehr gut gebucht sind – das Loch, das Corona gerissen hat, werden wir nicht mehr ausfüllen können“, sagt Berg. Die zwei Prozent Mehrwertsteuer werde sie einbehalten, auch weil der Aufwand, verschärfte Hygiene-Vorschriften  zu befolgen, irgendwie finanziert werden müsse.

Mit einer Ausweisung der Mehrwertsteuer hätten die Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland nichts zu schaffen, erklärt der Vorstandsvorsitzende des Jugendherbergsverbands, Jacob Geditz, und erklärt: „Die Jugendherbergen sind eine gemeinnützige Organisation und von dieser Steuer befreit.“  Doch auch hier ist die Lage ernst.

Der Einnahmeverlust der Herbergen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland betrage seit Beginn des Jahres mehr als 30 Millionen Euro, sagt Geditz. „Doch die Preise wurden gegenüber dem Vorjahr nicht erhöht, wir wollen die Familien, die bei uns zu Gast sind, nicht weiter zusätzlich belasten.“ Die finanziellen Einbußen in der Corona-Krise seien unwiederbringlich verloren und ließen sich so auch nicht aufholen, sagt der oberste Herbergsvater des Landes.

Welche Gastgeber der TV auch fragt, niemand geht davon aus, Verluste mithilfe von Preiserhöhungen ausgleichen zu können. „Wir setzen auf Stammgäste, und die wollen wir dadurch nicht verlieren“, heißt es von den Campingplätzen und Ferienhaus-Anbietern im Kreis Vulkaneifel. Wolfgang Poss, der rund 20 Ferienhäuser und Appartements im  Raum Daun vermietet, überlegt, ob er in diesem Jahr die Strompreise angleichen muss – „mehr aber auch nicht. Wir sind froh, dass wir zurzeit alle Unterkünfte belegen können.“ Der Andrang sei sehr groß, dennoch seien die Verluste nicht mehr aufzufangen. „Wir sind im Sommer sowieso sehr gut besucht, da lässt sich nichts mehr herausreißen“, sagt Poss. Weiterkämpfen heiße die Devise.

Dom Van de Wetering, Inhaber des Eifelhotels in Daun, fühlt sich wie auf der Achterbahn. „Erst von Einhundert auf null und dann von null auf einhundert“, seufzt er. „Wir sind sehr gut gebucht, meine Stammgäste kommen überwiegend aus den Niederlanden – und die würden sich sehr wundern, wenn wir die Preise erhöhen“, sagt Van de Wetering. Auch er werde die Mehrwertsteuersenkung nicht weitergeben, ebenso wie andere seiner Kollegen: „Damit werden die höheren Ausgaben für Corona-Auflagen beglichen.“ Mehr aber auch nicht.

Daniel Köhler, Betreiber des Prümtal-Campingplatzes in Oberweis, beobachtet, dass sich die Tendenz zu Inlandsreisen in der Zusammensetzung seiner Gäste niederschlägt: „Wir haben in Normalzeiten fast 90 Prozent Niederländer hier. In dieser Saison sind jedoch sehr viel mehr Deutsche angereist.“ Darunter seien sehr viele junge Leute, und sogar sonst seltene Anfragen aus Norddeutschland habe er verzeichnet. „Und aus Dänemark“, berichtet Köhler. Das Prümtal-Camping habe auf Preiserhöhungen verzichtet, „ganz bewusst“, sagt Köhler. Und das, obwohl „wir monatelang keine Einnahmen hatten“. Die Mehrwertsteuer-Senkung von sieben auf fünf Prozent werde der Betrieb nicht an die Gäste weitergeben, auch Köhler führt die höheren Kosten an, die die Corona-Auflagen mit sich bringen.

„Wir haben die Buchungsergebnisse der vergangenen Monate gerade erst ausgewertet“, sagt Frank Reuter von der Touristik GmbH Gerolsteiner Land. Und es gebe Erstaunliches zu berichten: „Nach den Zahlen, die uns vorliegen, kommen vermehrt Österreicher, Schweizer und Franzosen zu uns.“ Insgesamt zählt die Touristik GmbH mehr Besucher als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres, auch mehr Touristen aus dem ganzen Bundesgebiet. „Darunter sind ungewöhnlich viele junge Menschen“, sagt Reuter. Einen Preisanstieg bei den im Gerolsteiner Land angebotenen Unterkünften habe er nicht beobachtet, sagt der Chef der Touristik GmbH.

„Laut unserem Buchungssystem gibt es in der Region keine Preiserhöhungen für Ferienunterkünfte“, sagt auch Klaus Schäfer von der Eifel Tourismus GmbH in Prüm. Er bestätigt, dass immer mehr junge Menschen ihren Urlaub in der Eifel verbringen: „Der Trend ist zwar seit einigen Jahren feststellbar, wurde aber sicherlich coronabedingt beschleunigt.“ Traditionell sei die Eifel Ausflugsziel für die Bewohner der umliegenden Ballungszentren, sagt Schäfer. „Doch in diesem Jahr verzeichnen wir, dass sich neue Schwerpunkte entwickeln. Die Leute nehmen beispielsweise weitere Anreisen für Tagesausflüge in Kauf.“ Besucher kämen inzwischen auch aus den neuen Bundesländern sowie aus dem Süden Deutschlands. Schäfer: „Ferienwohnungen in der Eifel sind derzeit sehr beliebt, sie bieten Familien in der Corona-Krise eine sichere Umgebung.“

Auch die Sprecherin von Gesundland Vulkaneifel, Valerie Schneider, sagt: „Der Tourismus im GesundLand Vulkaneifel floriert regelrecht.“ Die Aufenthaltsdauer der Gäste  nehme zu, außerdem buchten mehr Familien. Ausländische Gäste, hauptsächlich Niederländer und Belgier, besuchten die Region momentan deutlich weniger als sonst üblich. Dafür kämen mehr Gäste aus entfernteren Regionen Deutschlands wie beispielsweise aus Niedersachsen, Berlin oder dem Erzgebirge.