Mein Fest: Persönliche Ansichten und Erinnerungen
Zwei Männer, eine Frau, eine Meinung: Das Bitburger Folklore-Festival ist einen Besuch wert. Mehr als 36 Tanz- und Musikensembles aus 16 Ländern werden von Freitag, 8. Juli, bis Montag, 11. Juli, in Bitburg für Stimmung sorgen. Langjährige Festgäste, Organisatoren und Kenner des multikulturellen Spektakels schildern im TV, welche Programmpunkte sie besonders mögen:
Also, um das gleich vorweg zu sagen: Dieses wunderschöne Fest heißt Grenzlandtreffen und nicht Europäisches Folklorefestival. Auch wenn Werbestrategen vor einigen Jahren den alten Namen verstaubt und bieder fanden und in dem neuen Titel etwas Weltmännisches sehen wollten: Der normale Eifler, von dem dieses Fest lebt, findet den neuen Namen nicht nur total langweilig und beliebig, sondern auch falsch.
Denn in fast jedem Jahr sind Gruppen dabei, die so was von nichteuropäisch sind. Also ist Europa ohnehin längst zu klein für unser tolles Fest. Der bewegendste Moment, den ich je beim Grenzlandtreffen erlebt habe, war der Abend des 14. Juli 1990. Samstag, ab 20 Uhr, wie immer Einzug der Nationen.
Das ist für viele ohnehin die schönste Stunde des ganzen Festes. Wenn der Bitburger Musikverein die Nationalhymnen spielt und die Gruppen in Festtracht und mit Landesfahnen ins Zelt einziehen, wenn die Menschen stehen und applaudieren. Für alle Beteiligten sind das Momente voller Emotionen. An jenem denkwürdigen Samstag im Juli 1990 war für die meisten Besucher im Festzelt alles noch viel schöner als sonst.
Denn Bitburg hatte ganz besondere Gäste. Schon oft waren Tanzgruppen aus dem sogenannten Ostblock, etwa aus Polen, Bulgarien oder Rumänien zu Auftritten hier gewesen, aber noch nie ein Ensemble aus der DDR. An diesem ganz besonderen Abend aber geschah für damalige Verhältnisse Ungeheuerliches. Das Tanzstudio Plauen zog zusammen mit der Bitburger Volkstanzgruppe und den Götz Buam von Siggi Hipfl unter den Klängen der Deutschen Nationalhymne ins Festzelt ein. Kaum einer kannte diese Gruppe, die wenigsten wussten damals etwas über Plauen oder hätten auf Anhieb sagen können, wo das genau liegt oder wo man Sachsen überhaupt auf der Landkarte findet.
Aber das spielte auch keine Rolle. Die Freude über diesen Besuch aus Ostdeutschland war riesig, der Beifall wollte nicht enden. Wiedervereinigung im Kleinen sozusagen. Da kullerten bei vielen die Tränen der Rührung, keiner konnte sich der Faszination dieser Bilder entziehen. Ein wunderbarer, ein unvergesslicher Augenblick.
Damian Schwickerath (54), Rittersdorf, stellvertretender Chefredakteur des Trierischen Volksfreunds.
Natürlich sage ich Folklore-Festival. So heißt das Fest ja nun schon offiziell seit 1994, genau genommen: Europäisches Folklore-Festival. Europa ist ganz klar der Schwerpunkt, auch wenn wir immer zusehen, dass wir ein, zwei Gruppen aus fernen Ländern präsentieren können. Am Anfang musste ich mich schon umgewöhnen mit dem Namen. Aber das ging schnell.
Mich freut immer, wenn ich dann zur Festival-Zeit die Leute kennenlerne, mit denen wir bis dahin gemailt und telefoniert haben und die dann hier in der Stadt zu Gast sind. Schön ist auch, wenn Ensembles immer wieder zum Folklore-Festival kommen, und man bekannte Gesichter sieht. Es haben sich ja auch einige Freundschaften so entwickelt - von Vereinen und Gasteltern zu einzelnen Gruppen oder auch Partnerschaften. Wir merken auch immer, wie klein die Welt ist, wenn sich die eine oder andere Teilnehmergruppe schon untereinander kennt. Im Organisationsteam freut uns auch besonders, dass so viele Bitburger das Festival unterstützen, vor und hinter den Kulissen.
Gut in Erinnerung ist mir noch, als wir 2001 erstmals eine Gruppe aus Neuseeland zu Gast hatten. Diese Gesänge und Tänze der Maori - das hat für mich Südsee-Atmosphäre verbreitet.
Überhaupt gefällt mir das Zusammentreffen der vielen Kulturen. Deshalb mag ich auch den Treff der Kulturen am Samstagmorgen, den Einzug der Nationen am Samstagabend und den Festumzug am Sonntag ganz besonders. Bei diesen Programmpunkten bekommt man wirklich einen guten Eindruck von der multikulturellen Vielfalt dieses Fests. Aber auch den Montagabend mit der Abschiedsgala lasse ich nicht aus. Da ist die Stimmung so schön gelöst. Also eigentlich bin ich ein Fan vom gesamten Folklore-Festival. In der ganzen Stadt herrscht dann immer eine besondere Stimmung, und überall gibt es Musik und Tanz.
Gisela Frese (59), Bitburg, ist seit 1971 an der Organisation des Folklore-Festivals beteiligt.
Also mir rutscht noch oft der Name Grenzlandtreffen raus. So hieß das Fest ja fast drei Jahrzehnte lang. Meine Erfahrung ist, dass es für die alteingesessenen Bitburger immer noch das Grenzlandtreffen ist, während es bei uns im Betrieb vor allem die jungen Leute sind, die Folklore-Festival sagen.
Was mir daran gefällt ist, dass es jedes Jahr immer wieder neu ist. Am Programm wird immer mal wieder gefeilt, wie etwa dieses Jahr mit der Rocknacht am Freitag. Und dann sind ja jedes Jahr auch andere Tanz- und Musikgruppen zu Gast. Das allein trägt schon dazu bei, dass es jedes Mal anders ist.
Eine Gruppe aus Neuseeland hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.Das war beeindruckend, diese Gesichter und Tänze. Mir persönlich gefällt von den Programmpunkten der Einzug der Nationen am Samstagabend am besten, wenn man sieht, mit welcher Begeisterung die Tänzer und Musiker bei der Sache sind. Das ist einfach ansteckend.
Und beim Seniorennachmittag ist es für mich immer schön, die Freude in den Gesichtern der Zuschauer zu sehen, wenn sie gemütlich von ihren Plätzen aus die Kultur ferner Länder erleben. Was ich mir wünsche, wäre, dass auch der Festumzug am Sonntag richtig gut besucht ist. Das hat in den vergangenen Jahren etwas nachgelassen.Die Gruppen, die da bei Wind und Wetter durch die Stadt ziehen, tanzen und musizieren haben auf jeden Fall Zuschauer und Beifall verdient. Klar, das Wetter, da habe ich auch einen Wunsch: trocken, sonnig, aber nicht zu schwül. Eben Festwetter. Ich freue mich jedenfalls schon auf das Grenzlandtreffen, also das Folklore-Festival.
Hajo Römer (59), Bitburg, sorgt mit seinen Römerbetrieben seit 26 Jahren für das Catering im Festzelt.